Dienstag, 24. September 2019

Arabien Auf der Kippe

Arabien im Umbruch: Chancen und Risiken für deutsche Industrie
DPA

2. Teil: Gigantische Infrastrukturprojekte für die Nach-Öl-Zeit wackeln

Die Verwerfungen reichen in ihrer Bedeutung längst über einen Regionalkonflikt hinaus. Sie betreffen die globale Wirtschaft. Nicht nur weil der Ölpreis weiter empfindlich zu steigen droht. Gerade auch für deutsche Unternehmen steht viel auf dem Spiel: Die gigantischen, teilweise noch in der Planungsphase steckenden Infrastruktur- und Industrialisierungsprojekte, mit denen sich die Golf-Staaten für die Nach-Öl-Zeit rüsten wollen, könnten Milliarden in die Kassen hiesiger Maschinen- und Anlagenbauer spülen.

Allein Katar, der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas, will in den kommenden vier Jahren 100 Milliarden Dollar in Brücken, Wasseraufbereitungsanlagen oder Fabriken stecken.

Für die Katarer konzipiert die Deutsche Bahn ein 25 Milliarden Dollar teures Verkehrssystem, zu dem auch eine Metro mit 98 Stationen gehört. Hochtief Börsen-Chart zeigen erstellt in Doha mit 9000 Bauarbeitern ein mehr als acht Kilometer langes Einkaufszentrum. Siemens Börsen-Chart zeigen baut in ganz Arabien Kraftwerke, stattet Krankenhäuser aus, liefert Antriebstechnik für Zementwerke und Gepäckförderanlagen für Flughäfen.

Egal ob Konzerne wie Siemens Börsen-Chart zeigen oder Mittelständler wie die Dorsch-Gruppe, sie alle haben in den vergangenen Jahren ihre Aktivitäten am Golf und am südlichen Mittelmeerrand deutlich ausgeweitet. 2010 ist das Handelsvolumen zwischen den 22 Staaten der Arabischen Liga und Deutschland um gut 16 Prozent auf 57 Milliarden Dollar gestiegen.

Siemens, Hochtief, Leoni: Deutsche Firmen investieren erheblich

Überallhin werden Produkte made in Germany geliefert, Porsche Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen oder Mercedes verkaufen sich so gut wie nie, vielerorts stehen deutsche Fabriken. Der Automobilzulieferer Leoni Börsen-Chart zeigen beschäftigt in Nordafrika 24.500 Menschen. ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen führt in Ägypten mehr als 1800 Mitarbeiter auf der Lohnliste, Metro ist dort ebenso vertreten wie Henkel Börsen-Chart zeigen.

Staatsfonds aus der Region wiederum haben Milliarden in deutsche Konzerne investiert. Die Katarer sind an Hochtief (10 Prozent), Volkswagen Börsen-Chart zeigen (17 Prozent) und Porsche (10 Prozent) beteiligt. Daimler Börsen-Chart zeigen gehört zu 16 Prozent Kuwait und Abu Dhabi, Ferrostaal liegt zu 70 Prozent in der Hand der Emire.

Käme es auch am Golf zu Umstürzen, könnten die Fonds womöglich ihre Gelder abziehen.

Dabei setzt die deutsche Industrie so große Hoffnungen in die Region. Etwa was die Nutzung erneuerbarer Energien angeht. Zu den ersten Referenzprojekten zählt die Solaranlage in Kuraymat südlich von Kairo. Errichtet hat sie eine Tochter von Solar Millennium. Die Erlanger rechnen mit weiteren Aufträgen, möglicherweise im Rahmen des "Plan Solaire Marocain". Das Vorhaben, das der marokkanische König Mohammed angeschoben hat, soll neun Milliarden Dollar kosten und könnte Teil von Desertec werden - der Idee von einem riesigen Wüstenkraftwerk, das einmal maßgeblich zur europäischen Energieversorgung beitragen soll.

Doch all die schönen Projekte sind heute unsicherer denn je. Wie schnell die Träume vom großen Geld in der arabischen Welt platzen können, zeigt der Zerfall Libyens. Der Gaddafi-Staat war wegen seiner Rohstoffreserven über Jahrzehnte ein geschätzter Geschäftspartner deutscher Unternehmen. Am meisten investierte die BASF-Tochter Wintershall - seit 1958 mehr als zwei Milliarden Dollar. Mit der Förderung von Öl in Libyen erzielte der Konzern 2010 immerhin rund 16 Prozent seiner Gesamtumsätze. Nun liegen die Anlagen brach. Ob sie den Bürgerkrieg unbeschadet überstehen werden, ist nicht absehbar.

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