Montag, 17. Juni 2019

Immobilien Das Millionenspiel

Topstandorte: Die deutschen Großstädte im mm-Immobiliencheck
DPA

Inflation, Staatsbankrotte, Bankenkrisen - die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten treiben immer mehr Anleger auf den Häusermarkt. Zinshäuser als sichere Geldanlage sind gefragt wie nie. Das manager-magazin-Ranking zeigt, wo der Einstieg noch lohnt.

Wer an diesem Hamburger Wintertag durch die Glasfassade des Amtsgerichts St. Georg blickt, muss denken, drinnen werde etwas verschenkt. 400 Menschen drängen sich im Foyer zusammen.

Tatsächlich wird es für einen der Versammelten der teuerste Vormittag seines Lebens. Im Eingangsbereich des Gerichts wird ein Mehrfamilienhaus versteigert. Der Auktionator steht oben auf der Treppe, die Bieter unten in der Eingangshalle. Aus Platzmangel - "früher wären hier 20 Leute gewesen", staunt ein Interessent.

Der Gutachter hat das stark sanierungsbedürftige Jugendstilhaus auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Doch der Altbau liegt in der gediegenen Preystraße in Winterhude, in einer der besten Hamburger Wohngegenden unweit der Alster. Als die Auktion nach mehreren Stunden endlich zu Ende geht, erfolgt der Zuschlag bei 2,2 Millionen Euro.

Die blinde Liebe zum schönen Altbau im Modeviertel befällt nicht nur Hamburger. In München geht zur gleichen Zeit bei einer Zwangsversteigerung ein Jugendstilaltbau für einen Preisaufschlag von 60 Prozent auf den Gutachterwert an einen neuen Besitzer.

Die Bieterschlachten an deutschen Amtsgerichten verraten, wo derzeit die größere Rallye tobt: nicht an der Börse, sondern bei Zinshäusern in den besten Wohnvierteln der Großstädte. Während der Dax trotz eindrucksvoller Kursgewinne noch 13 Prozent unter seinem Rekordstand von 2007 dümpelt, haben die Immobilienpreise in den begehrten deutschen Großstädten ihr Vorkrisenniveau längst erreicht.

14 Milliarden Euro haben Investoren vergangenes Jahr in deutsche Mehrfamilienhäuser gesteckt, schätzt das Maklerhaus Engel & Völkers. Das ist fast so viel wie die gesamten Investitionen in Gewerbeimmobilien, also Büros und Einzelhandelsobjekte.

© manager magazin 3/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung