Freitag, 6. Dezember 2019

TV-Stars Germany's next Topmanager

Gottschalk, Jauch & Co: Was die Quotenkönige verdienen
DPA

6. Teil: Die Netzwerke der Top-Entertainer

Ob mit Bruder oder ohne: Der Moderator dürfte auch künftig zu den Spitzenverdienern seiner Zunft zählen. Kenner beziffern Gottschalks Jahreseinkommen auf mindestens zehn Millionen Euro. Einen beträchtlichen Teil davon verdient er mit Gummibärchen-Werbung: 1991 schloss Gottschalk einen Vertrag mit Haribo ab, der noch bis 2013 läuft. "Für Spitzenmoderatoren ist es sehr wichtig, sich senderunabhängige Erlösquellen zu erschließen", sagt Christoph Gottschalk.

Als Türöffner zu Sendern und Unternehmen agieren oft große Agenturen wie die Pool Position in Köln. Geschäftsführer Alexander Elbertzhagen arbeitet für rund 50 Künstler und Entertainer, darunter Barbara Schöneberger, Michelle Hunziker und Sandra Maischberger. Er beschäftigt 80 Mitarbeiter.

Elbertzhagen verfügt über einen guten Ruf in der Innung. Jeden Tag pünktlich um 9.30 Uhr findet das Morgenmeeting statt mit Presseschau und Analyse der Einschaltquoten. Jeder Kunde bekommt einen ständigen Mitarbeiter, der Kontakte knüpft und Jobs vermittelt. Für solche Dienstleistungen streichen die Agenten in der Regel 10 bis 20 Prozent der Vertragssumme ein.

Nebenjobs sind für gefragte Entertainer äußerst einträglich. Im Schnitt können sie rund eine Million Euro zusätzlich pro Jahr durch Werbung verdienen, in Einzelfällen deutlich mehr. Noch schnelleres Geld lässt sich mit Auftritten bei Veranstaltungen wie Firmenfeiern machen: bis zu 250.000 Euro am Tag.

Die wichtigste Währung ist das Image

Die wichtigste Währung im TV-Geschäft ist das Image. Auch daran arbeiten die Promi-Manager. Die Agentur Anke Lütkenhorst beispielsweise achtet mit darauf, dass ihr Schützling Kai Pflaume - Vater zweier Söhne im Alter von 10 und 13 Jahren - stets als tadelloser Familienmensch rüberkommt. Er moderiert Spielshows wie "Dalli Dalli", wirbt nebenbei für elektrische Zahnbürsten. "Produkt und Testimonial müssen harmonieren", sagt Pflaume.

Dass er etwa eine Wirtschaftssendung präsentierte, wäre undenkbar, obwohl Pflaume bei einer Frankfurter Privatbank Börsenhändler gelernt und auf dem Parkett mit Aktien gehandelt hat. Eine Zeit, die ihn geprägt hat: Pflaume lehnt sich zurück und hält ein kurzes Referat über den Einfluss von Optionsgeschäften auf die Börsenkurse.

Christoph Gottschalk hingegen ist nach eigenem Bekunden kein Experte für Finanzmärkte. Dennoch sollte der Jurist einst im Werbespot für die Post-Aktie an der Seite seines Bruders den Börsenprofi mimen. Das notwendige Profil war schnell gezeichnet: Im Verlag Hoffmann und Campe erschien zeitnah "Christoph Gottschalks Börsen Lexikon". Dort der Entertainer, hier der Geschäftsmann: So soll das Publikum die Arbeitsteilung der Brüder wahrnehmen.

Waren Topentertainer in alten TV-Zeiten noch in die Hierarchien ihrer Haussender eingebunden, haben sie sich inzwischen eigene Netzwerke geschaffen. Die Sender reagieren auf die Macht der Moderatoren oft mit größtmöglichen Zugeständnissen.

Nach dem Erfolg mit Gottschalk möchte Programmdirektor Herres nicht einmal ausschließen, dass irgendwann alle talentierten Entertainer beim Ersten unter Vertrag stehen: "Das wäre ja nicht das Schlechteste ..."

ProSieben & Co. befürchten weitere Lockangebote für ihr Spitzenpersonal - und wehren sich: "ARD und ZDF sollten von ihren Gebührengeldern besser ihren eigenen Nachwuchs pflegen, als Entertainer bei den Privaten abzuwerben", fordert Jobst Benthues, Chef der Redseven Entertainment, der Produktionsfirma der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen.

Vom verschärften Kampf der Kanäle können die TV-Stars nur profitieren. Wer als Spitzenkraft gilt, gewinnt Privilegien, gute Programmplätze - und Popularität.

Im Café "Florian" nähert sich eine mittelalte Brünette dem Mann, der Pflaume heißt und der so adrett aussieht, schaut ihm so tief in die Augen, wie sie kann, und sagt: "Ich bewundere Ihre Arbeit."

Pflaume kennt solche Damen. Er holt aus seinem Audi Börsen-Chart zeigen, den er direkt vor dem Café abgestellt hat, eine Autogrammkarte und schreibt der Brünetten eine kleine Widmung auf. Dann schwingt er sich in seinen Q7, schiebt den Schaltknüppel auf "D" und gleitet davon.

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