Mittwoch, 29. Januar 2020

Vermögensaufbau Wie man sein Geld beschützt

Aktien, Bonds, Versicherungen, Immobilien: Alle Anlagen im Risiko-Check
Corbis

Sparer in Deutschland sind verunsichert. Wie kann man in derart bewegten Zeiten, in denen Staaten Geld drucken, Börsen schwanken und Schulden explodieren, noch für den Ruhestand vorsorgen? Und wie vermeidet man Vorsorgefallen? manager magazin beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hamburg - Endlich selbstständig: 2003 erfüllte sich das junge Paar den Traum vom Leben ohne Chef. Zum Startkredit von der Hausbank gab's zur Absicherung und späteren Tilgung gleich eine Lebensversicherung. Das Geschäft florierte, die Bank führte jährliche "Update-Gespräche", bei denen sie den Jungunternehmern mit steigender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit munter Erhöhungen der Altersvorsorge verkaufte.

2010 hatten die beiden in privaten Vermögensdingen Unbedarften insgesamt 13 Altersvorsorgeverträge laufen - Standesversorgung, Lebens-, Renten- und Basisversicherungen. Die beiden Erfolgreichen wohnten weiter zur Miete und gönnten sich wenig, denn 113.000 Euro Jahresbeiträge wurden für die 13 Verträge abgebucht.

Dies ist ein krasser Fall aus der Praxis des Kieler Finanzdienstleisters Eckhard Jess, der das junge Paar aus der Vorsorgefalle befreite: "Bei dieser Vermögensstruktur richtet eine Inflation verheerende Folgen an." Ein Großteil der niedrigrentierlichen Lebens- und Rentenversicherungen wurde gekündigt, die frei werdende Liquidität in ein Haus investiert, das die Unternehmer jetzt zügig abzahlen. Die Fehlberatung durch die Bank brachte dem Institut erkleckliche Provisionen, dem Ehepaar aber einen Vermögensschaden in sechsstelliger Höhe.

Mit der Hilflosigkeit in Sachen finanzielle Vorsorge steht das norddeutsche Paar nicht allein. Zwar hat sich flächendeckend die Erkenntnis durchgesetzt, dass an der staatlichen Rente nur eines sicher ist: dass sie nicht reicht. Doch taugliche Pläne für einen rentierlichen Vermögensaufbau sind selten.

Die Anlage soll sich lohnen - trotz Volatilität und Inflation

Es gilt, eine komplexe Aufgabe zu lösen. Die heutige Anlageentscheidung soll Jahrzehnte später Früchte tragen, ungefährdet von der in der Zwischenzeit auftretenden Inflation, ungeachtet der demografischen Verwerfungen, der immer höheren Volatilität von Preisen und Kursen sowie der immer erratischeren Entwicklungen in Politik und Wirtschaft.

"Sehen Sie nur, was in diesem März zwischen Fukushima, Bengasi und Stuttgart alles passiert ist", seufzt Friedrich Huber, geschäftsführender Gesellschafter der Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen, "da nützt bei der Anlageentscheidung der Blick in die Vergangenheit nicht mehr." Immerhin gelten noch einige Grundregeln, die helfen, Immobilien, Lebensversicherungen, das Wertpapierdepot und vielleicht sogar Goldbarren und Krügerrand im Sinne einer sicheren Vorsorge auszubalancieren (siehe Fotostrecke).

Was die Sache erschwert: Gerade der Vorsorgeklassiker Lebensversicherung scheint abgewirtschaftet zu haben. Wer 1995 eine Lebensversicherung nach zwölf Jahren ausbezahlt bekam, freute sich noch über eine Rendite von durchschnittlich 6,38 Prozent. Wer 2010 nach zwölf Jahren Geld sah, hatte im Schnitt gerade noch 3,36 Prozent pro Jahr gutgeschrieben bekommen - Tendenz weiter fallend. Für neu abgeschlossene Verträge gilt ab 2012 nur noch ein Garantiezins von 1,75 Prozent, das liegt unter der Inflationsrate.

Vor allem hohe Kosten drücken die Rendite der Lebensversicherungen. Im Durchschnitt gehen rund 5 Prozent der Versicherungssumme als Abschlussprovision für den Vertrieb drauf. Auch die Verwaltungskosten schmälern das Anlagekapital kräftig: Im Schnitt 3,29 Prozent der Beiträge genehmigt sich die Assekuranz jährlich hierfür. Am dreistesten treibt es Fortis Deutschland mit mehr als 18 Prozent. Beim durchschnittlichen deutschen Lebensversicherer kommen also nur gut 90 Prozent der gezahlten Beiträge in der Geldanlage an - kein Wunder, dass die Renditen unterdurchschnittlich bleiben.

Zudem lauern in vielen Depots noch Altlasten, die dort nicht bleiben sollten.

© manager magazin 5/2011
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