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Banker, Kunden, Profiteure: Die Hauptakteure im Bankenskandal

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Sal. Oppenheim Im Visier der Soko "Byzanz"

Den ehemaligen Bankiers von Sal. Oppenheim drohen Anklagen. Neue  Dokumente belegen ihre Machenschaften detailliert. Eine Enthüllung über den bisher größten deutschen Bankenskandal in sieben Kapiteln.
Von Sören Jensen und Ulric Papendick

Als Privatbankier in Diensten der Deutschen Bank ist Wilhelm von Haller (58) dem diplomatischen Sprachgebrauch verpflichtet. Doch manchmal bricht es aus dem Chef der Kölner Konzerntochter Sal. Oppenheim heraus - in aller Subtilität, versteht sich.

So macht er gegenüber Vertrauten kein Hehl aus seinem Urteil über die frühere Oppenheim-Führung. "Da wird es wohl bei einigen einen Wohnortwechsel geben", tut von Haller in jüngerer Zeit gelegentlich kund. Das lässt sich so interpretieren, als könnten die Machenschaften der ehemaligen Bankleiter ein paar von ihnen bald hinter Gitter bringen.

In der Tat sind die Recherchen der Kölner Staatsanwaltschaft im größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte wesentlich weiter fortgeschritten als bisher bekannt. Die Ermittler der Sonderkommission "Byzanz" haben akribisch Büros und Wohnungen durchsucht, unermüdlich Indizien und Beweise zusammengetragen, stundenlang Zeugen und Beschuldigte befragt.

Wer von Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich und Staatsanwalt Gunnar Greier vernommen wird, staunt über deren Detailkenntnis und tief gehendes Verständnis der bankinternen Abläufe.

Die Ermittlungen dürften die früheren Oppenheim-Granden überaus beunruhigen, alle haben sich renommierte Strafverteidiger genommen. Von "Untreue in besonders schwerem Fall" über "Beihilfe zur Untreue" bis hin zu "pflichtwidriger Schädigung des Vermögens der Bank" reichten die Anschuldigungen bereits in einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Köln aus dem Jahr 2010.

Die Geschäftsleiter haben nicht nur das eigene Vermögen dezimiert, sondern das aller Bankeigner, einerseits aus der Familie Oppenheim, andererseits Nachfahren ehemaliger familienfremder Partner. Etwa 40 Einzelgesellschafter hatte Sal. Oppenheim bis zum Notverkauf an die Deutsche Bank  im Herbst 2009. Seitdem ist von Haller Oppenheim-Chef.

Zahlreiche manager magazin vorliegende Dokumente legen tatsächlich den Verdacht nahe, dass der Beinahezusammenbruch der einst größten Privatbank Europas nicht nur Ergebnis eines miserablen Managements war, sondern auch das Resultat möglicherweise strafrechtlich relevanter Verfehlungen der früheren Leitung.

Wie Risiken verschleiert wurden

Interne Briefwechsel zeigen, wie die einstige Führungsclique - bestehend aus Bankchef Matthias Graf von Krockow (62), Christopher Freiherr von Oppenheim (45), Friedrich Carl Janssen (66), Dieter Pfundt (58) und ihrem bis 2008 amtierenden Kollegen Detlef Bierbaum (68) sowie Aufsichtsratschef Georg Baron von Ullmann (57) - offenbar mit viel Energie versuchte, Risiken zu verschleiern. Das Motto war anscheinend: Rechtsnormen gelten nur für andere. Ein ums andere Mal bedienten sich die Bankiers, jedenfalls wenn man der Staatsanwaltschaft folgt, auf Kosten des Hauses.

Weitere Papiere offenbaren, wie sich der verheerende Einfluss des Immobilienjongleurs Josef Esch (54), der dem Geldhaus jahrelang zwei- bis dreistellige Millionengewinne einbrachte, wie ein Krebsgeschwür in der Bank ausbreitete.

Rechtfertigungsbriefe an die Bankenaufsicht zeugen von den Bemühungen der Oppenheim-Leiter, die dramatische Lage der Bank im Sommer 2009 zu beschönigen. Protokolle von Gesellschaftersitzungen verdeutlichen die verzweifelten Versuche, das Institut vor dem Untergang zu retten - begleitet von Schuldzuweisungen der Miteigner.

Weitere Schriftstücke dokumentieren schließlich, wie die Deutsche Bank die Notlage des Kölner Geldhauses ausnutzte, um sich Sal. Oppenheim einzuverleiben. Inzwischen hat sich allerdings herausgestellt, dass die Übernahme der Privatbank weniger ein Schnäppchenkauf war als vielmehr eine - wenn auch unfreiwillige - Rettungstat. Bis Sal. Oppenheim so dasteht, wie die neue Konzernmutter es sich wünscht, werden Jahre vergehen.

Auch die Staatsanwaltschaft wird mit dem Fall Oppenheim noch eine Weile beschäftigt sein. Mit einer möglichen Anklageerhebung ist frühestens im kommenden Jahr zu rechnen. Die Ermittler lassen bislang nichts heraus, ebenso wie die meisten Beschuldigten sich nicht äußern. manager magazin gewährt schon einmal Einsicht in die Aktenlage, wie sie sich der Redaktion darstellt.

Das Risiko Schickedanz

I. Das Risiko Schickedanz

Der Niedergang des Handelskonzerns Arcandor , der früheren KarstadtQuelle AG, war zweifellos die Hauptursache für den Fast-Ruin von Sal. Oppenheim. Mehr als eine halbe Milliarde Euro verbrannten die Institutsleiter dadurch, dass sie das Schicksal der Bank mit dem einer einzigen Kundin verknüpften, der Arcandor -Großaktionärin Madeleine Schickedanz (67). Die Causa Arcandor/ Schickedanz zeigt exemplarisch, wie sich Überheblichkeit und völlige Missachtung von Bankierstugenden binnen eines Jahrzehnts zur Katastrophe ausweiteten.

Schickedanz war die gemeinsame Klientin der Bank und des Immobilienmoguls Esch, dem sie die Verwaltung ihres Milliardenvermögens anvertraut hatte. Um die Jahrtausendwende gewährte Sal. Oppenheim der Erbin des Versandhauses Quelle einen Kredit von in der Spitze 650 Millionen Euro, damit sie ein Aktienpaket der Warenhausfirma Karstadt erwerben konnte. Danach wurden die Unternehmen zur KarstadtQuelle AG vereint.

Die Fusion brachte keinen Segen, 2004 stand KarstadtQuelle vor der Pleite. Die Großaktionärin musste eine Kapitalerhöhung finanzieren. 2005 begehrte sie abermals Geld von Sal. Oppenheim, um Aktien hinzuzukaufen - offenbar in der Hoffnung auf Kursgewinne.

Einer weiteren Erhöhung des Obligos standen die Risikostrategie der Bank und die strapazierte Bonität der Kundin entgegen. Ihr Aktienpaket hatte Schickedanz bereits an das Institut verpfändet.

"Ihr müsst der Madeleine jetzt helfen"

Doch die damaligen Bankleiter (Esch: "Ihr müsst der Madeleine jetzt helfen") waren entschlossen, Geld zu geben. Sie verfielen auf die Idee, einer Strohmannfirma namens ADG 380 Millionen Euro zu leihen. ADG sollte die Summe als Darlehen an Schickedanz weiterreichen.

Eigentlich war ADG nicht kreditwürdig. Sie wurde es nur dadurch, dass die Bankiers und deren Familien privat für das ADG-Darlehen bürgten - ein im Bankwesen beispielloser Vorgang.

Oppenheim-Chef Krockow und Ehefrau Ilona (57) standen für 70 beziehungsweise 35 Millionen Euro ein, Ilonas Zwillingsbruder Georg von Ullmann für 70 und dessen Ehefrau Corinna (54) für 35 Millionen. Karin Baronin von Ullmann, die Mutter Ilonas und Georgs, garantierte 35 Millionen Euro, ebenso wie Christopher von Oppenheim. Zwei Firmen, die im gemeinsamen Besitz Eschs und der Bank waren, bürgten zudem für je 25 Millionen.

Es ergab sich die irrsinnige Situation, dass mit Krockow und Oppenheim zwei Bankleiter, die ohnehin persönlich für das Institutskapital hafteten, auch noch Einzelbürgschaften zugunsten des Hauses eingingen, ihr Vermögen also praktisch doppelt verpfändeten. Und in Gestalt der Oppenheim-Esch-Firmen bürgte die Bank quasi für die Bank - eine letztlich wertlose Sicherheit.

Als sehr heikel erwies sich die Frage, wem ADG gehörte. Als Gesellschafter zeichnete anfangs Esch. Doch der war wegen seiner Nähe zur Bank als Kreditnehmer nicht gewollt. Also verkaufte Esch die ADG für einen Euro an eine Züricher Firma namens Robuterra AG.

Laut Kreditprotokoll, der internen Darlehensdokumentation, waren die Robuterra-Eigner der Oppenheim-Kreditabteilung nicht bekannt. Dabei ist jedes Geldinstitut gesetzlich verpflichtet, die Identität seiner Schuldner zu prüfen. Die Kreditabteilung wurde mit der Information abgespeist, kein Aktionär habe beherrschenden Einfluss auf die Gesellschaft.

Das stimmte zwar. Doch die Robuterra-Eigner waren dennoch problematisch. Es handelte sich um niemand anderes als um Krockow, Ullmann, Oppenheim und Esch, die je 25 Prozent hielten.

Ausleihungen hätten genehmigt werden müssen

Die Bankleiter hatten wohl gute Gründe, dies zu verheimlichen. Denn Ausleihungen an die persönlich haftenden Gesellschafter Krockow und Oppenheim sowie an Aufsichtsratschef Ullmann hätten als Organkredite vom Aufsichtsrat genehmigt werden müssen.

Auf diese Weise wären allerdings die Vertreter der übrigen Bankaktionäre in das dubiose Geschäftsgebaren eingeweiht worden. Daran konnten die Bankoberen kein Interesse haben.

Der schließlich auf 350 Millionen Euro reduzierte Kredit wurde mit 0,5 Punkten über dem Interbankensatz Euribor verzinst - solch einen Vorzugszins gewährt man sonst Schuldnern erstklassiger Bonität bei völlig risikofreien Darlehen.

Von wegen beste Bonität: Weil Schickedanz und ADG die Zinsen meist auflaufen ließen, musste das Darlehen in zwei Schritten auf 392 Millionen Euro aufgestockt werden. Zudem wurde es mehrmals prolongiert.

2008 kam es zu einer "Sicherheitenneuordnung". Die Bankleiter Krockow und Oppenheim wurden aus ihren Bürgschaften entlassen. Im Gegenzug musste Christopher von Oppenheim Festgelder in gleicher Höhe verpfänden. Für Krockow trat dessen Schwiegermutter Karin von Ullmann mit 48 Millionen Euro an Festgeldern ein. Den übrigen Teil der krockowschen Bürgschaft übernahm eine der beteiligten Oppenheim-Esch-Firmen - sein Restobligo wurde also teils zulasten der Bank sozialisiert.

Während bei Arcandor das Desaster seinen Lauf nahm, vergrößerten die Geschäftsführer das Klumpenrisiko des Instituts noch. Im Herbst 2008 beteiligte sich Sal. Oppenheim an Arcandor, kaufte Schickedanz Aktien ab und lieh dem Konzern darüber hinaus ohne ausreichende Sicherheiten 20 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft hat hier ebenfalls den Verdacht der Untreue.

Um eine Schieflage der Bank zu verhindern, musste schließlich das bereits hoch verschuldete Konsortium der Oppenheim-Gesellschafter den größten Teil der Arcandor-Aktien quasi in Privatbesitz übernehmen, natürlich auf Kredit.

Am 9. Juni 2009 beantragte Arcandor die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Am selben Tag kündigte Sal. Oppenheim den ADG-Kredit wegen "Verschlechterung der Vermögensverhältnisse des Kreditnehmers", ADG wiederum kündigte Madeleine Schickedanz.

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Mangels Tilgung hielt sich die Bank an die Bürgen. Zunächst kassierte sie die verpfändeten Festgelder. Die Oppenheim-Esch-Firmen erfüllten ihre Garantien immerhin zeitnah mit 91,6 von 100 Millionen Euro. Die übrigen Bürgen konnten oder wollten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Großzügigerweise gewährte Sal. Oppenheim ihnen laut Staatsanwaltschaft im Juli 2009 ohne hinreichende Sicherheiten Kredit, damit sie Zahlungen an die Bank leisten konnten - abermals eine Absurdität.

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Komplex Schickedanz/Arcandor/ADG den Verdacht der Untreue in einem besonders schweren Fall bei den Ex-Bankleitern - und der Beihilfe dazu bei Esch.

Offensichtlich ahnten die Bankiers die Bedenklichkeit ihres Tuns, vor allem im Blick auf ADG. Schon im Frühjahr 2005 hatten sie eine Expertise der Kölner Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek eingeholt, in der der Sachverhalt anonymisiert dargestellt und das Vorgehen legitimiert wurde. Allerdings waren den Juristen offenbar Fakten vorenthalten worden.

Mit mehr Detailwissen versehen, urteilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, die Sal. Oppenheim im Auftrag der Bankenaufsicht BaFin scannte. Es habe sich um einen "Strohmannkredit" gehandelt, die Bankleiter hätten mittels ADG versucht, das Kreditwesengesetz zu umgehen. Das Heuking-Gutachten sei unzutreffend. Sal. Oppenheim habe gegen die Grundsätze banküblicher Sorgfalt verstoßen, einzelne Kreditprotokolle seien falsch. Das Deloitte-Papier dient heute der Staatsanwaltschaft als Basis ihrer Ermittlungen.

Graf Krockow ließ bis zum Schluss offenbar jegliche Einsicht vermissen. Zwei Tage nach dem Insolvenzantrag der Arcandor AG formulierte er in einer Sitzung des Oppenheim-Aktionärsausschusses, man habe das ADG-Engagement als "privaten Hedgefonds für Frau Schickedanz" gesehen - in der Hoffnung auf Kursgewinne. Zwischenzeitlich sei die Arcandor-Notiz tatsächlich von einst 9 auf fast 30 Euro gestiegen. Man habe lediglich "den Zeitpunkt zur Auflösung des Engagements verpasst". Hört sich an, als spräche nicht ein Bankchef, sondern ein Berufsspieler.

Die Gier der Bankiers

II. Die Gier der Bankiers

Wenn man dem Deloitte-Bericht und einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Köln folgt, bediente sich die Oppenheim-Führung offenbar nach Belieben beim Bankhaus - ohne Rücksichtnahme auf die Miteigentümer.

So hatte sich die Führungsclique bis zum 30. Juni 2009 quasi selbst Kredite über insgesamt 743,8 Millionen Euro genehmigt - größtenteils ohne ausreichende Sicherheiten, und dies obwohl einige der Schuldner bereits ein negatives Nettovermögen aufwiesen. Die Staatsanwaltschaft sieht den Anfangsverdacht der Untreue.

Die Begünstigten bezahlten mit den Darlehen Investitionen in die gemeinsam von Esch und Sal. Oppenheim initiierten Immobilienfonds oder bestritten davon persönliche Ausgaben. Wie etwa Christopher von Oppenheim, der mal 20, mal gar 38 Millionen Euro für private Zwecke auf sein Konto überweisen ließ.

Nach dem Tod seines Vaters Alfred ("Alfie") im Januar 2005 hatte Christopher das Familienstammhaus an der Kölner Lindenallee aufwendig für sich umbauen lassen. Christophers Mutter Jeane ("Jeanie"; 70) zog später ein paar Straßen weiter - in eine Villa, die das Bankhaus unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes für 3,9 Millionen Euro erworben und anschließend für 8,4 Millionen Euro saniert hatte.

Der Sohn bezahlte die Miete für seine Mutter. Allerdings betrug die Monatsmiete nach Feststellungen der Ermittler mit 29.166,67 Euro etwa die Hälfte dessen, was die Bank hätte kassieren müssen - Verdacht auf Untreue.

Für ein von Sal. Oppenheim genutztes Bürogebäude in der Kölner Oppenheimstraße vereinbarten die Bankiers indes eine viel zu hohe Miete. Kein Wunder, denn das Gebäude gehört einem Fonds, an dem neben Esch unter anderen die Herren Krockow, Oppenheim und Ullmann privat beteiligt sind. Seit 2008 beträgt die Jahresmiete 4,5 Millionen Euro. Am Markt erzielbar sollen jedoch nach einer Maklerschätzung lediglich knapp zwei Millionen Euro gewesen sein.

Vermietung an die eigene Bank versprach reichlich Einnahmen

Vor allem zum privaten Nutzen handelte die Bankspitze wohl auch beim Bürohausprojekt Bockenheimer Landstraße in Frankfurt. In das Gebäude sollte 2011 die von Dieter Pfundt geleitete Investmentbanksparte von Sal. Oppenheim einziehen. Die Liegenschaft gehörte seit 2007 ebenfalls einem Fonds, an dem Esch, Krockow, Oppenheim und Ullmann beteiligt waren.

Offenbar versprach man sich bei der Vermietung an die eigene Bank reichliche Mieteinnahmen, ähnlich wie in der Kölner Oppenheimstraße. Doch im Jahr 2008 schwächelte das Investmentgeschäft, und es zeigte sich, dass Sal. Oppenheim das Frankfurter Haus bei Weitem nicht allein nutzen konnte. Und was fremde Mieter zahlen würden, war natürlich nicht kalkulierbar.

Prompt verloren die Fondseigner das Interesse an der Immobilie, sie beschlossen den Verkauf von 94,9 Prozent der Anteile - an die eigene Bank. Das gab zunächst Probleme. Weil keine Informationen über die zu erwartende Mietrendite vorlagen, lehnte der Bereich Beteiligungen von Sal. Oppenheim den Kauf ab. Doch die persönlich haftenden Gesellschafter setzten sich laut Staatsanwaltschaft über das negative Votum hinweg.

Nach einer ersten Berechnung der Ermittler soll das Gebäude um 47 Millionen Euro zu teuer angekauft worden sein. Inzwischen geht die Deutsche Bank nur noch von einer Überzahlung von 16 Millionen Euro aus. Die Ermittler werfen Krockow & Co. pflichtwidrige Schädigung des Bankhauses vor - und Esch Beihilfe hierzu.

Eine Fondslösung war auch für die geplante neue Oppenheim-Zentrale in Luxemburg angedacht. 2007 war der Hauptsitz in das Großherzogtum verlegt worden. Das Bauprojekt wurde allerdings noch rechtzeitig gestoppt. Gleichwohl bezahlte die Bank, so die Ermittler, auf Veranlassung Krockows im Dezember 2008 eine Rechnung der Gebr. Esch Wohnbau GmbH in Höhe von 14,375 Millionen Euro. Eine Gegenleistung ist laut Staatsanwaltschaft nicht erkennbar, sodass auch hier der Verdacht auf Untreue naheliege.

Die Selbstbedienungsmentalität wich offenbar nicht einmal, als Sal. Oppenheim am Ende war. Kurz vor dem Verkauf an die Deutsche Bank begehrten Pfundt und Janssen die vorzeitige Auszahlung ihrer Anteile. Ausgerechnet diese beiden: Pfundt verantwortete offenbar Verluste in Höhe von etlichen Hundert Millionen Euro in der Investmentbank, Janssen hatte als Risikomanager völlig versagt.

Aufgrund der jüngsten damals vorliegenden Bilanz, per Ende 2008, errechnete die Oppenheim eng verbundene Wirtschaftsprüfungsfirma Treuhand Niederrhein Ausgleichsansprüche von 13 und 13,7 Millionen Euro für Janssen beziehungsweise Pfundt. Die Summen wurden auch gezahlt, obwohl einige im Aktionärsausschuss murrten - weil zwei Hauptverantwortliche für das Desaster ihr Geld retteten.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Eile, mit der Janssen und Pfundt ihre Auszahlung betrieben, begründet war. Denn nach einer unmittelbar bevorstehenden Prüfung durch die Käuferin Deutsche Bank wurde der Wert des Instituts deutlich reduziert.

Eine Gruppe ehemaliger OppenheimEigner, darunter Christophers Vetter, Nicolaus Freiherr von Oppenheim (54) sowie Nachfahren einstiger familienfremder Bankpartner, hat über ihren Anwalt Hans-Michael Pott von der Düsseldorfer Kanzlei Sernetz Schäfer Strafanzeige gegen Janssen und Pfundt erstattet. Beide hätten gewusst, dass die 2008er Bilanz wegen viel zu geringer Wertberichtigungen falsch gewesen sei. Somit sei auch die Basis für die Bewertung ihrer Anteile weit überhöht gewesen, sie hätten die Miteigner getäuscht.

Pfundt lässt dazu mitteilen, die Höhe der Zahlung sei "nicht verhandelbar gewesen", das Prozedere seit Langem vertraglich fixiert. Der Aktionärsausschuss habe den Betrag genehmigt.

Der Vorzugskunde Middelhoff

III. Vorzugskunde Middelhoff

Eine seltsame Sonderstellung genoss in der Bank Thomas Middelhoff (57), bis 2002 Bertelsmann- und ab 2005 Arcandor-Chef. Middelhoff hatte sich in seiner Zeit bei Bertelsmann eine zweistellige Millionenprämie verdient und wollte das Geld anlegen. Er ließ sich auf einen zehn Jahre laufenden, unkündbaren Vermögensverwaltungsvertrag mit Esch ein.

Der investierte Middelhoffs Millionen vor allem in Oppenheim-Esch-Fonds. Und weil deren Nachsteuerrendite erst so richtig interessant war, wenn reichlich Fremdkapital eingesetzt wurde, nahmen Middelhoff und dessen Ehefrau Cornelie (58) immer mehr Kredite bei Sal. Oppenheim auf. Ihr Obligo beträgt noch heute 106 Millionen Euro.

Auf Sicherheiten der Middelhoffs legte die Bankführung keinen großen Wert. Die Kreditabteilung monierte dies mehrfach. Laut Deloitte-Bericht wischten die Bankleiter die Bedenken stets mit ihrem angeblichen "Sonderwissen" vom Tisch.

Wegen des Wertverfalls der Fonds schrieb das Institut im ersten Halbjahr 2009 knapp 40 Millionen Euro auf die Middelhoff-Kredite ab. Auf Verlangen der Bank brachten die Eheleute später Sicherheiten im Wert von 50 Millionen Euro bei.

Großzügiger Beratervertrag für Middelhoff

Im Februar 2009 hatte Middelhoff seinen Posten als Arcandor-Chef räumen müssen. Die Oppenheim-Partner versorgten ihn mit einem großzügigen Beratervertrag. Drei Jahre lang sollte er per annum vier Millionen Euro bekommen, plus Kosten für Büro, Sekretärin, Auto und Fahrer. Esch war offenbar für seinen Kunden Middelhoff an den Verhandlungen beteiligt. Er bat Bankpartner Janssen, "uns eine Ausfertigung des Vertrages gegengezeichnet zurückzureichen".

Zur Zahlung verpflichtete sich nicht etwa die moribunde Arcandor AG, sondern Sal. Oppenheim. Drei Monate nach dem Insolvenzantrag wurde der Kontrakt gegen eine Abfindung aufgehoben. Kosten für die Bank: 7,6 Millionen Euro.

Auch für das Gehalt von Middelhoffs Kurzzeitnachfolger Karl-Gerhard Eick (57) und von Arcandor-Finanzvorstand Rüdiger Andreas Günther (52) stand die Bank ein, total für 19 Millionen Euro.

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Sal. Oppenheim: Neue Dokumente im Bankenskandal

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Middelhoff-Kredite ohne Sicherheiten, Zahlungen oder Garantien ohne erkennbaren Gegenwert an Middelhoff, Eick und Günther - in diesem Komplex sehen die Staatsanwälte wiederum den Verdacht der Untreue begründet, den der Beihilfe dazu bei Middelhoff. Dessen Strafverteidiger Sven Thomas sieht Chancen, diesen Vorwurf zu entkräften; auch deshalb will er versuchen, das Verfahren gegen Middelhoff abzutrennen.

Gegen Middelhoff ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Bochum - wegen des Verdachts der Untreue bei Arcandor. Und der Arcandor-Insolvenzverwalter verklagt ihn auf Schadensersatz.

Letzte Rettungsversuche

IV. Letzte Rettungsversuche

Ende Mai/Anfang Juni 2009 überschlugen sich bei Sal. Oppenheim die Ereignisse. Als handele es sich um eine Neuauflage von Thomas Manns "Buddenbrooks", paarte sich geschäftlicher Abstieg mit familiärem Leid.

Das ganze Pfingstwochenende hatten die Partner in Janssens Kölner Villa über die aussichtslose Situation von Arcandor und die katastrophalen Folgen für die Bank beraten. Am Pfingstmontag starb Krockows Schwiegermutter Karin von Ullmann 87-jährig.

In der Nacht zuvor hatte sich ein weiteres Unglück ereignet. Ein Airbus der Air France stürzte auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in den Atlantik. An Bord befanden sich auch einige von den Krockows geladene Gäste, denn am folgenden Samstag sollte ihre Tochter Caroline heiraten - auf dem nahe Köln gelegenen Gut Schlenderhan, dem Gestüt der gerade verstorbenen Baronin. Dafür war eigens ein Festzelt bestellt worden.

Die Feier fand trotz der traurigen Umstände statt. Womöglich spürte Graf Krockow, dass dies die letzte Gelegenheit sein würde, seiner Tochter eine glanzvolle Hochzeit auszurichten. Dass daraus eine Sause mit Musik und Tanz wurde, erzürnte indes Carolines Onkel Georg von Ullmann, dessen Mutter nicht weit entfernt aufgebahrt lag. Er verließ die Feier wütend.

Da das Zelt nun schon einmal stand, wurden dort nach der Beisetzung der Baronin am 10. Juni auch die Trauergäste empfangen. Es war der Tag, nachdem Arcandor Insolvenz angemeldet hatte.

Am Grab hatte sich Nicolaus von Oppenheim noch in der Gewalt, doch im Zelt nahm er sich seinen zwei Köpfe kleineren Verwandten Christopher zur Brust und drohte ihm Prügel an - weil der die Bank mit ruiniert habe. Nicolaus' Zorn und dessen physische Präsenz bekam kurz darauf in einer Sitzung auch Krockow zu spüren. Der Graf hatte übrigens im Festzelt auch noch seinen 60. Geburtstag nachfeiern wollen. Das fanden anscheinend viele Geladene unpassend und sagten ab. Die Feier fiel aus.

In jenen Tagen trafen sich die Bankeigner fast täglich mit den Partnern und empfingen neue Schreckensnachrichten. Denn die Lage des Instituts verschlechterte sich rapide. Die Finanzaufsicht BaFin forderte die Bankiers auf, unverzüglich "das Gesamtrisiko aller mit dem Arcandor-Konzern in Verbindung stehenden Positionen" zu offenbaren.

Verzweifelt versuchte Janssen, die Aufseher zu beschwichtigen. Am Tag der Insolvenzanmeldung schickte er einen sieben Seiten langen Brief an die Behörde. Tenor: Die Bank habe alles im Griff. Für die Schickedanz-Kredite habe man "weitere Sicherheiten vereinbart und bestellt", darunter Immobilien in Spanien und der Schweiz. Auch bei den Finanzierungen für Anleger, die in Karstadt-Warenhaus-Fonds investiert hätten, halte sich der Wertberichtigungsbedarf in Grenzen. Alles in allem müsse die Bank "aus der Arcandor-Thematik" 118 Millionen Euro abschreiben, "im worst case".

Die Finanzaufsicht bestellt die Banker ein

In einem separaten Brief an die BaFin, verfasst am selben Tag, mühte sich Janssen, den Kredit an ADG zu verharmlosen. Welche Regelung es zwischen Schickedanz und ADG gegeben habe, sei "dem Bankhaus nicht bekannt". Ohnehin habe die Bank "ausschließlich auf die Bonitäten der Sicherungsgeber abgestellt" - dass es sich dabei um die Führung der angeschlagenen Bank handelte, ließ Janssen lieber unerwähnt. Er gehe "von einer vollen Deckung des Kredites aus".

Die Aufseher beeindruckte das wenig. Nur einen Tag später bestellten sie Janssen und Christopher von Oppenheim in die Bonner Behörde ein. "In einer wenig freundlichen Atmosphäre", wie die Gesellschafter später pikiert zu Protokoll gaben, mussten sie Fragen beantworten. Allzu überzeugend wirkten ihre Erklärungen wohl nicht. "Man müsse davon ausgehen", gestand ein kleinlauter Janssen den Oppenheim-Eignern tags darauf ein, dass die Behörde "sich die Ausführungen letztlich nicht zu eigen macht".

Zwei Tage später wurden die Oppenheim-Oberen wiederum zum Rapport bestellt, diesmal bei BaFin-Präsident Jochen Sanio (64) und dem damaligen Bundesbank-Chef Axel Weber (54). Die beiden obersten deutschen Kontrolleure setzten den Privatbankiers ein Ultimatum: Binnen acht Wochen sollten sie 600 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital auftreiben, sämtliche ADG-Bürgschaften ablösen und möglichst einen Investor präsentieren. Zugleich ordneten die Aufseher eine Sonderprüfung rund um das Arcandor-Engagement an. Die Uhr für Krockow & Co. lief ab.

Neben der BaFin wurden auch die Behörden in Luxemburg nervös. Die waren nach der Verlegung der Oppenheim-Zentrale eigentlich zuständig für die Kontrolle. Finanzminister Luc Frieden (47) fragte in Berlin nach, wie die Bundesregierung die Angelegenheit regeln wolle. Zugleich fingen die Luxemburger an, ihrerseits nach Investoren zu suchen.

Auf Bitten der großherzoglichen Regierung hatte sich die Pariser Großbank BNP Paribas bereit erklärt, eine Übernahme von 51 Prozent der Oppenheim-Anteile über ihr Luxemburger Tochterinstitut BGL zu prüfen. Die Oppenheim-Alteigentümer hätten dann zumindest Juniorpartner bleiben können. Doch die Offerte blieb aus, ebenso das Gebot einer Schweizer Großbank, mit der Krockow & Co. parallel verhandelt hatten.

Das Kalkül der Deutschen Bank

V. Das Kalkül der Deutschen Bank

In ihrer Not schickten die Bankiers den Frankfurter Partner Pfundt zur Deutschen Bank. Der mit Vorstand Jürgen Fitschen (62) gut bekannte Investmentbanker sollte vorfühlen, ob der Branchenprimus bereit wäre, Oppenheim mit einem Überbrückungskredit zu stützen.

Fitschen und sein Kollege Stefan Krause (48) hörten sich das Vorbringen an und schrieben wenig später, am 24. Juli, einen Brief. Adressat des siebenseitigen Schreibens war Christophers Onkel Friedrich Carl von Oppenheim (73), der Vorsitzende des Aktionärsausschusses.

"Leider", teilten die Unterzeichner dem "sehr geehrten Freiherrn von Oppenheim" mit, könne man die Kreditfinanzierung nicht zur Verfügung stellen. Als "führende Bank in Deutschland" sei man aber "an dem Erwerb eines solchen Prime Assets wie Sal. Oppenheim interessiert" und in diesem Zusammenhang auch bereit, "kurzfristig eine Kreditlinie in Höhe von einer Milliarde Euro zu gewähren". Bis September 2009 könne der Kaufvertrag ausgehandelt sein, ließen die Herren wissen und endeten verbindlich: "Ihre Deutsche Bank AG".

Ganz klar: Die Frankfurter wollten die superreichen Kunden von Sal. Oppenheim. Das jedoch zu ihren Bedingungen. Den Substanzwert des Hauses, den BNP Paribas auf 700 Millionen Euro taxiert hatte, sah die Deutsche Bank bei null.

Wenige Tage später empfing Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann (63) Krockow und Christopher von Oppenheim in Zürich. Als Vermittler mit dabei war Friedrich Graf von Hoyos (66), ein früherer Deutschbanker, den Ullmann als Berater eingeschaltet hatte. Beim Essen im Nobelhotel warb Ackermann für die Übernahme. Der Kaufpreis, versicherte er wortreich, werde 1,5 Milliarden Euro nicht unterschreiten. Diese Zahl erfreute die Vertreter der Oppenheim-Aktionäre, denn die hatten als Eignerkonsortium rund eine Milliarde Euro Schulden angehäuft, um ihre Bank zu stützen. So würde nach Tilgung der Kredite noch für alle etwas übrig bleiben.

Das Angebot der Deutschen Bank

Auch die Eigenständigkeit der Bank wollte Ackermann erhalten, zumindest für eine Übergangsfrist. Allerdings müsse der Kauf möglichst rasch vollzogen werden, um weitere Unruhe unter den Kunden zu vermeiden.

Am 5. August versammelten sich die Oppenheim-Eigner in der Luxemburger Zentrale, um den Verkauf ihres Bankhauses zu beschließen. In "Beerdigungsstimmung" (Sitzungsleiter Friedrich Carl von Oppenheim) lauschten sie den Ausführungen von Krockow und Janssen, die für das Angebot der Deutschen Bank warben. Eine bessere Offerte, warnte Gastredner Hoyos, sei nicht zu erwarten.

Die Institutsleiter mussten sich von den Eignern allerhand anhören. In Anspielung auf das Unrecht, das die Bank mit dem jüdischen Namen im Dritten Reich ertragen musste, empörte sich Christophers Tante Gisela ("Puppa") von Sanden (74): "Was die Nazis in zwölf Jahren nicht geschafft haben, ist euch in sechs Jahren gelungen."

Die von der BaFin beauftragte Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte hatte zwischenzeitlich allerlei Erschreckendes zutage gefördert. Die Arcandor-Risiken in den Büchern von Sal. Oppenheim summierten sich im Sommer 2009 auf gut 1,3 Milliarden Euro, stellten die Prüfer fest. Durch die Millionenkredite an die Bankpartner könnten zudem gesetzliche Bestimmungen zum Kapitalerhalt der Bank verletzt worden sein. Auch reichten die bisherigen Wertberichtigungen nicht aus. Die Bank müsse mindestens weitere 250 Millionen Euro abschreiben.

Am Ende blieb den Gesellschaftern keine andere Wahl, als die von der Deutschen Bank diktierten Bedingungen zu akzeptieren. Der rund 40 Seiten starke, mit zwei Dutzend Anlagen versehene Kaufvertrag, dem die Eigner Ende Oktober zustimmten, glich eher einer Kapitulation als einem Geschäft unter Gleichen.

Vom Kaufpreis, letztlich nur 1,26 Milliarden Euro, sollten die Alteigner gerade mal 30 Millionen Euro erhalten. Der Rest würde völlig aufgezehrt, um die Schulden des Eignerkonsortiums abzutragen - die aber nichts mit den Privatkrediten der Führungscrew zu tun haben.

Die Folgen der Beinahepleite

VI. Die Folgen der Beinahepleite

Für die Deutsche Bank wurde die Übernahme des Kölner Bankhauses trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein teures Unterfangen. Auf annähernd drei Milliarden Euro addieren sich der Kaufpreis und die Verluste aus den Jahren 2009 und 2010.

Hinzu kommt der Ärger mit der Hinterlassenschaft des Josef Esch. Gut 70 geschlossene Immobilienfonds hatte die Bank mit dem ehemaligen Maurerpolier aufgelegt. Viele laufen gut, aber eine ganze Reihe bescheren ihren Zeichnern nur Ärger und Verluste. Und diese Anleger sind zumeist reiche Oppenheim-Kunden - eine Klientel, die die Deutsche Bank ungern verärgern will.

Eigentlich kann es sich der neue Oppenheim-Primus von Haller nicht leisten, die Investoren alleinzulassen - zumal die Bank ihren Kunden viele Anlagen mitfinanziert hat, wie etwa den Middelhoffs. Auch im Bankportfolio liegen Esch-Fonds-Anteile, die 2009 auf gut 300 Millionen Euro taxiert worden waren. Nun erteilte das Geldhaus den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young das Mandat, das Esch-Erbe abzuarbeiten.

Angst um die Strahlkraft der einst elitären Marke Sal. Oppenheim

Bei einigen Objekten, etwa dem Veranstaltungsdom LanxessArena in Köln, gibt es erste Erfolge. Die Betreiberfirma, im Besitz der Bank und einer Gruppe um Krockow, steht kurz vor dem Verkauf; auch dank eines lukrativen Mietvertrags mit der Stadt beschert die Immobilie ihren 76 Eigentümern passable Renditen.

Andere Esch-Projekte stehen deutlich schlechter da. Beim Medienpark im Kölner Außenbezirk Ossendorf etwa dürfte das investierte Geld weitgehend verloren sein.

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Sal. Oppenheim: Neue Dokumente im Bankenskandal

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Von Haller verbreitet derweil unverdrossen Optimismus. Die Entwicklung der Bank sei besser als der erwartete Best Case, vertraute er kürzlich der "Börsen-Zeitung" an. So sei das verwaltete Vermögen 2010 um eine Milliarde Euro gestiegen. Tatsächlich, vermuten Branchenkenner, dürfte es sich dabei auch um Gelder aus der Einflusssphäre der Deutschen Bank handeln, die zu Oppenheim verschoben wurden - der Optik wegen.

Auf mittlere Sicht wird die Deutsche Bank abwarten, ob die einst elitäre Marke Sal. Oppenheim noch immer genug Strahlkraft hat. "Wenn sich der Ruf als zu stark beschädigt herausstellen sollte, müssen wir die Bank eben integrieren", sagt ein Deutschbanker. Damit wäre auch der Name Sal. Oppenheim getilgt.

Das Schicksal der Alteigner

VII. Das Schicksal der Alteigner

Im Kaufvertrag ist ein Nachschlag für die Alteigner von maximal 476 Millionen Euro vorgesehen. Dieser "Earn-out" wird 2015 fällig, kann aber wegen allerlei Risiken bis auf null reduziert werden - etwa wenn die einstige Führungsschar ihre Privatkredite nicht komplett tilgt.

Die Deutsche Bank möchte das Earn-out-Konto am liebsten vorzeitig schließen, weil am Ende doch nichts übrig bleibe. Von den Altgesellschaftern kam der Gegenvorschlag, die Bank möge wenigstens noch 100 Millionen Euro zahlen.

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Unterdessen fehlt es den für das Desaster Verantwortlichen offenbar weiter an Unrechtsbewusstsein und Realitätssinn. Christopher von Oppenheim macht immer noch die Finanzkrise als Ursache aus, zudem habe man wohl schlecht mit der Deutschen Bank verhandelt. Krockow scheint als Hauptschuldigen den Wertpapierzocker Pfundt zu sehen.

Kleinwagen statt Oberklasselimousine

Der wiederum tritt in Frankfurt so auf, als sei nichts geschehen. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen lässt Pfundt mitteilen, er sei "im Rahmen der Geschäftsverteilung ... mit Sitz in Frankfurt ... ausschließlich für das Investmentbanking verantwortlich" gewesen. Vieles andere habe er erst im Zuge der Prüfungen und Ermittlungen erfahren.

Was die Staatsanwaltschaft nicht davon abhält, Pfundt als persönlich haftenden Gesellschafter vielfach mitverantwortlich zu machen: Denn in der Oppenheim-Führung galt, unabhängig von den Ressorts, das Einstimmigkeitsprinzip.

Längst ist die Krise des Bankhauses bei den Eigentümerfamilien angekommen. Kinder mussten von Privatschulen genommen werden. Statt Oberklasselimousine wird Kleinwagen gefahren.

Ob einige der ehemals Verantwortlichen umziehen müssen - in jenem Sinn, den wohl Oppenheim-Chef von Haller meinte - liegt in den Händen der Justiz.

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