Hall of Fame Stunde der Pioniere

Günther Fielmann und Gerd Krick haben ganze Branchen umgewälzt. manager magazin erweist ihnen nun die Ehre.
Fotostrecke

Hall of Fame: Die Preisverleihung 2011

Gleich zweifach müsse er das manager magazin korrigieren, fand Günther Fielmann (71) im Anschluss an eine Lobrede auf ihn. Da sei mal geschrieben worden, nur seine Büroleiterin halte seine Ausbrüche aus. Inzwischen aber, strich er hervor, arbeite sie mehr als drei Jahrzehnte für ihn, "so schlimm kann es also nicht gewesen sein". Außerdem habe es geheißen, die treue Mitarbeiterin besitze einen Mercedes-Sportwagen. Auch das sei überholt: "Heute fährt sie Porsche."

Das Publikum lachte herzhaft - und verstand die Botschaft: Bei Fielmann geht es beharrlich zu, zum Wohle aller.

Rund 120 Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft feierten am 9. Juni im "Schlosshotel Kronberg" zwei Neuaufnahmen in die "Business Hall of Fame" des manager magazins: Günther Fielmann und Gerd Krick (72), langjähriger Chef und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender des Gesundheitskonzerns Fresenius . Beide haben Pioniergeist in ihrem Lebenswerk bewiesen, aus kleinen Anfängen phänomenale Erfolge entwickelt.

Günther Fielmann sei zum "Vorbild für das moderne Unternehmertum" geworden, sagte der frühere Bundesminister Heiner Geißler (81) in seiner Laudatio. Geißler erinnerte an Fielmanns Pioniertat, Anfang der 70er Jahre das stille Kartell der Augenoptiker aufzubrechen und die weniger Betuchten nicht länger mit ein paar hässlichen Kassenbrillen abzuspeisen.

Er bot der Kundschaft stattdessen 90 attraktive Gestelle in 640 Varianten ohne Zuzahlung. Damit habe er Millionen Menschen eine Stigmatisierung erspart. Mit seiner Kundenorientierung sei Fielmann  zum erfolgreichsten Optiker Europas aufgestiegen. Dabei, so der Laudator, engagiere sich der Unternehmer beispielgebend, etwa im Naturschutz oder der medizinischen Forschung. Fielmann, resümierte Geißler, sei "ein Hoffnungsträger für eine neue humane Wirtschaftsordnung".

Gerd Krick zähle zu den "erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte", lobte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann (63). Krick habe maßgeblichen Anteil daran, dass das einst mittelständische Pharmaunternehmen Fresenius zu einem Weltkonzern der Gesundheitsbranche aufgestiegen sei. Als Krick dort 1975 als junger Ingenieur anfing, habe Fresenius nur rund 1000 Mitarbeiter gehabt, die meisten in Deutschland. Heute beschäftige der Konzern 140.000 Menschen in aller Welt. Mutig habe Krick Fresenius gleich nach seinem Amtsantritt neu geordnet und mit der Aufteilung in 17 weitgehend selbstständige Sparten gewaltige unternehmerische Kräfte geweckt.

Mit "visionärer Kraft und Leidenschaft", so Ackermann, habe Krick den Vorstoß an die Weltspitze der Dialysemedizin betrieben, für die das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care  steht. Beide Firmen sind heute im Dax notiert.

Mehr zur Hall of Fame und zu früheren Preisträgern finden Sie auf der Themenseite zur Business-Hall-of-Fame.

Weiter zu den Laudatoren ...

Laudator Josef Ackermann über Gerd Krick

Hall-of-Fame-2011-Laudator Josef Ackermann

Hall-of-Fame-2011-Laudator Josef Ackermann

Foto: Bert Bostelmann

Aus der Lobrede des Deutsche-Bank-Chefs

"Am Anfang eines großen Erfolges steht immer eine Vision. So auch hier. Gerd Kricks Vision war es, aus Fresenius , das damals vor allem medizintechnische Produkte anderer Hersteller verkaufte, selbst einen führenden Produzenten zu machen. Und diese Vision hat er mit Konsequenz und Leidenschaft verfolgt.

Als zwei seiner Kollegen ihm in den 80er Jahren anhand einer Leistungsvergleichskurve eine deutliche Weiterentwicklung seiner Dialysefilter zeigten, war er, so wird berichtet, wie elektrisiert, ja schäumte vor Begeisterung angeblich geradezu über. Damals entstand bei Fresenius - von skeptischen Mitarbeitern geprägt - der Begriff der 'krickschen Euphorie-Kurve'.

Wie auch immer es war, Tatsache ist: Gerd Krick hat damals eine Chance gesehen, seine Vision zu verwirklichen, und er hat sie ergriffen. Ungeachtet aller Zweifler ließ er Dialysegeräte mit den neuen, überlegenen Filtern herstellen und reiste anschließend zusammen mit Ben Lipps, der heute Fresenius Medical Care leitet, durch die USA, um das Produkt anzubieten. Der Großkonzern Baxter wimmelte beide ab - er hielt die Innovation für unbrauchbar. Schließlich gelang es den beiden Handlungsreisenden doch, 27 Geräte an ein anderes US-Unternehmen zu verkaufen.

Gerd Krick und Fresenius geben ein Paradebeispiel dafür ab, wie stark ein einzelner Manager oder Unternehmer an der Spitze eines guten Teams ein Unternehmen prägen kann und was er zu leisten imstande ist. Sie bestätigen im Übrigen auch die These meines Landsmannes Max Frisch, wonach der Erfolg den Menschen nicht ändere, sondern entlarve. Der Erfolg hat Gerd Krick als den bescheidenen, zurückhaltenden, liebenswürdigen Mann entlarvt, der er immer gewesen ist."

Porträt Gerd Krick: Ein Solitär

Laudator Heiner Geißler über Günther Fielmann

Heiner Geißler bei der Hall of Fame am 9. Juni 2011 in Konberg

Heiner Geißler bei der Hall of Fame am 9. Juni 2011 in Konberg

Foto: Wolfgang v. Brauchitsch

Aus der Lobrede des Altpolitikers

"Günther Fielmann ist zum Vorbild für das moderne Unternehmertum geworden, zum Prototyp realisierter sozialer und ökologischer Marktwirtschaft. Er hat Kartelle gesprengt. Ludwig Erhard hätte seine Freude an ihm. Aus einem kleinen Optikergeschäft entwickelte er den Marktführer, mit weitem Abstand. 23 Millionen Menschen tragen seine Brillen.

Dabei macht er fast alles anders, als die dominierende ökonomische Lehre meint. Er bietet Brillenschick zum Nulltarif, Zufriedenheitsgarantie, die Anerkennung jeglicher Reklamation, die Geld-zurück-Garantie und die Nulltarif-Versicherung. Viele haben ihn für verrückt erklärt. Aber es klappt. Die Menschen machen mit, sie missbrauchen sein Vertrauen nicht.

80 Prozent der Mitarbeiter sind Miteigentümer, 50 Prozent der Tantiemen gibt es für Kundenzufriedenheit. Die Löhne liegen 20 Prozent über Tarif, keine Leih- und Zeitarbeit, keine befristeten Arbeitsverträge. Eigene Lehrlingsausbildung im Schloss Plön, bei der landesweiten Gehilfenprüfung stellen die Plöner Lehrlinge 70 Prozent der Landessieger.

Hinzu kommen unglaubliche Investitionen in die Ökologie. Für jeden Mitarbeiter wird jedes Jahr ein Baum gepflanzt, inzwischen gibt es eine Million Fielmann-Bäume. Von Mecklenburg bis zum Wienerwald, von der Schweiz bis Israel Finanzierung ökologischer Projekte; auf drei Höfen Entwicklung und Forschung beispielhafter Pflanzung und Tierhaltung. Denkmalpflege, Monitoringprogramme am Deutschen Herzzentrum Berlin und der Universitäts-Augenklinik Rostock. Die Aufzählung ist noch nicht am Ende. Günther Fielmann ist Hoffnungsträger für eine neue humane Wirtschaftsordnung. Ich gratuliere Ihnen herzlich zu dieser Auszeichnung."

Porträt Günther Fielmann: Der Seher

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.