Donnerstag, 19. September 2019

Textilriese Inditex Der Aldi der Mode

Inditex: Das größte Bekleidungshaus der Welt
REUTERS

Mit Marken wie Zara ist der spanische Inditex-Konzern zum größten Bekleidungshaus der Welt aufgestiegen. Die Aktie hat Konkurrenten wie H&M weit hinter sich gelassen. Nun hat Gründer Amancio Ortega die Führung an Pablo Isla abgegeben - ein Inside-Report.

Hamburg - Barcelona: Parallel zur berühmten Flanier- und Abzockermeile Ramblas verläuft die Fußgängerzone Avenida Portal de L'Angel. Auf den ersten Blick eine eher langweilige Einkaufsstraße wie so viele andere in den Metropolen dieser Welt. Modeshop reiht sich an Modeshop. Auf der einen Seite heißen diese Pull & Bear, Zara, Stradivarius und Massimo Dutti, auf der anderen Bershka, Oysho, Uterqüe und noch einmal Zara.

Doch diese Straße ist weltweit einmalig: Alle acht genannten Läden gehören einem Mann - Amancio Ortega. Unter Insidern heißt die Straße deshalb zu Recht Avenida del Amancio.

Diese acht Shops sind nur ein winzig kleiner Teil eines riesigen Imperiums, das Ortega in rund 35 Jahren geschaffen hat. Über 5000 Läden in rund 80 Ländern besitzt der Inditex-Konzern und ist damit der größte Textilhändler der Welt - noch vor H&M. Kein Unternehmen setzt modische Trends schneller in erschwingliche Klamotten um, keiner wächst so schnell auf so hohem Niveau.

Trotzdem kennt kaum jemand Inditex Börsen-Chart zeigen , genauso wenig wie seinen Haupteigentümer Amancio Ortega. Der Konzern hat eine einzigartige Kultur, die gegen viele Branchenregeln verstößt, gängige Managementpraktiken ignoriert und von Ortega erfunden und vorgelebt wurde.

75 Jahre alt ist dre Patriarch Ende März geworden. Er ist fast so scheu wie die Albrecht-Brüder - und ebenso erfolgreich. Mit einem geschätzten Vermögen von über 20 Milliarden Euro gilt er als reichster Spanier, und trotzdem ist er bescheiden geblieben.

Ortegas Vermögen wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt

Lange Zeit fuhr er selbst in einem Golf zur Arbeit, bis vor Kurzem wohnte er standeswidrig in einer Etagenwohnung im Zentrum der galizischen Stadt La Coruña. Öffentliche Auftritte mag er nicht. Selbst den Ministerpräsidenten ließ er abblitzen, als dieser die wichtigsten Manager und Unternehmer des Landes zu einem Krisen-Round-Table bat.

Nun, auf der Hauptversammlung der Inditex S. A. im Juli, trat Ortega als Chairman ab und übergab das Amt an Pablo Isla (47), der bereits seit 2005 im Unternehmen ist. Insider sagen, der Übergang sei nicht ganz freiwillig erfolgt. Isla, der exzellente Kontakte zum Telefónica-Chef César Alierta (66) hat, soll gedroht haben, als Nachfolger Aliertas zu Telefónica zu wechseln. Ortega wollte den geschätzten Isla nicht verlieren und stimmte deshalb seinem eigenen Abdanken als Zar von Zara zu.

Was bedeutet der Abgang der Übervaterfigur Ortega, der bisher jede Kollektion, jeden Standort und jede neue Schaufensterdekoration begutachtete und absegnete? Wie geht es nun weiter mit Inditex? Kann der Konzern in diesem Tempo - jedes Jahr 400 bis 500 neue Shops - problemlos weiter wachsen? Oder platzt Inditex irgendwann aus allen Nähten, weil es - wie so viele gigantisch wachsende Ketten (etwa Starbucks Börsen-Chart zeigen ) - an Hypertrophie leidet?

© manager magazin 7/2011
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