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Automuseen: Die Prunkstücke der Sammler

Foto: Andreas Pohlmann

Automuseen Gelegenheit macht Sammler

Im Wettbewerb mit den großen Markenausstellungen glänzen private Autosammlungen durch liebevolle Details und die Leidenschaft ihrer Gründer. Die motorisierten Schmuckstücke, die über Jahrzehnte zusammengetragen wurden, erzählen viele kleine Anekdoten - und münzen diese um in große Geschichte.

Hamburg - Wer wissen will, wie Bundespräsident Heinrich Lübke in den 50er Jahren zum Sitzriesen wurde, der muss im Schwarzwaldstädtchen Schramberg ins Obergeschoss der Autosammlung Steim vordringen. Dort ist Lübkes Dienstlimousine ausgestellt, ein schwarzer Mercedes 300d.

Der Platz hinten rechts ist eine Handbreit höher als die übrige Rückbank, die Rückenlehne hat dort ebenfalls dickere Polster. Von dem diskret erhöhten Chefsitz konnte der schmächtige Lübke ebenso huldvoll nach draußen winken wie Europas gekrönte Häupter, die den bürgerlichen Pykniker oft nicht nur physisch überragten. Im maßgearbeiteten Fond der Staatskarossen gab der Präsident somit eine bessere Figur ab als sonst in seinem Amt, wo er schon bald nach seiner Wahl im Jahr 1959 als Lachnummer galt ("Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!").

Hans-Jochem Steim, der heutige Eigentümer und Aussteller des Pullman, grinst breit, wenn er den "Kindersitz des Präsidenten" vorführt: "Na ja, zumindest haben die Innenausstatter bei Daimler  ihr Möglichstes getan, um Lübke wie ein Staatsoberhaupt aussehen zu lassen." Details wie diese sind die Lieblingsobjekte von Autosammlern wie Hans-Jochem Steim: "Sie erzählen Geschichtchen - als Teil der großen Geschichte", sagt der leidenschaftliche Unternehmer, der zuletzt die legendäre Uhrenmarke Junghans wiederbelebt hat.

Das Credo des 68-Jährigen könnte auch das prinzipielle Motto privater Sammler sein, die ihre Kollektionen öffentlich zugänglich machen: Attraktive Autos stellen anschaulich dar, was sonst oft als Marotte abgetan und kaum im Zusammenhang gesehen wird: Design und Maschinenbau, technischer Fortschritt und Wirtschaftsgeschichte, Moden und Konsumgewohnheiten.

Preziosen von Kraft und Schönheit

Gemeinsam mit seinem Sohn Hannes hat Steim deshalb ein ehemaliges Fabrikgebäude in seiner Heimatstadt Schramberg aufwendig umbauen lassen in ein modernes Museum. Seit gut vier Jahren zeigen die beiden Autoliebhaber dort auf über 3000 Quadratmetern eine wechselnde Ausstellung von einigen Dutzend Schmuckstücken aus ihrer Sammlung: Motorräder und Lkw, Kleinwagen und Militärfahrzeuge, vor allem aber elegante oder sportliche, luxuriöse oder technisch außergewöhnliche Pkw, aus der Vor- wie aus der Nachkriegszeit.

Alle Old- und Youngtimer sind fachgerecht restauriert, technisch wie optisch aufbereitet. So entstanden fahrbereite Preziosen von Kraft und Schönheit, Kabinettstücke aus duftendem Leder und edlen Hölzern, Schwelgereien in Stahl, Chrom und glänzendem Lack.

Das macht die Autoklassiker begehrt, nicht nur bei staunenden Museumsbesuchern. Oft verleihen die Steims ihre automobilen Juwelen für historische Feiern oder führen sie bei Oldtimer-Rallyes aus. Das Adler-Trumpf-Stromliniencoupé aus der Sammlung Steim etwa, Teilnehmer des 24-Stunden-Rennens von Le Mans in den Jahren 1937 und 1938, wurde in diesem Jahr Gesamtsieger beim Schönheitswettbewerb "Le Mans-Classics".

Der Augenstern von Hans-Jochem Steim ist jedoch das älteste Modell: ein de Dion Bouton aus dem Jahr 1902. "Nächstes Jahr feiern wir seinen 110. Geburtstag", freut sich der Sammler.

Es soll mehr menscheln

Seine ersten Oldtimer hat Steim 1977 in den USA gekauft. Seither lässt er sich nur ungern eine Chance entgehen, wenn irgendwo auf der Welt ein seltenes Automobil angeboten wird. "Gelegenheit macht Sammler", sagt Steim und schmunzelt über sein eigenes Bonmot.

Allerdings achtet der sparsame Mittelständler strikt auf den Realwert seiner Einkäufe. Er investiert nicht in Objekte, die ihn heute schon Millionensummen kosten würden. Überhöhte Forderungen für günstigere Modelle sitzt der Routinier aus - um dann, unter Umständen auch nach vielen Jahren, zu einem deutlich niedrigeren Preis zuzuschlagen. Etwa 18.000 Besucher haben sich im vergangenen Jahr die Autosammlung Steim angesehen.

Deutlich mehr - rund 30.000 - waren es im Deutschen Automuseum auf Schloss Langenburg im Hohenlohischen. Dort werden seit 41 Jahren mustergültig restaurierte Oldtimer aus der Kollektion des damaligen Schlossherrn und einiger anderer Liebhaber ausgestellt, was die Tradition der privat geführten Automuseen im westlichen Mitteleuropa begründet hat.

Im elsässischen Mulhouse wurde nach diesem Muster wenig später die Sammlung der Industriellenfamilie Schlumpf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie beherbergt noch heute die größte Zahl von Bugatti-Modellen. Der legendäre Autojournalist Fritz B. Busch hat ebenfalls auf das in Langenburg etablierte Konzept zurückgegriffen, als er ab 1973 seine Oldtimer im oberschwäbischen Wolfegg ausstellte.

Der Wettbewerb mit den Autostädten ist hart

Heute leitet Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg das Deutsche Automuseum als Teil jener umfangreichen Unternehmungen, mit denen der Lokalpatriot seine Heimat zwischen Franken und Württemberg (Werbeslogan: "Wir können alles außer Schwäbisch") für Touristen attraktiver machen will.

Der Fürst, ein entfernter Neffe des britischen Thronfolgers und als Pionier der Slow-Food-Bewegung "eher entschleunigt unterwegs", hat deutlich weniger Benzin im Blut als sein Vater, Fürst Kraft. So fällt es dem 41-Jährigen leichter, auch über das aktuelle Hauptproblem der privaten Autoaussteller zu sprechen: den Wettbewerb mit der Autostadt in Wolfsburg, der BMW-Welt in München und ähnlichen Markenmuseen.

Als Porsche  und Mercedes begannen, ihre Markengeschichten im nicht allzu fernen Stuttgart aufwendig zu inszenieren, gingen die Besucherzahlen in Langenburg dramatisch zurück. "Machen wir uns nichts vor", sagt der studierte Betriebswirt Fürst Philipp, ein Marketingspezialist, "gegen die Markentempel der Konzerne, gegen ihre gut gefüllten Modellarchive und gegen ihre Multimediamacht können wir privaten Sammler nicht antreten."

Deshalb will der Museumsmanager das Deutsche Automuseum, das bislang wenig repräsentativ zwischen Marstall und ehemaliger Scheune auf Schloss Langenburg untergebracht ist, im kommenden Jahr neu präsentieren. Die Autos sollen dann nicht mehr als Einzelstücke der Kraftfahrthistorie vorgestellt werden, sondern im Zusammenhang mit besonderen Ereignissen, mit der Lebensgeschichte ihrer Besitzer oder Nutzer. "Es soll mehr menscheln", sagt der Fürst.

Andere Autosammlungen haben indes den Wettstreit mit den Markenmuseen aufgegeben. Die Kollektion Rosso-Bianco in Aschaffenburg etwa wurde im Jahr 2006 aufgelöst. Und die vielen Hundert Schaustücke des Stuhlfabrikanten-Ehepaars Dauphin im fränkischen Hersbruck dienen hauptsächlich als Kulisse für Feiern oder Firmenveranstaltungen im "Dauphin Speed Event". Dort geht es mehr um gastronomischen Service als um automobile Kultur.

Auch Hans-Jochem Steim macht keinen Gewinn mit seiner Sammlung. Das ist dem Stifter aber "ziemlich egal". Der bodenständige Badener will weiter das Profil seiner Ausstellung schärfen. Die muss sich neuerdings mit Konkurrenz vor Ort messen: Im Frühjahr 2010 eröffnete die Stadt Schramberg ein eigenes Auto- und Uhrenmuseum ("Erfinder-Zeiten"), unter anderem mit Fahrzeugen des Sammlers Martin Sauter. Die Fahrräder mit Hilfsmotor, Dreiräder und Kleinwagen aus automobiler Frühzeit stehen keine 500 Meter von Steims postmodernem Neubau entfernt.

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