Montag, 20. Januar 2020

Internet Revoolution bei Google

Geldbringer: Die heiligen Cashcows von Google
AFP

Angriff mit Android und Google Plus: Google-Gründer Larry Page gibt dem mächtigsten Internetkonzern der Welt seine Aggressivität zurück. Dafür zettelt Page eine hausinterne Revolution an - mit all ihren Risiken.

Hamburg - Das Geheimprojekt trug den Codenamen "Emerald Sea", Smaragdmeer. Und damit jeder der Beteiligten mitbekam, dass es hier um etwas Dringendes ging, vergab Google im vergangenen Jahr einen ungewöhnlichen Auftrag: Für das Gebäude in der Charleston Road sollten Kunststudenten ein Wandgemälde anfertigen. Direkt gegenüber den Fahrstühlen, dort wo jeder Mitarbeiter täglich vorbei muss.

Das Bild zeigt ein havariertes Segelschiff, umhergeworfen von gigantischen Brandungswellen - eine genaue Kopie des Gemäldes "Emerald Sea" des deutsch-amerikanischen Malers Albert Bierstadt. "Wir brauchten einen Codenamen, der ausdrückt, dass es hier entweder um eine großartige Gelegenheit geht, zu neuen Horizonten zu segeln", sagt Projektleiter Vic Gundotra, "oder aber, dass wir alle von dieser Welle ertränkt werden."

Ende Juni waren erste Ergebnisse von Emerald Sea in einer ersten Testversion online gegangen: Unter dem Namen Google Plus versucht der Internetkonzern, ein neues soziales Netzwerk zu etablieren, ein Frontalangriff auf Facebook. Anfang November wurde Google Plus auch für Unternehmen und Marken geöffnet. Der Erfolg solcher sozialen Online-Netzwerke, das ist jene Fortschrittswelle, die eines Tages Googles Geschäftsmodell verschlingen könnte.

Am 4. April 2011 ist Google-Mitgründer Larry Page auf den Chefposten seines Unternehmens zurückgekehrt. Mit allen Mitteln, dramatische Wandbilder inklusive, versuchen Page und sein Management seither, die 29.000 Google-Mitarbeiter wachzurütteln und auf den Kampf gegen neue Wettbewerber einzuschwören.

Mitarbeiter wachrütteln, während Milliarden in die Kasse strömen

Keine leichte Aufgabe, wenn das Kerngeschäft aus Internetsuche und Werbevermarktung die Milliarden mit einschläfernder Gleichmäßigkeit in die Konzernkasse strömen lässt. Umsatz 2010: 29,3 Milliarden Dollar, plus 24 Prozent, Gewinn: 8,5 Milliarden Dollar. Krise geht eigentlich anders.

Doch vor allem Page und sein Mitgründer Sergey Brin registrierten in den vergangenen Jahren erste Anzeichen des Erschlaffens. Eine gewisse Behäbigkeit machte sich breit im Inneren jenes Unternehmens, das nach dem Willen der Gründer niemals ein normaler Konzern werden sollte.

Nach und nach schoben sich Sedimentschichten von Mittelmanagern zwischen die einzelnen Projektleiter und das Executive-Team um Brin, Page und den damaligen Chief Executive Officer (CEO) Eric Schmidt. Immer mehr Mitarbeiter werkelten an esoterisch anmutenden Entwicklungsprojekten, die sich bei der Markteinführung regelmäßig als Flops herausstellten - was aber keinen der Beteiligten zu stören schien.

An den ersten Bürowänden tauchten kopierte Dilbert-Cartoons auf, Standard-Frustventil genervter Konzerninsassen.

© manager magazin 10/2011
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