Analyse Was auf die deutsche Wirtschaft zukommt

Die deutsche Industrie ist für die Ära teuren Kapitals schlecht gerüstet. Die Unternehmen haben hohe Schulden aufgetürmt, die bei steigenden Zinsen zum Nachteil im Wettbewerb werden. Geld fließt in die Schwellenländer.
Chemiewerk der BASF in Ludwigshafen: Die deutsche Industrie ist vergleichsweise hoch verschuldet

Chemiewerk der BASF in Ludwigshafen: Die deutsche Industrie ist vergleichsweise hoch verschuldet

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Ausgangslage: Im derzeitigen Aufschwung geht eine Ära zu Ende. Seit Anfang der 80er Jahre hat sich die Wirtschaft an ein üppiges Kapitalangebot gewöhnt: Lange Zeit wurde weltweit relativ viel gespart, während immer weniger Kapital für Investitionen nachgefragt wurde. Nun sagt das McKinsey Global Institute (MGI) in einer Studie, die manager magazin exklusiv vorliegt, einen deutlich engeren Markt voraus. Ein neuer Investitionsboom stehe bevor, vor allem in Emerging Markets wie China; die globale Investitionsquote werde bis 2030 wieder auf das Niveau der 70er Jahre steigen. Entsprechend dürften die Realzinsen anziehen. Das MGI hält einen Anstieg um 1,5 Prozentpunkte für realistisch. Das bedeutet: Selbst für erstklassige Schuldner wie die Bundesrepublik erhöhen sich die Kapitalkosten um rund 50 Prozent. Bei Schuldnern schlechterer Bonität fällt die Belastung noch größer aus.

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Kapital: Anstieg der globalen Nachfrage - und die Folgen

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Folgen: Die deutsche Industrie ist für die neue Welt teureren Kapitals schlecht gerüstet: Die Unternehmen haben hohe Schulden aufgetürmt, die bei steigenden Zinsen zum Nachteil im Wettbewerb werden. Denn auf ausländischen Konkurrenten lasten im Schnitt weniger Schulden. Konkret rechnen die McKinsey-Experten vor: Wenn die Realzinsen um 2 Prozentpunkte steigen, kostet das jeden der zehn größten Industriewerte im Dax durchschnittlich 500 Millionen Euro pro Jahr. Entscheidend für die individuelle Belastung ist die Höhe der Verbindlichkeiten in Relation zum Konzernergebnis. Hoch verschuldete Konzerne wie Daimler oder Heidelberg- Cement könnten in einen Teufelskreis geraten: Der teurere Schuldendienst schmälert die Gewinne, was wiederum die Bonität der Unternehmen verschlechtert und die geforderten Zinsaufschläge erhöht.

Gegenstrategie: Kapitalproduktivität dürfte nach Ansicht von McKinsey zur entscheidenden Steuerungsgröße für Unternehmen werden. Nur wo hohe Renditen winken, lohnen sich künftig noch Investitionen. Solche Projekte werden verstärkt in Schwellenländern angesiedelt sein, wo immer häufiger auch die Kapitalgeber sitzen. Arbeit hingegen wird in Relation zum Kapital billiger - trotz der demografischen Entwicklung.

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