Donnerstag, 5. Dezember 2019

TV-Stars Germany's next Topmanager

Gottschalk, Jauch & Co: Was die Quotenkönige verdienen
DPA

3. Teil: Konkurrenzkampf der Sender um die Stars

Immer mehr Sender konkurrieren um die Unterhaltungskünstler. Mit der Nachfrage steigen die Preise und verschärfen sich die Bedingungen der Umworbenen: "Es gibt nun einmal nicht viele talentierte Entertainer", sagt ARD-Programmdirektor Herres. "Die wachsen nicht auf den Bäumen." Über drei Jahre lang buhlte die ARD um Jauch. Selbst eine erste Abfuhr ließ sie nicht in ihrem Liebeswerben ermatten. Auch um Gottschalk bemühte sich das Erste intensiv und mit Erfolg: Ab Januar 2012 moderiert der langjährige ZDF-Mann viermal pro Woche eine Live-Show vor der Tagesschau.

Im Konkurrenzkampf der Kanäle um die zugkräftigsten Moderatoren geht es inzwischen zu wie auf dem Transfermarkt der Fußball-Bundesliga: Wer keine Spitzenstars zu bieten hat, dem droht der Verlust von Zuschauern und Werbekunden. Millionen werden in die Hand genommen und Anschlussaufträge versprochen, um Rivalen ihre Quotenbringer abzujagen.

ARD-Neuverpflichtung Pflaume im Café "Florian" schiebt seinen leeren Müsliteller ein bisschen nach vorn - jede seiner Bewegungen von einer Brünetten am Nebentisch auffällig unauffällig beobachtet - und lächelt sein Sat.1-Lächeln, mit Zähnen so weiß, dass sie fast blau schimmern. "Die Zuschauer verbinden Sender mit den programmprägenden Moderatoren", sagt Pflaume, "daher sind sie wichtige Aushängeschilder."

Die ARD, die sich schwertut, eigene Nachwuchskräfte aufzubauen, und jede Abwerbung bei den Privatkanälen zum eigenen Triumph umdeutet, köderte Pflaume mit der Zusage, außer dem "Star Quiz" noch weitere Sendungen moderieren zu können: eine Neuauflage des Ratequizklassikers "Dalli Dalli" zum Beispiel. Im Herbst kommt noch eine wöchentliche Vorabendshow hinzu.

Senderwechsel sind längst Teil der TV-Normalität

Senderwechsel, einst undenkbar, sind längst Teil der TV-Normalität geworden. Anders als vor ein paar Jahren noch sonnt sich der Entertainer nicht mehr im Glanz des Senders, wo er zu sehen ist, sondern der Sender im Lichte des Stars.

Sieht man einmal vom Fußball ab, sind Entertainer die verlässlichsten Quotenbringer. Zumal in der Internetzeit auch die neuesten Hollywood-Streifen, einst in großen Output-Deals von den TV-Unternehmen eingekauft und triumphal gefeiert, an Bedeutung verlieren: Das junge Publikum schaut sich Filme an, wann es will, und nicht, weil es den Sendern gefällt, sie ins Programm zu nehmen.

Die einzige und zudem noch relativ preiswerte Programmware, mit der sich die Sender voneinander unterscheiden, sind die Shows und ihre Präsentatoren oder Gesprächsleiter, heißen sie nun Anke Engelke ("Ladykracher"), Florian Silbereisen ("Feste der Volksmusik") oder Carmen Nebel ("Willkommen bei Carmen Nebel"), die ebenfalls selbst produziert und einer der höchstbezahlten TV-Stars in Deutschland ist.

Die ARD verpflichtete nicht nur Jauch, Pflaume, Reinhold Beckmann und zuvor Jörg Pilawa, der mittlerweile zum ZDF übergelaufen ist, sondern auch den ProSieben-Mann Matthias Opdenhövel.

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