Montag, 27. Januar 2020

Denkmalsturz Toyotas lascher Kampf um die Weltspitze

Autoindustrie: Angreifer, Aufsteiger und Absteiger
Florian Renner

In der Autoindustrie endet eine Ära. Die Japaner sind nicht mehr die größten und auch nicht mehr die besten der Branche. Volkswagen und Hyundai gewinnen immer mehr Marktanteile. Jetzt argwöhnen Branchenkenner, dass Toyota-Chef Akio Toyoda den Kampf um die Weltspitze schon aufgegeben hat.

Hamburg - Der 9. März 2011 sollte Akio Toyodas (55) großer Tag werden. Seit 21 Monaten stand er bereits an der Spitze des Autokonzerns Toyota, des Unternehmens, das sein Großvater Kiichiro 1937 gegründet und sein Vater Shoichiro groß gemacht hatte. Nun endlich wollte er der Welt sein Programm für eine große Zukunft vorstellen, seine "Global Vision".

Toyoda sprach darüber, dass er ein Lächeln auf die Gesichter von Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern zaubern und dass er Toyota Börsen-Chart zeigen zu einem Baum machen wolle mit "starken Wurzeln" und "schmackhaften Früchten", um "ganze Städte zu nähren".

Als er seinen wolkig-visionären Metaphernmix beendet hatte, hinterließ er intern wie extern viele enttäuschte Augen- und Ohrenzeugen. Wenig Strategisches entdeckten die Beobachter. Stattdessen drängte sich ein ganz anderer Eindruck auf: Beim größten und über lange Jahre profitabelsten Automobilhersteller hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Ein Denkmal akzeptiert seinen Sturz.

Akio Toyoda verabschiedete sich an jenem 9. März aus dem Kampf um die Weltspitze. Er gab den Weg frei für den Verfolger Volkswagen Börsen-Chart zeigen und vielleicht sogar für den aus der Insolvenz auferstandenen US-Konzern General Motors Börsen-Chart zeigen. Und das unabhängig von dem verheerenden Erdbeben und dem folgenden Tsunami, die zwei Tage später Japan erschütterten und auch Toyotas Produktion für Monate lähmen sollten.

Vor allem zwei Aussagen stehen exemplarisch für Toyotas Niedergang, eine eher beiläufig wirkende und eine zahlenlastige. Unauffällig schien, zumindest für deutsche Ohren, der Satz: "Wir sind ein japanisches Unternehmen, und das wollen wir auch bleiben". Doch der Konzernchef sagte "kaisha", und dieses kleine japanische Wörtchen steht für mehr als die deutschen Übersetzungen "Unternehmen" oder "Konzern". Es steht für eine ganze Philosophie, für die urjapanische Tradition der Firma als große Familie.

Toyoda will zurück zu den Wurzeln des Konzerns. Er orientiert sich nicht an den Wünschen internationaler Anleger, sondern daran, was in Japan als sozialverträglich gilt. Das wiederum entspricht in etwa jener Ziffer, die der Toyota-Chef seinen Leuten als Zielvorgabe für die Zukunft auftrug: 5 Prozent operative Umsatzrendite.

5 Prozent Rendite, das mag für manchen Konkurrenten eine hohe Hürde sein. Toyota aber ist kein gewöhnlicher Konzern. Der Autohersteller war lange eine gigantische Gewinnmaschine. Fünf Jahre in Folge lag die Marge bis 2007 konstant über 8,5 Prozent, der Gewinn vor Steuern erreichte stets deutlich mehr als zehn Milliarden Euro - ein Wert, den Volkswagen Börsen-Chart zeigen nicht einmal in einem Rekordjahr wie 2010 erreicht hat, dem sich die Wolfsburger Steuermänner Martin Winterkorn (64) und Ferdinand Piëch (74) aber langfristig verschrieben haben.

Ganz im Gegensatz zum bescheidenen Herrn Toyoda. Der Konzernchef schraubt auch seine Absatzambitionen deutlich zurück. Zehn Millionen Autos will er 2015 verkaufen. Toyodas Vorgänger hatten sich die 10 Millionen schon für 2009 vorgenommen. Volkswagens interne Planung sieht vor, die Marke ebenfalls bis 2015 zu knacken - und dann sogar schon ein gutes Stück voraus zu sein.

© manager magazin 7/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung