Mittwoch, 16. Oktober 2019

Schuldenkrise Die Vereinigten Staaten von Euro-Land

Chronik der Euro-Krise: Das Ende der Alleingänge
Matt Murphy

5. Teil: Deutschland soll Inflationierung akzeptieren - oder sich neue Freunde suchen

Ein halbes Leben schon arbeitet Trichet in der europäischen Währungspolitik. Er diente Valéry Giscard d'Estaing, als der mit Helmut Schmidt das Europäische Währungssystem ausheckte. Später, als Banque-de-France-Chef, kämpfte er für den "Franc fort", den starken Franken. Acht Jahre lang hat er die EZB geführt und geprägt, im Oktober endete sein Vertrag.

Danach wird die Bank eine andere sein. Die Hälfte des sechsköpfigen Direktoriums wird in diesem Herbst ausgetauscht: Mario Draghi ist der neue Präsident; für Stark kommt, direkt aus dem Berliner Finanzministerium, Jörg Asmussen, für Lorenzo Bini Smaghi ein noch zu ernennender Franzose.

Wird die EZB endgültig zum Spielball der Politik?

Es sei naiv zu glauben, deutsche geldpolitische Vorstellungen ließen sich angesichts der schwierigen Lage noch kompromisslos durchsetzen, urteilt Leonhard Fischer, Chef der Beteiligungsgesellschaft RHJI. "Die Politik der meisten Zentralbanken der westlichen Welt wird auf Inflation ausgerichtet sein." Die Deutschen müssten anerkennen, "dass wir in dieser Situation die Wahl haben, uns für unsere Freunde" in der Euro-Zone zu entscheiden und "eine gewisse Inflationierung" zu akzeptieren. "Oder wir müssen uns neue Freunde suchen."

Die Zentralbank wird künftig deutschen stabilitätspolitischen Vorstellungen am nächsten kommen, wenn sie nicht mehr allein dasteht an der letzten Verteidigungslinie der Währungsunion - wenn ihr andere Euro-Land-Institutionen zur Seite gestellt werden. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan.

© manager magazin 10/2011
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