Freitag, 21. Februar 2020

Internet Revoolution bei Google

Geldbringer: Die heiligen Cashcows von Google
AFP

3. Teil: Bloß nicht stehen bleiben

Pages Rastlosigkeit hat System. Um jeden Preis will der neue CEO verhindern, dass Google das Schicksal so vieler anderer Technologiekonzerne erleidet: Durch den eigenen Erfolg bequem geworden, verteidigen sie nur noch ihre Marktmacht und verpassen die nächste Entwicklungswelle.

Microsoft Börsen-Chart zeigen, Yahoo Börsen-Chart zeigen, AOL: Dutzende von Unternehmen sind bereits über dieses sogenannte Innovator's Dilemma gestolpert, und auch Google könnte ein ähnliches Schicksal drohen. Bis heute hat es der Konzern nicht geschafft, neben der Internetsuche und der daran hängenden Werbevermarktung eine zweite nennenswerte Cashflow-Quelle aufzubauen.

Das Wachstum im Kerngeschäft flacht zudem ab, selbst das zuletzt überraschend gute Quartalsergebnis konnte nicht verhindern, dass sich das Google-Papier seit 2010 unter dem Niveau des Vergleichsindex Standard & Poor's 500 entwickelt.

"Wenn Google Technologieführer bleiben will, muss das Unternehmen Antworten auf neue Herausforderungen finden", urteilt Karsten Weide vom Marktforscher IDC. "Das Internet wird mobiler und sozialer. Beide Entwicklungen führen dazu, dass klassische Suchmaschinen weniger genutzt werden."

Ein großer Teil des Internetverkehrs spielt sich mittlerweile in sozialen Netzwerken ab und bleibt Googles Suchalgorithmen verborgen. Und immer mehr Internetnutzer folgen lieber den Empfehlungen ihrer Facebook-Freunde als den Ergebnissen der Google-Suche. Im mobilen Internet wiederum ersetzen Apps, kleine spezialisierte Programme für Restauranttipps oder Flugbuchung, die Navigation via Suchmaschine.

Antworten auf den Rivalen Facebook

"Ich wusste genau, dass ich etwas tun musste, und bin daran gescheitert." Unumwunden gestand Eric Schmidt Ende Mai ein, auf die Herausforderung durch den Rivalen Facebook keine Antwort gefunden zu haben. Wie in einem Brennglas bündeln sich die über die Jahre gewachsenen Managementprobleme Googles in den gescheiterten Versuchen, ein eigenes soziales Netzwerk zu etablieren.

Laut Google-Weltsicht hätte der Aufstieg von Facebook eigentlich gar nicht passieren dürfen. Warum sollten die Nutzer persönlichen und damit fehleranfälligen Vorschlägen von lose miteinander vernetzten Online-Bekanntschaften Vertrauen schenken? Wo doch unfehlbare mathematische Formeln wie der von Page und Brin erfundene Suchalgorithmus bei der Orientierung im Internet weit überlegen sind.

Dementsprechend stiefmütterlich behandelte Google das erste eigene soziale Netzwerk des Konzerns, das immerhin bereits 2004 an den Start ging: Orkut, benannt nach seinem Erfinder Orkut Büyükkökten. Der türkischstämmige Google-Informatiker hatte seine Plattform, auf der die Nutzer bereits vor Facebook persönliche Profile anlegen und sich miteinander vernetzen konnten, in jenen 20 Prozent seiner Arbeitszeit ersonnen, die bei Google offiziell für persönliche Projekte reserviert sind.

Der Dienst brach unter dem Ansturm der Nutzer regelrecht zusammen. Anstatt das Projekt aber mit mehr Programmierern und Server-Kapazitäten aufzupäppeln, entschied das Google-Management, das Orkut-Team sich selbst zu überlassen. Die Kapazitätsprobleme wurden nie gelöst. Die Folge: Lediglich in Brasilien ist der Facebook-Rivale bis heute Marktführer - niemand weiß so genau, warum. Eine Annahme lautet, in Brasilien sei das Internet nun mal insgesamt sehr langsam, weshalb die Nutzer es gewöhnt seien, ewig zu warten, bis sich eine Orkut-Seite aufbaut.

Auch Wave, der nächste Versuch, das soziale Internet zu erobern, litt unter Googles Betriebsblindheit. Der Dienst gestattete es den Nutzern, zeitgleich zu mailen, zu chatten, Einträge zu kommentieren oder gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten. Gewöhnliche Menschen waren von der Fülle der Funktionen heillos überfordert. Allein das offizielle Wave-Einführungsvideo dauerte 80 Minuten. Wave war nerd-, nicht alltagstauglich. Der Dienst wurde 2010 eingestellt.

© manager magazin 10/2011
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