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Pensionen: Manager mit abgeschlossener Vermögensbildung

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Managerpensionen Bestens versorgt

Voluminöse Aktienpakete, großzügige Übergangsgelder und üppige Firmenrenten - Deutschlands Topmanager sind unverschämt gut versorgt. Während viele auf die Vorstandsgehälter starren, haben die Pensionszusagen schwindelerregende Höhen erreicht.

Es gibt kaum Spektakuläres, mit dem Hartmut Retzlaff (57) jemals auffällig geworden wäre. Der Chef des hessischen Pharmamittelständlers Stada meldet mal steigende (vorvergangenes Jahr), mal fallende Gewinne (vergangenes Jahr). Auch der Kurs seiner Aktie steht ungefähr da, wo er schon vor fünf Jahren war. Allein gelegentlich aufflammende Übernahmegerüchte verleihen dem Papier der M-Dax-Firma einen gewissen, aber nie allzu lange vorhaltenden Nachrichtenwert.

Wirklich spektakulär an Hartmut Retzlaff ist sein Arbeitsvertrag. Wenn der Stada-Chef sich mit 65 verabschiedet, hat er Anspruch auf eine Firmenrente, die sich nicht wesentlich von seinem bisherigen Grundgehalt von 1,4 Millionen Euro unterscheiden dürfte.

Knapp 22,6 Millionen Euro hat der Generikahersteller bislang für die Rente des Vorstandsprimus in der Bilanz zurückgestellt, 941.000 Euro allein im vergangenen Jahr (siehe auch Tabelle"Goldener Schnitt"). Eine Summe, die sich auf fast 27 Millionen Euro erhöht haben wird, wenn Retzlaffs Kontrakt Ende August 2016 ausläuft und Stada  weiter im bisherigen Tempo für die Rente des Vorstandschefs spart. Damit wird er locker am einstigen Post-Chef Klaus Zumwinkel (67) vorbeiziehen, der sich Anfang 2009 Pensionsansprüche in Höhe von 20 Millionen Euro auf einen Schlag auszahlen ließ - und damit für einen Eklat sorgte.

Noch spektakulärer sieht die Rechnung aus, wenn Stada tatsächlich aufgekauft wird. In diesem Fall kann Retzlaff eine in seinem bisherigen Kontrakt verankerte Change-of-Control-Klausel ziehen und sich mit einer Abfindung in Höhe des Fünffachen seines Bruttojahreseinkommens (derzeit also insgesamt 12,5 Millionen Euro) per sofort in den Ruhestand verabschieden.

Diese Rente ist uneingeschränkt sicher

Und als ob das nicht schon genug wäre, steht ihm noch das komplette Gehalt für die Restlaufzeit seines Vertrags zu. Würde Stada also im September 2011 übernommen und die Klausel, was von Stada nicht dementiert wird, auch in Retzlaffs neuem Vertrag stehen, kann er noch einmal 12,5 Millionen fordern. Womit er bei insgesamt 25 Millionen wäre - oder der Hälfte der sagenhaften Abfindung, die Wendelin Wiedeking (58) bei seinem Abgang von Porsche kassiert hat.

So bombastisch gestaltet sich sicherlich nicht jede Pensions- und Abfindungsvereinbarung. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Pensionssysteme in den vergangenen Jahren von festen Rentenzusagen ("defined benefit") auf Systeme umgestellt, die den Führungskräften "nur" noch bestimmte Beträge garantieren, die auf ihre Altersvorsorgekonten fließen ("defined contribution").

"Konzerne minimieren damit das finanzielle Risiko, das durch die Kombination aus höherer Lebenserwartung und häufigerem Wechsel in Toppositionen entstanden ist", sagt Jens Maßmann, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young: "Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Unternehmen wie früher 20 Jahre lang ein und denselben CEO hat, dem es bis 75 eine Pension zahlen muss. Oder ob es wie heute üblich den Chefposten öfter neu besetzt und dann mehrere Ex-Manager bis 85 versorgen muss. Für diesen Fall sind die neuen Systeme deutlich komfortabler."

Die neuen Regeln gelten vor allem für Führungskräfte, die in jüngster Zeit in Vorstands- oder Geschäftsführerpositionen aufgerückt sind - und auch da längst nicht für alle. Wer aber schon länger dabei ist, für den steht fest: Deutschlands Topmanager sind die einzige gesellschaftliche Gruppe, für die Norbert Blüms Versprechen von der sicheren Rente noch uneingeschränkt gilt. Die Konzerne tun nahezu alles, um ihre Vorstände vor der Altersarmut zu bewahren.

Luxuspensionen und üppige Vorruhestandsklauseln

Die Summen, die dabei in die Pensionszusagen fließen, türmen sich zu stattlichen Beträgen. Rund 64 Millionen hat etwa Volkswagen  für die Altersvorsorge seiner derzeit acht Vorstände zurückgelegt, beim Chemieriesen BASF  addieren sich die Rückstellungen für die aktuelle Führungscrew auf 56 Millionen. Insgesamt stehen mehr als 580 Millionen Euro für die künftigen Pensionen der heutigen Topmanager in den Bilanzen der 30 Dax-Konzerne.

manager magazin hat zusammen mit Professor Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt Universität und renommierten Vergütungsexperten die Pensionszusagen der 80 größten deutschen Börsenfirmen analysiert. Das Ergebnis: Trotz der im Vorstandsvergütungsgesetz verschärften Regeln zur Dotierung der Alterssaläre werden weiterhin Luxuspensionen gezahlt und üppige Vorruhestandsklauseln ausgehandelt.

Üblich sind zwar meist 50 oder 60 Prozent der letzten Fixbezüge, doch in vielen Vorstandsverträgen sind Firmenrenten festgeschrieben, die sich in Größenordnungen von bis zu 80 Prozent bewegen. Oftmals besteht der Anspruch auf Ruhegeld bereits ab dem 60. Lebensjahr. Und selbst wenn eine Spitzenkraft ihren Job ein paar Jahre vor Erreichen der offiziellen Altersgrenze verliert, ist das meist alles andere als ein finanzieller GAU. In diesen Fällen sorgt eine fein ausgeklügelte Mischung aus Übergangsgeldern und Abfindungszahlungen dafür, dass die pekuniären Folgen der Trennung überschaubar bleiben. Zudem sind die Regelungen oft intransparent und werden in dicken Geschäftsberichten irgendwo versteckt.

Die Generation Topmanager, die derzeit Deutschlands große Börsenkonzerne regiert, lebt so in einem goldenen Zeitalter persönlicher Vermögensbildung. Vielfach kurz nach der Jahrtausendwende an die Spitze gerückt, gehörten sie zu den Ersten, die von den damals frisch aufgelegten opulenten Aktienprogrammen profitierten. Zugleich nahmen sie wie selbstverständlich die großzügigen Versorgungssysteme der alten Deutschland AG für sich in Anspruch. Best of both worlds.

Das Beste aus zwei Welten: Goldenes Zeitalter persönlicher Vermögensbildung

"In dieser Situation kann man eigentlich nichts falsch machen. Hat man Glück, macht man an der Börse den Deal seines Lebens", sagt der Hamburger Wirtschaftsprofessor Michael Adams: "Geht es schief, lässt es sich immer noch ganz gut von der Firmenpension leben."

Für Volker Heuer (58) ist es in der Tat ganz gut gelaufen. Kurz bevor der schwedische Finanzinvestor EQT im Sommer 2007 die einstige Daimler-Tochter MTU Friedrichshafen unter dem Label Tognum  an die Börse brachte, sicherte sich der Chef des Großmotorenbauers rund drei Millionen Aktien oder 2,3 Prozent des Kapitals zu Vorzugskonditionen.

Vier Jahre und eine Kehrtwende des ursprünglichen Großaktionärs später ist Heuer um 72 Millionen Euro reicher. Wenn Daimler  zusammen mit Rolls-Royce das Kommando übernimmt, wird Heuer schon nicht mehr an Bord sein. Im September geht der Ingenieur in den Ruhestand. Die knapp 250.000 Euro, die ihm künftig jährlich als Firmenpension zustehen, sind dann wohl nicht viel mehr als ein nettes kleines Zusatzeinkommen.

Sicher, solche Größenordnungen werden wohl auch in Zukunft eher die Ausnahme bleiben. Dennoch: Ein Blick in die Bilanz der Deutschen Bank  macht deutlich, um welche Dimensionen es auch bei ganz normalen Dienstverhältnissen geht. Josef Ackermann (63), die Nummer eins des Marktführers, taugt wie in sämtlichen anderen Vergütungsfragen auch hier als Exempel für größtmögliches Verhandlungsgeschick.

Mehr als 560.000 Aktien seines Arbeitgebers hält er derzeit. Gleichzeitig hat der Geldkonzern 13,2 Millionen Euro für die Altersvorsorge des Schweizers zurückgestellt. Damit ist die Aufzählung der betrieblichen Sozialleistungen aber noch längst nicht am Ende.

"Pensions- und Abfindungszusagen an der Grenze zur Sittenwidrigkeit"

Würde sich die Bank von heute auf morgen einvernehmlich von Ackermann trennen, stünde ihm für die ersten sechs Monate ein Übergangsgeld von 2.852.000 Euro zu. Anschließend darf er 24 Monate lang mit 75 Prozent seiner letzten Barvergütung (Grundgehalt und Zielbonus) rechnen. Macht insgesamt über 5.000.000 Euro. Nicht zu vergessen eine Übergangshilfe von 352.800 Euro pro Jahr, die noch aus einer alten Pensionszusage stammt.

Mitunter gehen heute aber auch ganz einfache Vorstände kurz vor der Pensionsgrenze mit zweistelligen Millionenbeträgen nach Hause. Zygmund Mierdorf (59) etwa, bis vor etwas mehr als einem Jahr Personal-, IT- und Einkaufschef des Düsseldorfer Handelsriesen Metro. Bereits unter Hans-Joachim Körber (65), dem Vorgänger des heutigen Konzernchefs Eckhard Cordes (60), war der Multifunktionsmanager nicht mehr wohlgelitten. Nach Körbers Abgang im Sommer 2007 feierte Mierdorf dennoch ein überraschendes und mit einem neuen Fünfjahreskontrakt ausstaffiertes Comeback. Der späte Karriereschub aber währte nur kurz. Cordes kam mit Mierdorf genauso wenig zurecht wie zuvor Körber - weshalb der Mann im März 2010 endgültig verabschiedet wurde.

Mierdorf wird es verschmerzen können. Das Salär für die verbleibende Dauer seines Vertrags (immerhin noch vier Jahre) bekam er genauso auf einen Schlag ausgezahlt wie seine Firmenpension. Macht in Summe exakt 13.007.000 Euro. Und wenn das verbliebene Metro-Management einen vernünftigen Job macht, wird in ein paar Jahren noch einmal ein Nachschlag von 2.544.000 Euro fällig. So viel hat der Konzern jedenfalls in der Bilanz zurückgestellt - als Ausgleich für die erfolgsbezogenen Vergütungsbestandteile, die Mierdorf wegen seiner Frühpensionierung entgangen sind.

Fälle wie diese sind bei Weitem nicht nur in der Dax-Liga anzutreffen. Der Vorstand eines norddeutschen Mess- und Regeltechnikunternehmens etwa wurde mit Anfang 50 in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, weil sich die pingeligen Aufsichtsgremien des Mittelständlers über die 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin des Managers empörten.

Aufsichtsräte führen eigene Argumentation ins Absurde

Seitdem kassiert der Mann als Übergangslösung eine Art Vorpension von seinem alten Arbeitgeber - in Höhe seines letzten Fixgehalts. Diesen Zustand kann er im Zweifel bis zu seinem 60. Geburtstag aufrechterhalten; ab diesem Zeitpunkt hat er dann Anspruch auf seine reguläre Firmenpension. Die Ex-Frau des Ex-Managers ist die Einzige, die mit dem Frührentneridyll nicht einverstanden ist. Sie will nun vor Gericht klären, ob es sich bei der Übergangsentschädigung tatsächlich um Altersbezüge handelt (dann stünde ihr die Hälfte zu).

"Mit derartigen Rundum-sorglos-Paketen führen viele Aufsichtsräte ihre eigene Argumentation ins Absurde, mit der sie in der Vergangenheit stets die enormen Steigerungen der Vorstandsgehälter verteidigt haben", sagt Managementprofessor Joachim Schwalbach: "Wer Millionengehälter als Absicherung gegen das gestiegene Risiko des Jobverlusts im Topmanagement zahlt, darf anschließend weder Übergangsgelder noch Abfindungen in Form von Vorruhestandsgehältern abnicken."

Tatsächlich wird oft gezahlt, was gefordert wird, nur damit der Traumkandidat am Ende auch wirklich anheuert. Das soll selbst bei Unternehmen vorkommen, bei denen der Staat das Sagen hat.

Als die Aufsichtsräte der ins Schlingern geratenen Hypo Real Estate  im Spätsommer 2008 unbedingt den damaligen Deutschbanker Axel Wieandt (44) als Retter verpflichten wollten, konnten sie ihm nicht mehr als 500.000 Euro Gage bieten. Das karge Gehalt ließ sich der kühle Rechner mit einer opulenten Pensionszusage kompensieren. Nach nur 18 Monaten im Amt hat er nun im Alter Anspruch auf ein Ruhestandssalär von knapp 240.000 Euro im Jahr.

Oft resultieren die goldenen Renten der Topmanager aus einer eklatanten Schwäche der Kontrollgremien. Bei Stada etwa ist das Machtverhältnis zwischen Aufsichtsrats- und Konzernchef klar zugunsten des CEOs geregelt. Chefkontrolleur Martin Abend, ein rühriger Dresdner Rechtsanwalt, hat Retzlaff, der das Unternehmen seit 1994 wie ein kleines Fürstentum regiert, im Zweifel wenig entgegenzusetzen.

"Bei so einer Konstellation sind Pensions- und Abfindungszusagen an der Grenze zur Sittenwidrigkeit auch keine Überraschung", urteilt Christian Strenger, Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank Investmentgesellschaft DWS und Mitglied der Corporate-Governance-Kommission.

"Extrem heikel"

Juristisch bieten die großvolumigen Pensionszusagen ohnehin Angriffsfläche genug. Spätestens mit dem Ende des Mannesmann-Prozesses sind die Anforderungen für die Angemessenheit der Ruhestandsvergütungen von Konzernvorständen deutlich rigider geworden. Nach Meinung des Bundesgerichtshofs muss eine Firma unmittelbar Vorteile aus den Summen ziehen, die sie ihren Vorständen bezahlt. Aufsichtsräte, die ihren Topmanagern unangemessen hohe Pensionen gewähren, würden sich dem Vorwurf der Untreue aussetzen.

"Wenn man das Urteil ernst nimmt, sind viele der heute noch gängigen hohen Pensionszusagen extrem heikel", sagt etwa der Stuttgarter Arbeitsrechtler Stefan Nägele: "Es geht letztlich um Leute, die nichts mehr für das Unternehmen tun. Bei deren Altersvergütung müsste man deshalb auch stärker auf die Angemessenheit achten als bei anderen Gehaltsbestandteilen."

Strikter aber agieren die Aufsichtsgremien derzeit allenfalls bei Neubestellungen. An bestehende Verträge und lange existierende Pensionszusagen ihrer Topmanager hat sich bislang kaum ein Unternehmen herangetraut.

Mit dieser Frage aber werden sich die Kontrolleure spätestens bei dem nächsten Abschwung auseinandersetzen müssen. Sobald sich die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens wesentlich verschlechtert, müssen sich die Aufsichtsräte Gedanken darüber machen, ob sie die Pensionszusagen für ihre Führungsspitze auf ein angemesseneres Niveau kürzen. Und das kann auch Vorstände treffen, die sich schon längst in den Ruhestand verabschiedet haben.

Bis heute haben sich in den Konzernspitzen eine ganze Reihe von Privilegien gehalten, die für die Ebenen darunter unerreichbaren Luxus darstellen.

Munich Re: Mit 50 Jahren Anrecht auf Ruhegeld

Wer etwa als Henkel-Topmanager in Rente geht, bekommt erst einmal sechs Monate lang seine Grundvergütung in voller Höhe weiterbezahlt. Erst anschließend fließt die von der Größenordnung her spürbar kleinere Betriebsrente.

Beim weltweit größten Rückversicherer, Munich Re , haben Vorstände bereits mit 50 Anrecht auf ein vorgezogenes Ruhegeld, wenn nicht verlängert wird. Für die Topleute des Essener Stromriesen RWE gibt es die Firmenrente ab 55 sogar dann, wenn ihr Kontrakt vorzeitig aufgelöst wird.

Spitzenmanager der Deutschen Börse  und der Deutschen Post können sich dagegen bei Erreichen der Altersgrenze entscheiden, ob sie sich ihre Pensionsansprüche als Rente oder auf einen Schlag auszahlen lassen. Für Börsenchef Reto Francioni (55) würde letztere Variante auch nicht zu verachtende steuerliche Vorteile bedeuten, wenn er sich anschließend endgültig in seine Schweizer Heimat verabschiedete.

Eine ganz besondere Variante des sanften Übergangs hat man sich bei Adidas  einfallen lassen. Wenn Vormann Herbert Hainer (57) in den Ruhestand wechselt oder sein Vertrag nicht verlängert wird, muss er sich keineswegs nur mit seinem Fixum (derzeit 1,4 Millionen Euro) als Übergangsgeld abfinden. Stattdessen stehen ihm 125 Prozent seines zuletzt erreichten Performance-Bonus zu. Was nach heutigem Stand knapp 2,2 Millionen Euro wären.

Pension, Dienstwagen, Chauffeur, Büro und Sekretärin

Bei Wolfgang Mayrhuber (64), bis Ende 2010 oberster Lufthanseat, heißt das Übergangsgeld zwar Kompensationsleistung für ein zweijähriges Wettbewerbsverbot, liefert aber identische Resultate. 600.000 Euro erhält Mayrhuber bis zu seinem 65. Geburtstag insgesamt. Anschließend überweist ihm der Konzern in zehn jährlichen Raten den Gegenwert seines Versorgungskontos, das Ende 2010 einen Stand von rund elf Millionen Euro erreicht hatte.

Und der zweite prominente Dax-Pensionär der vergangenen Monate, der langjährige ThyssenKrupp-Lenker Ekkehard Schulz (70), wird als einer der letzten die Altersinsignien der alten Deutschland AG in Anspruch nehmen. Zusätzlich zu seiner jährlichen Pension von 628.000 Euro stehen ihm noch fünf Jahre lang Dienstwagen samt Chauffeur, sowie Büro und Sekretärin zu.

Noch immer garantieren zwei Drittel aller Dax-Konzerne ihren Topleuten zwischen 50 und 70 Prozent ihres letzten Grundgehalts als Altersbezüge - lebenslänglich. "Das ist bei der noch immer steigenden Lebenserwartung ein im Grunde nicht mehr zu vertretendes Risiko", sagt Christoph Adams, Vergütungsexperte bei Kienbaum.

Zumindest für ihre Belegschaften wollen die Konzernherren diese potenzielle Verlustgefahr auch nicht mehr akzeptieren - unterhalb der Vorstandsebene fand der Systemwechsel hin zu den "defined contributions", also zur Garantie der eingezahlten Beträge, flächendeckend statt: Die finanziellen Folgen der demografischen Unsicherheit tragen die Mitarbeiter. "Für die Alteingesessenen auf der obersten Ebene aber gelten vielfach noch die alten Gesetze", sagt Boris Dzida, Arbeitsrechtler bei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Turbokapitalistische Betriebsrenten der Neuzeit

Für neu bestellte Vorstände allerdings beginnen sich die verschärften Regelungen des Aktienrechts langsam bemerkbar zu machen. Die Nachwuchskräfte müssen sich von der Idee garantierter Altersbezüge und großzügiger Übergangsgelder verabschieden. So kann auch der neue Lufthansa-Chef Christoph Franz (51) nur noch mit 70.000 Euro jährlicher Entschädigung rechnen, wenn sein Vertrag mit 55 nicht mehr verlängert wird.

"Bei den jungen Vorständen hat das Interesse an Betriebspensionen auch spürbar nachgelassen", beobachtet Personalberater Hermann Sendele: "Sie konzentrieren sich eher auf den Aufbau ihrer eigenen Altersversorgung und deshalb zum Beispiel auf mit Aktien oder Aktienoptionen unterlegte langfristige Vergütungsbestandteile."

Die können in der Tat viel lukrativer sein als jede noch so hoch dotierte Pensionszusage. Springer-Chef Mathias Döpfner (48) etwa bekam von seiner Großaktionärin im Sommer 2006 ein Paket von 680.000 Aktien zu Sonderkonditionen angedient. 52,4 Millionen Euro bezahlte er damals an Friede Springer für die Papiere, deren Wert sich heute auf insgesamt mehr als 70 Millionen Euro beläuft. Macht innerhalb von fünf Jahren immerhin ein Plus von 18 Millionen Euro. Der einstige Post-Chef Klaus Zumwinkel brauchte für sein ähnlich dimensioniertes Alterskapital noch knapp 20 Jahre Ansparzeit.

Am Ende waren die Chauffeure, Gärtner und Sekretärinnen, die den Konzernfürsten früher zur Verbesserung der Lebensqualität im Alter auf Unternehmenskosten zur Verfügung standen, für die Aktionäre womöglich billiger als die turbokapitalistische Betriebsrente der Neuzeit.

Übersicht: Goldener Schnitt

Wie sich die Pensionszusagen von Deutschlands Topmanagern allein im vergangenen Jahr (2010) erhöhten und welche Ruhegeldansprüche daraus künftig entstehen können. Die tatsächlichen Pensionsansprüche sind viel höher, da in der unteren Tabelle lediglich die Rückstellungen aus 2010 dargestellt werden.

So kommt zum Beispiel Daimler-Chef Dieter Zetsche, für den Daimler im Jahr 2010 rund 710.000 Euro zurückstellte, inzwischen auf mehr als 22 Millionen Euro an Pensionsrückstellungen. Er zählt damit zu den bestversorgten Managern im Dax.

Die Mathematik der Chefpension

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