Sonntag, 21. April 2019

Sal. Oppenheim Im Visier der Soko "Byzanz"

Banker, Kunden, Profiteure: Die Hauptakteure im Bankenskandal
Köln Messe

Den ehemaligen Bankiers von Sal. Oppenheim drohen Anklagen. Neue  Dokumente belegen ihre Machenschaften detailliert. Eine Enthüllung über den bisher größten deutschen Bankenskandal in sieben Kapiteln.

Als Privatbankier in Diensten der Deutschen Bank ist Wilhelm von Haller (58) dem diplomatischen Sprachgebrauch verpflichtet. Doch manchmal bricht es aus dem Chef der Kölner Konzerntochter Sal. Oppenheim heraus - in aller Subtilität, versteht sich.

So macht er gegenüber Vertrauten kein Hehl aus seinem Urteil über die frühere Oppenheim-Führung. "Da wird es wohl bei einigen einen Wohnortwechsel geben", tut von Haller in jüngerer Zeit gelegentlich kund. Das lässt sich so interpretieren, als könnten die Machenschaften der ehemaligen Bankleiter ein paar von ihnen bald hinter Gitter bringen.

In der Tat sind die Recherchen der Kölner Staatsanwaltschaft im größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte wesentlich weiter fortgeschritten als bisher bekannt. Die Ermittler der Sonderkommission "Byzanz" haben akribisch Büros und Wohnungen durchsucht, unermüdlich Indizien und Beweise zusammengetragen, stundenlang Zeugen und Beschuldigte befragt.

Wer von Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich und Staatsanwalt Gunnar Greier vernommen wird, staunt über deren Detailkenntnis und tief gehendes Verständnis der bankinternen Abläufe.

Die Ermittlungen dürften die früheren Oppenheim-Granden überaus beunruhigen, alle haben sich renommierte Strafverteidiger genommen. Von "Untreue in besonders schwerem Fall" über "Beihilfe zur Untreue" bis hin zu "pflichtwidriger Schädigung des Vermögens der Bank" reichten die Anschuldigungen bereits in einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Köln aus dem Jahr 2010.

Die Geschäftsleiter haben nicht nur das eigene Vermögen dezimiert, sondern das aller Bankeigner, einerseits aus der Familie Oppenheim, andererseits Nachfahren ehemaliger familienfremder Partner. Etwa 40 Einzelgesellschafter hatte Sal. Oppenheim bis zum Notverkauf an die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen im Herbst 2009. Seitdem ist von Haller Oppenheim-Chef.

Zahlreiche manager magazin vorliegende Dokumente legen tatsächlich den Verdacht nahe, dass der Beinahezusammenbruch der einst größten Privatbank Europas nicht nur Ergebnis eines miserablen Managements war, sondern auch das Resultat möglicherweise strafrechtlich relevanter Verfehlungen der früheren Leitung.

Wie Risiken verschleiert wurden

Interne Briefwechsel zeigen, wie die einstige Führungsclique - bestehend aus Bankchef Matthias Graf von Krockow (62), Christopher Freiherr von Oppenheim (45), Friedrich Carl Janssen (66), Dieter Pfundt (58) und ihrem bis 2008 amtierenden Kollegen Detlef Bierbaum (68) sowie Aufsichtsratschef Georg Baron von Ullmann (57) - offenbar mit viel Energie versuchte, Risiken zu verschleiern. Das Motto war anscheinend: Rechtsnormen gelten nur für andere. Ein ums andere Mal bedienten sich die Bankiers, jedenfalls wenn man der Staatsanwaltschaft folgt, auf Kosten des Hauses.

Weitere Papiere offenbaren, wie sich der verheerende Einfluss des Immobilienjongleurs Josef Esch (54), der dem Geldhaus jahrelang zwei- bis dreistellige Millionengewinne einbrachte, wie ein Krebsgeschwür in der Bank ausbreitete.

Rechtfertigungsbriefe an die Bankenaufsicht zeugen von den Bemühungen der Oppenheim-Leiter, die dramatische Lage der Bank im Sommer 2009 zu beschönigen. Protokolle von Gesellschaftersitzungen verdeutlichen die verzweifelten Versuche, das Institut vor dem Untergang zu retten - begleitet von Schuldzuweisungen der Miteigner.

Weitere Schriftstücke dokumentieren schließlich, wie die Deutsche Bank die Notlage des Kölner Geldhauses ausnutzte, um sich Sal. Oppenheim einzuverleiben. Inzwischen hat sich allerdings herausgestellt, dass die Übernahme der Privatbank weniger ein Schnäppchenkauf war als vielmehr eine - wenn auch unfreiwillige - Rettungstat. Bis Sal. Oppenheim so dasteht, wie die neue Konzernmutter es sich wünscht, werden Jahre vergehen.

Auch die Staatsanwaltschaft wird mit dem Fall Oppenheim noch eine Weile beschäftigt sein. Mit einer möglichen Anklageerhebung ist frühestens im kommenden Jahr zu rechnen. Die Ermittler lassen bislang nichts heraus, ebenso wie die meisten Beschuldigten sich nicht äußern. manager magazin gewährt schon einmal Einsicht in die Aktenlage, wie sie sich der Redaktion darstellt.

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