Freitag, 28. Februar 2020

Internet Revoolution bei Google

Geldbringer: Die heiligen Cashcows von Google
AFP

6. Teil: Zurück in die Zukunft

Doch was genau haben der geniale Erfinder Rubin und sein Chef Larry Page nun eigentlich mit Motorola vor?

"Die Übernahme ändert nichts an unserem Bekenntnis, Android als offene Plattform fortzuführen", beruhigte Page bei der Ankündigung seine Android-Partner. Wird Google das margenschwache Geschäft des Handybauers also rasch wieder verkaufen, um allein die Patente auszuschlachten - ganz so wie es die meisten Analysten vermuten?

Oder wird Page die komplette Verwandlung des Suchmaschinenkonzerns wagen? Hin zu einem integrierten Hard- und Softwareunternehmen, bei dem vom Betriebssystem über das Produktdesign bis zu den digitalen Zusatzdiensten, den Apps, alles fein aufeinander abgestimmt ist? Apple stieg mit genau dieser Strategie immerhin zum wertvollsten Konzern der Welt auf. Und Apple-Chef Steve Jobs gehört zu den wenigen Rivalen, denen Page so etwas wie Respekt entgegenbringt.

"Wer Larry Page und Andy Rubin kennt, weiß, dass sie sich mit nichts weniger als dieser Vision zufriedengeben werden", prognostiziert der Topmanager eines Google-Konkurrenten.

Grosse Wetten, volles Risiko - Page will mit Google zurück in die Zukunft. Er will dem Konzern jene Mischung aus Angriffslust und Größenwahn zurückgeben, die Google als Start-up einst so erfolgreich machte.

Revolutionsführer Page geht volles Risiko

Doch ist Page reif genug für die Rolle des Konzernlenkers? Eric Schmidt meint, ja. "Tägliche elterliche Aufsicht nicht länger vonnöten", twitterte er nach dem Machtwechsel. An den Finanzmärkten jedoch, dort wo vor allem stabile Cashflows und Wachstumsraten zählen, herrscht Skepsis gegenüber dem einstigen Montessori-Schüler Page. "Larry Page hat noch keine Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte als CEO vorzuweisen. Es besteht ein großes Risiko, dass er scheitert", befindet Eric Jackson vom Investmentfonds Ironfire Capital.

Die Herausforderungen für Page sind enorm. Google Plus muss sich auch langfristig als Facebook-Alternative beweisen. Die US-Kartellbehörden haben das Geflecht rund um die Android-Software ins Visier genommen und könnten das Geschäft zerstören. Die Android-Partner könnten abspringen, wenn Page mithilfe der Motorola-Entwicklungsabteilung am eigenen Google-Phone und Google-Tablet-Rechner arbeitet.

Doch Revolutionsführer Page weiß auch: Die Erstarrung, der Rückfall in die Konvention bedeuteten den schleichenden Tod seines Geschöpfs.

Im Gebäude mit dem Wandgemälde, dort wo sich heute Googles Zukunft im sozialen Netz entscheidet, residierte einst der Pharmakonzern Alza. Auch bei Alza erlahmte irgendwann die Innovationskraft. 2001 wurde das US-Traditionsunternehmen samt den 10.000 Mitarbeitern vom Rivalen Johnson & Johnson Börsen-Chart zeigen aufgekauft.

Wenige Jahre später bezog Google die leerstehenden Büroräume an der Charleston Road.

© manager magazin 10/2011
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