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Gottschalk, Jauch & Co: Was die Quotenkönige verdienen

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TV-Stars Germany's next Topmanager

Am Sonntag gibt Günther Jauch sein Talk-Debüt in der ARD. Stars wie Jauch, Stefan Raab, Harald Schmidt und Thomas Gottschalk dominieren mit ihren Firmen das Fernsehgeschäft. Sie diktieren die Regeln - und verdienen dabei mehr als mancher Dax-Vorstandschef.
Von Klaus Boldt und Simon Hage

Hamburg - Einen ähnlichen Trubel um seine Person hat Günther Jauch bislang nicht erlebt. "Weit mehr als 100 Anfragen von den verschiedensten Medien", seufzt der Moderator, seien an ihn gerichtet worden. Manche wollen ihm nur ein paar Fragen stellen, andere ihn treffen oder beim Dreh zuschauen. "Ich schaff' das alles überhaupt nicht mehr", stöhnt Jauch. Es sei ihm "einfach nicht mehr möglich, das alles so abzuarbeiten, wie das verständlicherweise viele gern von mir möchten".

Und das alles nur aus einem eher unspektakulär wirkenden Anlass: Am kommenden Sonntag (11. September) feiert der Mann im Ersten die Premiere seiner wöchentlichen Talkshow "Günther Jauch", zur besten Zeit, die es für verfilmtes Gerede nach einhelliger Überzeugung gibt: Am Sonntagabend gleich nach dem "Tatort", dessen Millionenpublikum gern noch ein wenig vor der Glotze sitzen bleibt und sich mit gepflegtem Geschwätz ermüden, erschöpfen und bettfertig machen lässt. Man muss schon sehr viel verkehrt machen, um auf diesem Sendeplatz keine gute Quote zu erzielen.

Aber so eine Unterhaltungskünstlerseele ist zart, sie spürt den Druck, Routinier Jauch ist keine Ausnahme: "Fast überbordend", sagt er, sei die "Erwartungshaltung".

ARD-Programmchef Volker Herres, der den Mann zumindest für Sonntagsschichten von RTL abgeworben hat, ist, was seinen Spitzentransfer betrifft, von äußerster, geradezu öffentlich-rechtlicher Gelassenheit: Jauch habe bewiesen, lächelt Herres durchs Telefon, "dass er in allen Genres - von der seriösen Information bis zur großen Unterhaltungsshow - beim Publikum reüssiert und das ganze TV-Geschäft beherrscht".

Aber das TV-Geschäft beherrscht auch einen wie ihn, Jauch. Unruhe, Mühe und Anstrengungen, die den Journalisten Jauch bei den Vorbereitungen zu seiner neuen Sendung ergreifen - schließlich arbeitet er auch weiterhin für RTL ("Wer wird Millionär?") -, finden ihre Fortsetzung in der Betriebsamkeit des Unternehmers Günther Jauch: Wenn die Scheinwerfer erloschen und die Kameras ausgeschaltet sind, ist nur ein Teil seines Pensums erledigt.

Denn sozusagen im Nebenberuf produziert der Geschäftsmann Jauch sendefertige Programme in Fülle, und zwar für Kanäle und Moderatoren nicht aller, aber doch vieler Arten und Klassen.

Erfolgsentertainer erwirtschaften Millionen

Mehr als 100 Festangestellte verdienen ihr Geld in seiner Produktionsanstalt I & U Information und Unterhaltung, die über Studios in Köln und Berlin verfügt. Sie setzte über 40 Millionen Euro um und machte rund 6 Millionen Euro Gewinn, allerdings im Jahr 2009. Frischere Zahlen liegen nicht vor, und Jauch ist auch in dieser Hinsicht ein bisschen scheu.

Natürlich stellt er seine neue ARD-Runde selbst her und zusammen. Auftragsvolumen: 10,5 Millionen Euro im Jahr. Weitere ARD-Produktionen dürften noch hinzukommen.

Jauch ist eine der Vorzeigefiguren einer Moderatorenwirtschaft, die immer größere Bedeutung gewinnt. Die Erfolgsentertainer machen nicht nur Mätzchen vor der Kamera, sondern auch Millionen dahinter, Publikumsmagneten wie Thomas Gottschalk oder Stefan Raab bestimmen inzwischen die Regeln mit, nach denen Programm gemacht wird.

Multitalent Stefan Raab, der neben seiner Show "Schlag den Raab" auch stundenlange Großereignisse wie "Wok WM" oder "TV Total Turmspringen" auf ProSieben nicht nur erfunden und inszeniert hat, sondern sich für das Unternehmen "Titelverteidigung" beim Eurovision Song Contest auch die ARD gefügig machen konnte, er schloss Ende 2010 einen Fünfjahresvertrag ab, der ihn zu einem der einflussreichsten Unterhalter der Szene macht.

185 Millionen Euro von ProSieben an Raab TV Produktion

Rund 185 Millionen Euro überweist ProSieben an die Raab TV Produktion, eine Tochter der Produktionsfirma Brainpool, an der Raab wiederum mit gut 12 Prozent beteiligt ist.

Auch Jauchs Schaustellerei I & U ist ein zuverlässiger Lieferant, sowohl von ARD ("Klein gegen Groß", "Das unglaubliche Quiz der Tiere") als auch von RTL ("Die ultimative Chartshow", "Stern TV"), für die er beide auch auf der Bühne steht. Jauch arbeitet mit vielen namhaften Moderatoren zusammen: von Frank Plasberg über Hape Kerkeling bis hin zu Kai Pflaume.

Wenige Monate nach Jauchs Unterschrift hatte auch der einstige Börsenmakler Pflaume seinen Wechsel von Sat.1, wo sich seine Vorabendshow "Nur die Liebe zählt" noch nicht totgelaufen, aber erschöpft und abgenutzt hatte, zur ARD verkündet. Nun sitzt Pflaume beim Frühstück im Schwabinger Café "Florian". Vor der Tür parkt sein brauner Audi Q7. Pflaume nimmt Müsli und einen Latte Macchiato mit doppelter Portion Espresso. "Mein Anspruch ist es, Sendungen zu machen, die die ganze Familie ansprechen", sagt Pflaume.

Die ARD-Granden verbinden einige Hoffnungen mit Pflaume. Er ist nicht das beste Pferd in ihrem Stall, aber bislang hat er sie auch nicht enttäuscht: Mehr als sechs Millionen Zuschauer sahen Mitte Juni seine neue Samstagabendshow "Klein gegen Groß". Und wer hat sie produziert? Jauchs I & U. Und wer trat als Stargast auf? Jauch selbst.

Und wenn Pflaume im Herbst seine neue Quizshow ("Der klügste Deutsche 2011") eröffnet, dann wundert sich keiner mehr, dass die ebenfalls von Günther Jauchs Leuten konzipiert worden ist.

Pflaumes Produzent ist nicht nur Deutschlands beliebtester Moderator und einer der angesehensten TV-Unternehmer des Landes, sondern auch eine bedeutende Einnahmequelle der Sender, für die er auftritt: Allein mit "Wer wird Millionär?" erzielte RTL im vergangenen Jahr Werbeerlöse in Höhe von 101 Millionen Euro.

Konkurrenzkampf der Sender um die Stars

Immer mehr Sender konkurrieren um die Unterhaltungskünstler. Mit der Nachfrage steigen die Preise und verschärfen sich die Bedingungen der Umworbenen: "Es gibt nun einmal nicht viele talentierte Entertainer", sagt ARD-Programmdirektor Herres. "Die wachsen nicht auf den Bäumen." Über drei Jahre lang buhlte die ARD um Jauch. Selbst eine erste Abfuhr ließ sie nicht in ihrem Liebeswerben ermatten. Auch um Gottschalk bemühte sich das Erste intensiv und mit Erfolg: Ab Januar 2012 moderiert der langjährige ZDF-Mann viermal pro Woche eine Live-Show vor der Tagesschau.

Im Konkurrenzkampf der Kanäle um die zugkräftigsten Moderatoren geht es inzwischen zu wie auf dem Transfermarkt der Fußball-Bundesliga: Wer keine Spitzenstars zu bieten hat, dem droht der Verlust von Zuschauern und Werbekunden. Millionen werden in die Hand genommen und Anschlussaufträge versprochen, um Rivalen ihre Quotenbringer abzujagen.

ARD-Neuverpflichtung Pflaume im Café "Florian" schiebt seinen leeren Müsliteller ein bisschen nach vorn - jede seiner Bewegungen von einer Brünetten am Nebentisch auffällig unauffällig beobachtet - und lächelt sein Sat.1-Lächeln, mit Zähnen so weiß, dass sie fast blau schimmern. "Die Zuschauer verbinden Sender mit den programmprägenden Moderatoren", sagt Pflaume, "daher sind sie wichtige Aushängeschilder."

Die ARD, die sich schwertut, eigene Nachwuchskräfte aufzubauen, und jede Abwerbung bei den Privatkanälen zum eigenen Triumph umdeutet, köderte Pflaume mit der Zusage, außer dem "Star Quiz" noch weitere Sendungen moderieren zu können: eine Neuauflage des Ratequizklassikers "Dalli Dalli" zum Beispiel. Im Herbst kommt noch eine wöchentliche Vorabendshow hinzu.

Senderwechsel sind längst Teil der TV-Normalität

Senderwechsel, einst undenkbar, sind längst Teil der TV-Normalität geworden. Anders als vor ein paar Jahren noch sonnt sich der Entertainer nicht mehr im Glanz des Senders, wo er zu sehen ist, sondern der Sender im Lichte des Stars.

Sieht man einmal vom Fußball ab, sind Entertainer die verlässlichsten Quotenbringer. Zumal in der Internetzeit auch die neuesten Hollywood-Streifen, einst in großen Output-Deals von den TV-Unternehmen eingekauft und triumphal gefeiert, an Bedeutung verlieren: Das junge Publikum schaut sich Filme an, wann es will, und nicht, weil es den Sendern gefällt, sie ins Programm zu nehmen.

Die einzige und zudem noch relativ preiswerte Programmware, mit der sich die Sender voneinander unterscheiden, sind die Shows und ihre Präsentatoren oder Gesprächsleiter, heißen sie nun Anke Engelke ("Ladykracher"), Florian Silbereisen ("Feste der Volksmusik") oder Carmen Nebel ("Willkommen bei Carmen Nebel"), die ebenfalls selbst produziert und einer der höchstbezahlten TV-Stars in Deutschland ist.

Die ARD verpflichtete nicht nur Jauch, Pflaume, Reinhold Beckmann und zuvor Jörg Pilawa, der mittlerweile zum ZDF übergelaufen ist, sondern auch den ProSieben-Mann Matthias Opdenhövel.

Dominoeffekt durch Jauch

Angesichts des wachsenden Bedarfs können die populärsten Moderatoren nicht selten Spitzengagen aushandeln oder doch zumindest über Sendeplätze und Inhalte mitbestimmen - schließlich stellt man lukrative Aufträge für ihre Folgeproduktionen in Aussicht. "Wer einen Moderator unbedingt bekommen oder halten will", sagt der Geschäftsführer einer Produktionsfirma, "der pumpt ihn voll mit Aufträgen."

Die eigenen Unternehmen steigern den Einfluss der Entertainer zusätzlich: "Moderatoren, die in hoher Schlagzahl und mit großen Budgets Unterhaltungssendungen produzieren", sagt ARD-Talkerin Sandra Maischberger, "schaffen sich dadurch eine größere Gesprächsmacht gegenüber dem Sender." Und entscheidende Vorteile im Kampf um den besseren Sendeplatz.

Auch Frank Plasberg ("Hart aber fair") ist Moderator und Manager zugleich. Die Firma des 54-Jährigen, Ansager & Schnipselmann, hat ihren Sitz in einem Altbau am Düsseldorfer Südring. In den Büros war früher ein Tanzlokal untergebracht und später einmal die koreanische Religionsgemeinschaft Full Gospel.

Von seinem Schreibtisch aus fällt Plasbergs Blick auf einen ausgestopften Fuchs, der auf den Hinterbeinen steht, die Zähne bleckt und ein Tablett mit Visitenkarten hält. Das erinnert ein bisschen an den Bären im Kontor der Familie Buddenbrook.

Plasbergs Kampf um frühere Zeiten

Durch den Gewinn von Jauch löste die ARD einen Dominoeffekt aus: Da ihm der Sonntagabend zugesagt worden war, musste Anne Will ihren Platz räumen. Doch wohin sollte sie ausweichen? Nun mussten sich auch die Talkkollegen Reinhold Beckmann, Sandra Maischberger und Frank Plasberg Eingriffen der ARD-Obrigkeit erwehren.

Als seine Sendung hinter die "Tagesthemen" verbannt werden sollte, machte Plasberg sämtlichen ARD-Intendanten seine Aufwartung: "Hart aber fair", betete er ihnen vor, sei inhaltlich zu anspruchsvoll für eine Zeit nach 22.45 Uhr.

Am Ende bekam Plasberg seinen Willen, jedenfalls fast: Er darf um 21 Uhr auf Sendung gehen - allerdings am Montag, nicht mehr am Mittwoch. Dorthin wurde Kollegin Anne Will abgeschoben.

Der ARD dient Plasberg nicht nur als Quoten-, sondern auch als Programmlieferant. Sein 35-Mann-Betrieb stellt neben der Hausmarke "Hart aber fair" auch das "Quiz der Deutschen" her sowie zwei Shows mit dem Kabarettisten Eckart von Hirschhausen. Weitere Formate sind in Planung.

"Es ist ökonomisch sinnvoll, sich breiter aufzustellen und nicht von einer einzelnen Sendung abhängig zu sein", sagt Plasberg und runzelt bedeutungsvoll die Stirn.

Spitzen-Entertainer gründen ihre eigenen Firmen

Als Chefs ihrer eigenen Produktionsfirmen haben Moderatoren die Hoheit über Investitionen, Personal und Arbeitszeiten. Zudem verschaffen sie sich neben dem Moderationshonorar des Senders und ihrem jährlichen Gewinnanteil eine dritte Einkommensquelle: das Geschäftsführergehalt ihrer Firma.

Den Sendern wiederum bieten die TV-Unternehmer alle Vorteile des Auslagerns: befristete Produktionsverträge, höhere Flexibilität, geringere Fixkosten. Wird die Show eingestellt, haben die Sender keinerlei Verpflichtungen gegenüber den Partnerfirmen und ihren Beschäftigten. "Ich verdiene heute mehr, als ich in der Funktion des fest angestellten Sender-Hierarchen verdienen würde", sagt Plasberg. "Doch ein Teil des Geldes ist eine Risikoprämie."

Die Sender honorieren das unternehmerische Risiko, das ihre Talker und Entertainer für sie übernehmen. So lässt sich Sat.1 die Rückkehr des langjährigen ZDF-Talkers Johannes B. Kerner gut neun Millionen Euro pro Jahr kosten.

Dieser Paketpreis umfasst rund 75 Auftritte: als Moderator von Fußballspielen und Quizsendungen sowie als Gastgeber der Gesprächsrunde "Kerner". Auftragnehmer der Talkshow ist Kerners Firma J. B. K. TV-Production.

Nachttalker Harald Schmidt handelte bei seinem Wechsel von der ARD zu Sat.1 eine Jahressumme von 8,4 Millionen Euro aus. Für jede der rund 70 Sendungen, die Schmidt moderiert und produziert, erhält er somit 120.000 Euro.

"Thomas wollte Neutralität beweisen"

Für die Produktion seiner Show hat Schmidt eine eigene Firma gegründet: Kogel & Schmidt mit Sitz in München-Grünwald. Der Moderator betreibt seine Geschäfte gemeinsam mit Fred Kogel, ehedem Chef von Sat.1 und später von Constantin Film  und heute dessen Aufsichtsratschef. Co-Management ist eine beliebte Organisationsform in der Szene.

Studienabbrecher Jauch hat schon vor elf Jahren seinen Vertrauten, den Stern-TV-Chefredakteur Andreas Zaik, an die Spitze von I & U geholt: Zaik hält Jauch den Rücken frei, denn der sei "in erster Linie Journalist". Jauch ist das prominente Gesicht der Firma, Zaik der Geschäftsmann. Zu den jüngsten Coups der Firma gehört die Verpflichtung des NDR-Moderators Steffen Hallaschka, der Jauch bei Stern TV ersetzt.

Es gibt auch Entertainer, die bewusst auf eine eigene Firma verzichten und allein oder nur mit einzelnen Beratern arbeiten wie Kai Pflaume etwa oder Thomas Gottschalk: Der ist vor fast drei Jahren aus der gemeinsam mit seinem Bruder Christoph betriebenen Vermarktungsgesellschaft Dolce Media ausgestiegen, die "Wetten, dass ...?" bislang mit Werbepartnern versorgte.

Christoph Gottschalk hat ungefähr die Körper- und Nasengröße seines Bruders, ist ein Freund der weit ausholenden Geste und verfügt über einen Bariton, der Hallen füllt. "Thomas wollte seine Neutralität beweisen und ist deshalb aus der Firma ausgestiegen", ruft er. Berichte über Streitereien seien erfunden: "Thomas und ich telefonieren fast jeden Tag."

Auch künftig will Christoph Gottschalk der wichtigste Berater seines Bruders bleiben. Gespräche mit den Sendern führt der berühmte Bruder dagegen allein, sei es mit seinem Duzfreund Udo Reiter, dem scheidenden MDR-Intendanten, über seine Zukunft bei der ARD, sei es mit ZDF-Intendant Markus Schächter, der Gottschalk bis zuletzt zum Bleiben überreden wollte.

"Ich komme ins Spiel, sobald Finanzierungslücken auftreten", sagt Christoph Gottschalk. "Ich kann Sponsoren und prominente Gäste besorgen." Zurzeit bastelt er mal wieder an einer großen Sache und verhandelt mit dem weltgrößten Parfümhersteller, Coty, ob man nicht zusammenarbeiten könne. Coty vermarktet Düfte unter den Namen von Prominenten wie Kate Moss, Halle Berry oder David Beckham.

Gottschalk will Coty beziehungsweise die Namensgeber der Parfüms dazu bewegen, in der neuen Sendung seines Bruders aufzutreten. Geschäft ist Geschäft, und eine Hand wäscht die andere. Win-win sozusagen.

Die Netzwerke der Top-Entertainer

Ob mit Bruder oder ohne: Der Moderator dürfte auch künftig zu den Spitzenverdienern seiner Zunft zählen. Kenner beziffern Gottschalks Jahreseinkommen auf mindestens zehn Millionen Euro. Einen beträchtlichen Teil davon verdient er mit Gummibärchen-Werbung: 1991 schloss Gottschalk einen Vertrag mit Haribo ab, der noch bis 2013 läuft. "Für Spitzenmoderatoren ist es sehr wichtig, sich senderunabhängige Erlösquellen zu erschließen", sagt Christoph Gottschalk.

Als Türöffner zu Sendern und Unternehmen agieren oft große Agenturen wie die Pool Position in Köln. Geschäftsführer Alexander Elbertzhagen arbeitet für rund 50 Künstler und Entertainer, darunter Barbara Schöneberger, Michelle Hunziker und Sandra Maischberger. Er beschäftigt 80 Mitarbeiter.

Elbertzhagen verfügt über einen guten Ruf in der Innung. Jeden Tag pünktlich um 9.30 Uhr findet das Morgenmeeting statt mit Presseschau und Analyse der Einschaltquoten. Jeder Kunde bekommt einen ständigen Mitarbeiter, der Kontakte knüpft und Jobs vermittelt. Für solche Dienstleistungen streichen die Agenten in der Regel 10 bis 20 Prozent der Vertragssumme ein.

Nebenjobs sind für gefragte Entertainer äußerst einträglich. Im Schnitt können sie rund eine Million Euro zusätzlich pro Jahr durch Werbung verdienen, in Einzelfällen deutlich mehr. Noch schnelleres Geld lässt sich mit Auftritten bei Veranstaltungen wie Firmenfeiern machen: bis zu 250.000 Euro am Tag.

Die wichtigste Währung ist das Image

Die wichtigste Währung im TV-Geschäft ist das Image. Auch daran arbeiten die Promi-Manager. Die Agentur Anke Lütkenhorst beispielsweise achtet mit darauf, dass ihr Schützling Kai Pflaume - Vater zweier Söhne im Alter von 10 und 13 Jahren - stets als tadelloser Familienmensch rüberkommt. Er moderiert Spielshows wie "Dalli Dalli", wirbt nebenbei für elektrische Zahnbürsten. "Produkt und Testimonial müssen harmonieren", sagt Pflaume.

Dass er etwa eine Wirtschaftssendung präsentierte, wäre undenkbar, obwohl Pflaume bei einer Frankfurter Privatbank Börsenhändler gelernt und auf dem Parkett mit Aktien gehandelt hat. Eine Zeit, die ihn geprägt hat: Pflaume lehnt sich zurück und hält ein kurzes Referat über den Einfluss von Optionsgeschäften auf die Börsenkurse.

Christoph Gottschalk hingegen ist nach eigenem Bekunden kein Experte für Finanzmärkte. Dennoch sollte der Jurist einst im Werbespot für die Post-Aktie an der Seite seines Bruders den Börsenprofi mimen. Das notwendige Profil war schnell gezeichnet: Im Verlag Hoffmann und Campe erschien zeitnah "Christoph Gottschalks Börsen Lexikon". Dort der Entertainer, hier der Geschäftsmann: So soll das Publikum die Arbeitsteilung der Brüder wahrnehmen.

Waren Topentertainer in alten TV-Zeiten noch in die Hierarchien ihrer Haussender eingebunden, haben sie sich inzwischen eigene Netzwerke geschaffen. Die Sender reagieren auf die Macht der Moderatoren oft mit größtmöglichen Zugeständnissen.

Nach dem Erfolg mit Gottschalk möchte Programmdirektor Herres nicht einmal ausschließen, dass irgendwann alle talentierten Entertainer beim Ersten unter Vertrag stehen: "Das wäre ja nicht das Schlechteste ..."

ProSieben & Co. befürchten weitere Lockangebote für ihr Spitzenpersonal - und wehren sich: "ARD und ZDF sollten von ihren Gebührengeldern besser ihren eigenen Nachwuchs pflegen, als Entertainer bei den Privaten abzuwerben", fordert Jobst Benthues, Chef der Redseven Entertainment, der Produktionsfirma der Sendergruppe ProSiebenSat.1 .

Vom verschärften Kampf der Kanäle können die TV-Stars nur profitieren. Wer als Spitzenkraft gilt, gewinnt Privilegien, gute Programmplätze - und Popularität.

Im Café "Florian" nähert sich eine mittelalte Brünette dem Mann, der Pflaume heißt und der so adrett aussieht, schaut ihm so tief in die Augen, wie sie kann, und sagt: "Ich bewundere Ihre Arbeit."

Pflaume kennt solche Damen. Er holt aus seinem Audi , den er direkt vor dem Café abgestellt hat, eine Autogrammkarte und schreibt der Brünetten eine kleine Widmung auf. Dann schwingt er sich in seinen Q7, schiebt den Schaltknüppel auf "D" und gleitet davon.

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