Montag, 24. Juni 2019

Wirtschaftsverbrecher Knast und Knete

Schneider, Schmider, Ernst, Schnabel: Was aus verurteilten Ex-Managern wurde
DPA

4. Teil: In Deutschland scheint der Wiedereinstieg unmöglich

Bei Roland Ernst (74) weckte der kleine Sohn Niklas die Überlebenskräfte. Niklas war gerade geboren, als das Immobilienimperium von Ernst im Sommer 2000 zusammenbrach. Obendrein wurde der Ex-Baulöwe dann auch noch verurteilt - zu 21 Monaten Haft auf Bewährung wegen Bestechung und Steuerhinterziehung.

Ernst hat nicht nur 180 Grundstücksgesellschaften verloren, sondern auch sein gesamtes Privatvermögen. An einen Neustart als Unternehmer war also nicht zu denken. Gleichwohl konnte er frühzeitig wieder arbeiten - dank seines Sohnes Falk Philipp Ernst (52). Der gründete im Jahr 2000 eine in Heidelberg ansässige Firma namens Re Projektentwicklung, die der Vater leitet.

Große Pläne treiben Ernst um: Er träumt vom Bau eines Konferenzzentrums in Heidelberg oder auch von zwei neuen Hotels in der Neckarstadt. Bislang allerdings scheint Ernst keine glückliche Hand zu beweisen. Die Re Projektentwicklung hat zwischen 2004 und 2009 (neuere Daten sind nicht verfügbar) nur rote Zahlen geschrieben. 2009 stand in der Bilanz ein Verlustvortrag von 1,6 Millionen Euro - bei einem gezeichneten Kapital von 25.000 Euro. Hätte der Sohn nicht nachrangige Gesellschafterdarlehen eingebracht, wäre die Firma längst bankrott.

Die Ex-CEOs kämpfen mit Ihrer Vergangenheit

Schmider, Zumwinkel, Schneider, Ernst - keiner hat wieder richtig Tritt gefasst. Es ist schwer, öffentlichkeitswirksam verurteilte Manager oder Unternehmer zu finden, die sich eine zweite Karriere aufbauen konnten. In Deutschland scheint der Wiedereinstieg ganz und gar unmöglich. Bestenfalls gelingt er noch im Ausland, wo niemand das Vorleben des Delinquenten kennt und die verbüßte Strafe kein lebenslanges Stigma ist.

Mithin fühlt sich auch Bodo Schnabel (60) in seiner neuen Heimat Hongkong ausgesprochen wohl. Er arbeitet dort für das Softwarehaus Nanomatic, das er zusammen mit Partnern gegründet hat. Die junge Firma wächst profitabel - und Schnabel kann wie eh und je durch die Welt reisen und Geschäfte anbahnen.

Mit seinem früheren Leben hat Schnabel "abgeschlossen". Er will nichts mehr wissen von der Zeit, als er Vorstandsvorsitzender von Comroad war, jenem am Neuen Markt notierten Unternehmen, das im Jahr 2000 auf einen Börsenwert von 1,2 Milliarden Euro schoss, bis sich herausstellte, dass 98 Prozent der ausgewiesenen Umsätze reine Luftbuchungen waren.

© manager magazin 8/2011
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