Sonntag, 8. Dezember 2019

TV-Stars Germany's next Topmanager

Gottschalk, Jauch & Co: Was die Quotenkönige verdienen
DPA

4. Teil: Dominoeffekt durch Jauch

Angesichts des wachsenden Bedarfs können die populärsten Moderatoren nicht selten Spitzengagen aushandeln oder doch zumindest über Sendeplätze und Inhalte mitbestimmen - schließlich stellt man lukrative Aufträge für ihre Folgeproduktionen in Aussicht. "Wer einen Moderator unbedingt bekommen oder halten will", sagt der Geschäftsführer einer Produktionsfirma, "der pumpt ihn voll mit Aufträgen."

Die eigenen Unternehmen steigern den Einfluss der Entertainer zusätzlich: "Moderatoren, die in hoher Schlagzahl und mit großen Budgets Unterhaltungssendungen produzieren", sagt ARD-Talkerin Sandra Maischberger, "schaffen sich dadurch eine größere Gesprächsmacht gegenüber dem Sender." Und entscheidende Vorteile im Kampf um den besseren Sendeplatz.

Auch Frank Plasberg ("Hart aber fair") ist Moderator und Manager zugleich. Die Firma des 54-Jährigen, Ansager & Schnipselmann, hat ihren Sitz in einem Altbau am Düsseldorfer Südring. In den Büros war früher ein Tanzlokal untergebracht und später einmal die koreanische Religionsgemeinschaft Full Gospel.

Von seinem Schreibtisch aus fällt Plasbergs Blick auf einen ausgestopften Fuchs, der auf den Hinterbeinen steht, die Zähne bleckt und ein Tablett mit Visitenkarten hält. Das erinnert ein bisschen an den Bären im Kontor der Familie Buddenbrook.

Plasbergs Kampf um frühere Zeiten

Durch den Gewinn von Jauch löste die ARD einen Dominoeffekt aus: Da ihm der Sonntagabend zugesagt worden war, musste Anne Will ihren Platz räumen. Doch wohin sollte sie ausweichen? Nun mussten sich auch die Talkkollegen Reinhold Beckmann, Sandra Maischberger und Frank Plasberg Eingriffen der ARD-Obrigkeit erwehren.

Als seine Sendung hinter die "Tagesthemen" verbannt werden sollte, machte Plasberg sämtlichen ARD-Intendanten seine Aufwartung: "Hart aber fair", betete er ihnen vor, sei inhaltlich zu anspruchsvoll für eine Zeit nach 22.45 Uhr.

Am Ende bekam Plasberg seinen Willen, jedenfalls fast: Er darf um 21 Uhr auf Sendung gehen - allerdings am Montag, nicht mehr am Mittwoch. Dorthin wurde Kollegin Anne Will abgeschoben.

Der ARD dient Plasberg nicht nur als Quoten-, sondern auch als Programmlieferant. Sein 35-Mann-Betrieb stellt neben der Hausmarke "Hart aber fair" auch das "Quiz der Deutschen" her sowie zwei Shows mit dem Kabarettisten Eckart von Hirschhausen. Weitere Formate sind in Planung.

"Es ist ökonomisch sinnvoll, sich breiter aufzustellen und nicht von einer einzelnen Sendung abhängig zu sein", sagt Plasberg und runzelt bedeutungsvoll die Stirn.

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