Montag, 23. September 2019

Tatort Potsdam Seegefechte zwischen Geldadel und Kommunalverwaltern

Küstenkrieg in Potsdam: Streit um die Uferwege
TMB / Boettcher

2. Teil: Juristen erleben mit Potsdam goldene Zeiten

"Unprofessionelles Handwerk der Stadt, vornehmlich der Bauverwaltung", so brachte es der Berliner "Tagesspiegel" auf den Punkt, "Versäumnisse und Schlamperei bei Bauplänen, gepaart mit unsensiblem, teils unrechtmäßigem Umgang mit Privateigentum".

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) residiert in einem behäbigen historischen Bau, einen Steinwurf vom alten Zentrum. Der Ostfriese, Jahrgang 1953, Dreitagebart, ist unlängst in einer Stichwahl gegen einen Herausforderer aus der Linken glanzvoll bestätigt worden. Und steuert die Stadt mit einer Kooperation aus SPD, CDU, FDP und Grünen gegen mögliche Zumutungen der starken Linksfraktion. Die Woche zuvor hatte der Haushaltsausschuss des Bundes rund 50 der umstrittenen Ufergrundstücke der Stadt zugesprochen und damit den Weg für den geplanten Uferweg freigemacht. Und so strahlt Jakobs denn zufriedene Gelassenheit aus.

Zumal er sich eins weiß in der Uferwegsfrage mit prominenten Anliegern: Anlieger Volker Schlöndorff demonstriert für den Uferweg. Und Hasso Plattner, der die Churchill-Villa bewohnt, habe gerade eine flammende Rede für freie Uferwege gehalten, erzählt Jakobs.

Und das, obwohl der großzügige Gönner, der mit rund 200 Millionen Euro Potsdam ein renommiertes Software-Institut spendiert hat, 20 Millionen für die Wiederherstellung der Fassade des Stadtschlosses und gerade die Gründung eines Innovationszentrums mit 100 Beschäftigten ankündigte, durchaus ein Leidtragender der Verstrickungen in der Baubehörde ist. Als sich der Segelfreund nämlich ein Bootshaus leisten wollte, erlebte er eine böse Überraschung.

Jakobs windet sich. Er könne ja verstehen, dass Plattner aufgebracht gewesen sei. Aber schließlich sei dessen Nachbar schuld an der verfahrenen Situation, weil der juristisch gegen den Bebauungsplan vorgegangen sei. Dieser wurde gekippt, und damit war auch das geplante Bootshaus perdu. Und nun droht auch Plattner mit Klage. Juristen jedenfalls erleben mit Potsdam goldene Zeiten.

Jakobs ebenso wie sein Parteifreund und Landesvater Matthias Platzeck sind den Gönnern der Stadt durchaus dankbar. Jedem, der es hören möchte, sagen sie, dass Stadt und Land den Initiativen von Plattner, aber auch Jauch und Döpfner viel zu verdanken haben.

Matthias Platzeck hat sein Staatskanzlei-Büro in einer alten Kaserne nahe dem Bahnhof. Gerade kommt er aus einer Pressekonferenz zum neuen Großflughafen Schönefeld, gleich geht es zum nächsten Termin. Der Mann wirkt gehetzt, doch beim Thema Potsdam steigt die Stimmung. "Ich bin hier am Wasser groß geworden", sagt der gebürtige Potsdamer, "mein Elternhaus lag direkt am Tiefensee. Für einen Heranwachsenden kann es nichts Schöneres geben, als hinterm Haus ein Boot zu haben."

Wenn er die rasante Entwicklung seiner Heimatstadt anspricht, klingt Stolz mit, dass er sie auf den richtigen Weg geführt hat. Die klare Fokussierung auf Wissenschaft und Forschung, Medien und IT-Software, anfangs umstritten, habe reiche Früchte getragen. Plattner sei geradezu verliebt in die Stadt, aus Dublin sei Oracle zugezogen, ein renommiertes Klimafolgenforschungsinstitut hat hier seinen Sitz, ebenso wie ein Geoforschungszentrum. Und die Einsatzzentrale der Bundesstreitkräfte.

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