Freitag, 28. Februar 2020

Internet Revoolution bei Google

Geldbringer: Die heiligen Cashcows von Google
AFP

2. Teil: Think bigger - wie Larry Page das Unternehmen umkrempelt

Als Arbeitgeber für junge Informatik- und Managementtalente ist Google längst nicht mehr erste Wahl im Silicon Valley. "Die jungen Toptalente zieht es eher zu den sozialen Online-Netzwerken. Dort locken mittlerweile die spannenderen Projekte und die lukrativeren Aktienoptionen", sagt Konstantin Guericke, Mitgründer des sozialen Netzwerks LinkedIn Börsen-Chart zeigen und heute als Mentor an der Stanford University tätig.

Selbst Topmanager sind in Scharen zu Facebook übergelaufen, allen voran die ehemalige Vertriebschefin Sheryl Sandberg, heute Chief Operating Officer bei Facebook. Inzwischen hat Google Börsen-Chart zeigen mit einer kräftigen Gehaltserhöhung für alle Angestellten versucht, den Exodus zu stoppen.

Im April dann startete Page sein gewaltiges Managementexperiment. Der Internetkonzern versucht sich am Turnaround - noch bevor sich die Schwierigkeiten an den Zahlen ablesen lassen. Schmidt wurde auf den Posten des Chairman abgeschoben, verantwortlich vor allem für Regierungsbeziehungen. Brin beschränkt sich künftig auf nicht näher definierte "Sonderprojekte".

"Es geht um eine Klarstellung der Rollen", sagt Page. "Die geteilten Verantwortlichkeiten haben dazu geführt, dass wir an Geschwindigkeit verloren haben."

Mehr Tempo: Page machte rasch deutlich, dass er es mit dieser Ankündigung ernst meint. Bereits am Tag seines Amtsantritts nahm Produktvorstand Jonathan Rosenberg seinen Abschied - offiziell ein seit Langem geplanter Schritt. Doch tatsächlich hatte Page schon lange gegen Rosenberg opponiert. "Er stand stellvertretend für jene Kaste von Mittelmanagern, die in Larrys Augen dafür verantwortlich sind, dass Google an Angriffslust verloren hat", urteilt Stephen Levy. Der Redakteur der US-Zeitschrift "Wired" hat in den vergangenen Jahren für sein neues Buch "In the Plex" einen beispiellos offenen Zugang zum Google-Management erhalten.

Neue Firmenstruktur und größte Übernahme in der Google-Geschichte

Fünf Tage nach Rosenbergs Abgang krempelte Page die oberste Führungsebene des Unternehmens um. Die Leiter der sieben wichtigsten Produktgruppen berichten nun direkt an ihn. Nikesh Arora, als Chief Business Officer ebenfalls Mitglied im obersten Führungsgremium: "Wir wollen in Zukunft weniger Pfeile abschießen, die dafür häufiger ins Schwarze treffen."

Die neue Firmenstruktur verdeutlicht die wachsende Macht jener beiden Männer, in deren Geschäftsbereichen sich Googles Zukunft entscheidet: Vic Gundotra, Leiter der Division soziales Web, und Andy Rubin, Chef der Sparte mobiles Internet, die sich vor allem mit dem Betriebssystem Android befasst.

Mitte August ging der neue CEO sein bisher größtes Wagnis ein: Google gab ein Kaufangebot ab für den kränkelnden Handybauer Motorola Mobility. 12,5 Milliarden Dollar - die mit Abstand größte Übernahme in der Google-Geschichte wird fast ein Drittel der Bargeldreserven des Unternehmens aufbrauchen. "Typisch Page", kommentiert Stephen Levy die Übernahme. "Wenn andere sagen: 'Think big!', dann sagt Larry: 'Think bigger!'"

Ursprünglich sei es bei den Verhandlungen mit Motorola Börsen-Chart zeigen nur um Patente gegangen, die Google für sein Android-Betriebssystem benötigt. Doch dann habe Page kurz entschlossen die ganze Firma gekauft.

© manager magazin 10/2011
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