Freitag, 6. Dezember 2019

Kampf um Talente Was Arbeitgeber Bewerbern bieten müssen

Statt hartem Wettbewerb um Jobs wird es schon bald einen Kampf um den Nachwuchs geben

Alle wollen zu Audi, BMW und Co. - aber warum? Junge Nachwuchskräfte erzählen, nach welchen Kriterien sie Unternehmen beurteilen - und wie sie ihren Traumjob finden.

Hamburg - Die Aufholjagd hat Christina Gackstatter imponiert: "Wie Audi durch ständige Innovationen an die beiden Konkurrenten im Premiumsegment herankam, war schon etwas Besonderes", sagt die 29-jährige Informatikerin, "auch das Design strahlt Modernität aus, das hat mich angesprochen." Diese Wahrnehmungen lösten bei Gackstatter den Wunsch aus, bei Audi zu arbeiten.

Vor drei Jahren begann sie dort in der Vorentwicklung Fahrzeugassistenzsysteme ihre Dissertation zum Thema "Ermittlung der Fahrzeugposition durch Umfeldmodellierung". Und weil dies ein Thema ist, in dem Audi Kompetenz aufbauen will, arbeitete die Nachwuchs-Wissenschaftlerin mit einem Halbtagsvertrag des Autobauers.

Die Premium-Autobauer haben es leicht: Ihre Produkte fahren gut sichtbar auf den Straßen, ihre Werbung ist omnipräsent, und auch in ökologisch geprägten Zeiten haben genügend junge Leute Freude am Fahren, vor allem, wenn sie Techniker sind. Aber wie bringen Unternehmen ohne jeden Glamourfaktor junge Leute dazu, in ihnen einen attraktiven Arbeitgeber zu sehen?

In der jährlichen Umfrage des Beratungsinstituts Trendence unter examensnahen Studenten der Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften über die beliebtesten Unternehmen landen auch Wirtschaftsprüfer und Investitionsgüterhersteller weit vorn.

Kampf um den Nachwuchs statt Bewerberschwemme

Was in früheren Jahren der Bewerberschwemme höchstens im Wettbewerb um Toptalente von Belang war, wird zunehmend zum überlebenswichtigen Faktor für Unternehmen: Weil in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mehr Akademiker in Ruhestand gehen als neu hinzukommen, dreht der Markt - statt hartem Wettbewerb um Jobs wird es einen Kampf um den Nachwuchs geben. Bis 2025, prognostiziert McKinsey, fehlen in Deutschland 2,4 Millionen Akademiker.

Schon heute sind Absolventen bestimmter Fachrichtungen - vor allem IT und Ingenieurswissenschaften - knapp und begehrt.

Die Arbeitgeber reagieren mit einer Großoffensive. "Wir haben einen ganzen Strauß von Maßnahmen", sagt der Personalvorstand des Trendence-Seriensiegers Audi Börsen-Chart zeigen, Thomas Sigi: Kampagnen in klassischen Medien bis hin zu sozialen Netzwerken, mit Angeboten für junge Leute - vom Schüler bis zum Doktoranden. Doch auch der Wettbewerb schläft nicht und hat dem Nachwuchs Einiges zu bieten.

© manager magazin 10/2011
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