Fotostrecke

Der Geist und die Gründer: Geburtshelfer für bislang 33.600 Unternehmen

Foto: William B. Plowman/ Getty Images

Forschungsmekka MIT Die Innovationsfabrik

Oft kopiert, nie erreicht - das Massachusetts Institute of Technology ist die beste Innovationsfabrik der Welt. Das MIT produziert Nobelpreise und Unternehmen in Serie. Eine Suche nach dem Geheimnis der amerikanischen Hightech-Schule, von der auch deutsche Gründer profitieren können. 

Professor Wai Cheng verschwindet fast hinter seinem Schreibtisch, der überquillt von Entwürfen, Papieren und Familienfotos. Auf der Fensterbank stapeln sich Unterlagen. Altersschwache Regale biegen sich unter der Last von Büchern und Metallteilen. Durch die bröckelnden Fensterrahmen zieht es eisig in den winzigen Raum.

Nicht gerade ein präsentabler Rahmen für einen Spitzenwissenschaftler von internationalem Ruf. Der Hongkong-Chinese, Luft- und Raumfahrtingenieur von Haus aus, forscht für Ford  und General Motors , Volkswagen  und Daimler , Renault  und Ferrari; Autokonzerne finanzieren 80 Prozent seiner Projekte zu Einspritzpumpen und Schmiersystemen. BMW  bat ihn kürzlich um einen Auftritt im aktuellen PR-Film des Konzerns.

Cheng ist Direktor des Sloan Auto Lab, des Zentrums für Fahrzeugentwicklung am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Beispielhaft steht er für das, was die berühmteste technische Hochschule der Welt ausmacht: die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher Verwertung der Erkenntnisse.

Auf dem Campus in Cambridge, gleich neben der Millionenmetropole Boston gelegen, erdachten Wissenschaftler Anfang des 20. Jahrhunderts die Methoden zur Herstellung von Benzin und Farbfilmen. Es waren MIT-Forscher, die während des Zweiten Weltkriegs das Radar erfanden und später für die Nasa Raumfahrttechnik entwickelten. Die Ursprünge des World Wide Web reichen ins MIT zurück. Und auch das erste gentechnisch erzeugte Medikament gegen Brustkrebs wurde in Cambridge entwickelt.

76 MIT-Wissenschaftler erhielten bisher für ihre Arbeiten Nobelpreise. Doch die akademische Spitzenklasse allein erklärt nicht, warum die amerikanische Technikhochschule Forschern in aller Welt zum Vorbild gereicht.

MIT-Ausgründungen beschäftigen mehr als 3 Millionen Mitarbeiter

Wissenschaftlich sei das Karlsruher Institut für Technologie "in vielen Bereichen vergleichbar wettbewerbsfähig", erklärt dessen Präsident Eberhard Umbach, der sich sogar bei der Namensgebung KIT an das amerikanische Modell anlehnte. Was hierzulande Forscher, Politiker und Manager bewundernd - und ein wenig neidvoll - auf die US-Universität blicken lässt, ist deren enorme wirtschaftliche Innovationskraft.

MIT-Mitarbeiter und Studenten gründeten bislang rund 25.800 Unternehmen, die bis heute aktiv sind, wie Ökonomen der angegliederten Sloan School of Management in einer Umfrage unter ehemaligen MITlern ermittelten. Dabei zählten sie ausschließlich Firmen mit, deren Gründer noch leben - von verstorbenen MIT-Alumni initiierte Industriegiganten wie McDonnell Douglas oder Intel  tauchen in ihrer Statistik gar nicht auf.

Die erfassten Unternehmen beschäftigten bei der Erhebung 2009 rund 3,3 Millionen Mitarbeiter, die weltweit etwa zwei Billionen Dollar umsetzten.

"Mit ihrer ökonomischen Kraft entsprechen diese Firmen der elftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt", rechnet MIT-Präsidentin Susan Hockfield mit erkennbarem Stolz vor. Nach dem Geheimrezept für die beeindruckende Bilanz gefragt, versucht die Neurologin eine historische Erklärung: "Wir wurden vor 150 Jahren einzig zum Zweck gegründet, die Industrialisierung Amerikas zu beschleunigen." Seither sei der Technologietransfer "Kern unserer Mission".

Mens et Manus - Hirn und Hand - sollen dem Unimotto folgend gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Lässt sich daraus eine Gebrauchsanleitung destillieren, um auch anderswo die Erkenntnisse der Grundlagenforschung effektiver in gesellschaftlichen und ökonomischen Nutzen zu überführen?

Eine simple Erklärung für den Erfolg der Innovationsfabrik MIT drängt sich beim Besuch in Boston nicht auf. Das Denkerdreieck zwischen Charles River, Massachusetts Avenue und Main Street wirkt wie eine gewöhnliche Campus-Universität - und heruntergekommener als das nahe Harvard-Gelände mit seinen historischen Backsteingebäuden.

Gegenüber der Bostoner Innenstadt gruppiert sich in einem ehemaligen Industriegebiet ein grau-beigefarbenes Sammelsurium mehr oder minder hässlicher Gebäude um die zentrale Kuppel. Dazwischen eingekeilt finden sich einige architektonische Juwelen wie das Stata-Gebäude von Frank Gehry oder der neue Glaspalast des MediaLab - Beton gewordene Spenden reicher Gönner.

Kreative Wege gehen und nicht nur Details verbessern

Viele der gut 1000 MIT-Professoren hausen jedoch wie Cheng in abgewirtschafteten Räumlichkeiten, oft alte Fabriken mit rostigen Armaturen und feuchten Kellern. Die Unizeitung "The Tech" beklagt denn auch einen Renovierungsstau von alarmierenden 2,1 Milliarden Dollar an der Vorzeigehochschule.

Doch so richtig stören die desolaten Umstände offenbar niemanden. Konstrukteur Cheng jedenfalls führt gut gelaunt sein Labor vor, das an eine Autowerkstatt aus den 50er Jahren erinnert. Auf antiken hölzernen Werkbänken stehen Hightech-Geräte, gedämmt mit verknitterter Alufolie. "Das Unperfekte regt zum Improvisieren an. So entstehen die besten Ideen", sagt Cheng.

Kreative Wege gehen und nicht nur Details verbessern - so beschreiben die MIT-Mitarbeiter ihre Arbeitsweise. Jeder wiederholt wie ein gut eingeübtes Mantra den Leitsatz: Wir suchen nach Lösungen für die Probleme der Menschheit.

Das Weltverbesserungspathos mag typisch amerikanisch anmuten. Aber es hat seine Berechtigung. Weder die selbstbestimmte privatwirtschaftliche Organisationsform noch das dank Spenden und industrieller Unterstützung auf 2,4 Milliarden Dollar aufgepumpte Jahresbudget sind dabei - wiewohl wichtig - entscheidend. Das Erfolgskonzept, das akademische Fortschritte in ökonomischen und sozialen Mehrwert ummünzt, besteht aus vier Faktoren:

  • Interdisziplinarität: MIT-Wissenschaftler arbeiten fachübergreifend an komplexen Herausforderungen.
  • Offenheit: Sie geben ihre Erkenntnisse gern auch an ein breites Publikum weiter und kooperieren eng mit Industrie und öffentlichen Institutionen.
  • Unternehmergeist: Forschungsergebnisse für die Gründung einer Firma zu nutzen ist nicht nur erlaubt, sondern hocherwünscht.
  • Partnerschaft: Die Kommerzialisierung der Ergebnisse wird durch ein Umfeld aus Geldgebern und Beratern beschleunigt.

Wie die MIT-typische Praxisorientierung funktioniert, lässt sich am Koch-Institut für integrierte Krebsforschung beobachten. Während Arbeiter noch Designersofas in das brandneue Gebäude schleppen, rattern in den Laboren schon die Gensequenzierer.

Kultur der fächerübergreifenden Kooperation

"Unsere Bioinformatiker haben die Kosten für die DNA-Analyse bei Krebszellen bereits um den Faktor vier gesenkt", preist Institutsdirektor Robert Urban deren Leistungsfähigkeit: "Schon in einem Jahr werden wir für ein paar hundert Dollar feststellen können, welche Genmutation hinter einem Krebs steckt." Den jeweils speziellen Auslöser der Zellentartung könnten Ärzte dann gezielt bekämpfen, statt wie bisher mit Chemotherapie alle schnell wachsenden Zellen des Patienten zu zerstören.

Die raschen Fortschritte seines Instituts bei der Entwicklung individueller Krebstherapien führt Urban auf die einzigartige Zusammensetzung des Forscherteams zurück: "Hier arbeiten nicht wie üblich nur Mediziner und Molekularbiologen zusammen, sondern auch Elektrotechniker und Informatiker." Rund die Hälfte der 500 Mitarbeiter und Studenten seien Ingenieure - Leute, die nicht nur theoretische Fragen beantworten, sondern auch praktische Lösungen entwickeln wollten. Wie die Programmierer, die an immer effizienteren Algorithmen für die Genanalysen feilen.

Die Kultur der fächerübergreifenden Kooperation findet sich in vielen MIT-Laboren wieder. Zum Beispiel im Senseable City Lab: Unter Leitung von Professor Carlo Ratti, einem Architekten und Ingenieur aus Turin, erkunden 35 Doktoranden und Habilitanden aus zehn Disziplinen die Zukunft der urbanen Welt. Sie basteln an Konzepten für eine Vernetzung der städtischen Infrastruktur - und an einem schicken weißen Fahrrad.

Den eleganten Renner ziert am Hinterrad eine flache rote Trommel, die einen Elektromotor, Sensoren und einen Internetanschluss enthält. Das "Kopenhagen-Rad" - es debütierte während des Klimagipfels in der dänischen Hauptstadt - vergrößert die Reichweite seines Nutzers und misst dabei beispielsweise die Luftqualität. Das Rad sei ein Multifunktionsgerät, schwärmt Ratti. "Damit können Sie einen Trainingsplan erstellen, eine Flotte von Kurieren dirigieren oder vor Smog warnen."

Das Prinzip der Offenheit: 2000 Lehrprogramme kostenlos online

Mit solchen Gefährten will der Italiener künftig Stadtbewohner zum Verzicht aufs Autofahren bewegen. Und damit wirklich jeder Bürgermeister, den er für seine Vision der Radlerstadt begeistern will, das Prinzip versteht, hat er einen professionell geschnittenen Infofilm über das Projekt ins Web gestellt.

Darum geht es den MITlern: Erkenntnisse nicht nur den Forscherkollegen, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit leicht verständlich mitzuteilen. "Wir sind dazu verpflichtet, unsere Erkenntnisse an die Gesellschaft weiterzugeben", findet der MIT-Wirtschaftsprofessor Eric von Hippel. Es ist einer der wichtigsten Grundsätze der Hochschule.

Jeder soll von den Forschungsarbeiten profitieren können, egal ob Studenten im ersten Semester, Firmenvertreter, Politiker oder Teilnehmer wissenschaftlicher Symposien. So können, ja sollen die Studierenden ab ihrem ersten Tag am MIT an hochkarätigen Forschungsprojekten teilnehmen. Sie werden voll ins Team einbezogen, und selbst Nobelpreisträger legen Wert auf ihren frischen Blick.

Das MIT offeriert fast alle Kurse kostenlos online. 2000 Lehrprogramme können sich Interessierte unter dem Stichwort OpenCourseWare im Internet herunterladen. Und die enzyklopädische Website mit.edu informiert umfänglich über sämtliche Aktivitäten.

Selbstverständlich hält die Hochschule auch engen Kontakt zu ihren Ehemaligen - darunter sechs aktuell amtierende US-Notenbanker, Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Spitzenarchitekt I. M. Pei oder Webguru Nicholas Negroponte. 124.000 MIT-Absolventen in aller Welt erhalten die Hauszeitschrift "Technology Review" und werden mit Millionenaufwand von der Alumni-Organisation betreut. So bleiben sie - häufig längst in Führungspositionen - ihrer Alma Mater stets verbunden. Siemens-Japan-Chef Junichi Obata etwa fühlt sich "stolz, zum Kreis der Ehemaligen zu zählen". Und Fresenius-Medical-Care-CEO Ben Lipps sagt, es nutze ihm noch heute, dass er am MIT gelernt habe, "Probleme mit Technologie zu lösen".

Eng geknüpftes Alumni-Netwerk

Das eng geknüpfte Alumni-Netzwerk soll allen Beteiligten zum Vorteil gereichen. Die Hochschule nutzt die direkten Kontakte zu Industrie und Politik, um ihre Forschungsarbeit zu vermarkten. Unternehmen und öffentliche Institutionen greifen unbürokratisch auf den neuesten Stand der Technik zu.

"Freie Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse zahlt sich aus", sagt von Hippel, der an der MIT Sloan School of Management Innovationsmanagement unterrichtet. Seine laufende empirische Studie indiziere klar, dass offene Innovation "deutlich höher rentiere als Geheimhaltung von Erfindungen".

Das Prinzip der Offenheit auf die Spitze treibt das MediaLab. Jedermann kann ungehindert durch die Glaswände des transparenten Gebäudes in die Labore blicken, in denen neue Verbindungen zwischen Mensch und Cyberspace geknüpft werden. Da wackelt ein Roboter fröhlich mit seinem leuchtenden Dreieckskopf. Maschinen spielen Billard. Schrifttafeln erklären die Prototypen. Monitore zeigen viele der Erfindungen in Aktion. Das "sprichwörtliche Portemonnaie" etwa lässt sich schwerer öffnen, wenn der Kontostand - den es per Internet abfragt - Richtung null tendiert.

Finanziert werden die "Spielereien einer eklektischen Truppe Verrückter", wie Laborleiter Andrew Lippman die 200 Studenten und Forscher nennt, durch Mitgliedschaften. Gut 60 Firmen zahlen eine Jahresgebühr und können dafür alle Ideen aus dem Labor nutzen. Daraus ergeben sich zuweilen interessante Querverwertungen: Honda nahm die Sensortechnik, mit der im MediaLab ein elektronisches Cello spielte, und baute sie in Autositze ein. Die erkennen nun sensibel, ob darauf eine Handtasche oder ein Mitfahrer thront.

Kein Wunder also, dass sich rund um den Campus viele Konzerne angesiedelt haben, die sich von der Kreativität der MITler inspirieren lassen wollen. Von Bayer über Microsoft bis Siemens unterhalten globale Unternehmen hier Vertretungen, unterstützt von einer eigens geschaffenen Abteilung für Industriebeziehungen.

Bescheidene Ansätze auch in Deutschland

Von seinem Büro aus blickt Michael Cima direkt auf zwei Bürohäuser, die Novartis  mit einer 1500 Mann starken Entwicklertruppe okkupiert. Etliche davon seien Scouts, erzählt der Professor für Elektrotechnik: "Die suchen nach Übernahmekandidaten - kleinen Firmen mit innovativen Produkten."

Klar, auch Cima hat eine Firma gegründet: Taris Biomedical heißt sie. Das Start-up arbeitet an einer neuen Methode zur Behandlung von Entzündungen der Harnblase ("Cystitis"). Cima hat ein Silikonröhrchen entwickelt, das mit dem Medikament Lidocain gefüllt ist und in die Blase des Patienten eingeführt wird. Dort verformt sich der Schlauch zu einer Art Brezel, die nicht durch die Harnröhre entweichen kann, und gibt langsam über Wochen das Heilmittel ab. Dadurch müssen dem Kranken nicht mehr wie bisher mehrfach auf schmerzhafte Weise hohe Dosen per Katheter verabreicht werden - eine enorme Erleichterung für die rund 500.000 Amerikaner, die eine chronische Blasenentzündung quält.

Die Medizintechnikfirma ist bereits Cimas fünftes Unternehmen. Wie so viele seiner Kollegen gründet der Ingenieur in Serie. "Man kann gar nicht anders - am MIT liegen die Geschäftsideen auf der Straße", erzählt der leidenschaftliche Tüftler. Ob in der Cafeteria, beim Lunch oder auf der Cocktailparty, jeder spreche ständig von seinen Plänen: "Es gehört fast zum guten Ton, nicht nur Forscher, sondern auch Unternehmer zu sein."

Der Gründergeist gilt am MIT nicht nur als begrüßenswert - die Institutsleitung fördert ihn seit Jahrzehnten massiv. So stellt etwa der Arbeitsvertrag Cima offiziell einen Tag pro Woche für andere Tätigkeiten frei - für Beraterjobs oder eben für das Management eines Startups. Während zweier Sabbaticals hat er bereits jeweils ein Unternehmen bis zur Verkaufsreife geführt.

Risikokapitalgeber entlang der Route 128

Doch auch schon vor der Firmengründung unterstützt eine ganze Reihe von Einrichtungen am Unternehmerdasein interessierte Fakultätsmitglieder und Studenten. Die (unvollständige) Liste reicht vom mit 100.000 Dollar dotierten Businessplan-Wettbewerb der Studentenschaft über das universitätseigene Gründerzentrum bis zum Deshpande Center für technische Innovation. An jedem Schwarzen Brett im "unendlichen Korridor", der die Hauptgebäude verbindet, hängen mindestens zwei Zettel, die für die laufende Woche einen Gründerkurs offerieren oder zu einem Treffen mit potenziellen Geldgebern einladen.

"Am MIT wird es einem sehr leicht gemacht, ein Unternehmen zu starten", lobt Marin Solja¿ci'c die Unterstützung durch die Universität. Der Physiker kommerzialisiert mit seiner Firma Witricity ein von seiner Arbeitsgruppe entwickeltes System zur drahtlosen Energieübertragung. Allerdings wäre das MIT ohne die Start-up-freundliche Infrastruktur drumherum kaum so erfolgreich: "In Boston besteht ein nahezu einmaliges Ökosystem für junge Unternehmen."

1946 gründete Managementprofessor George Doriot mithilfe des MIT das erste private Risikokapitalunternehmen der Welt. Seine American Research Development Corporation landete mit der Finanzierung von Digital-Equipment einen Riesenerfolg und inspirierte den Aufbau eines auf die Bedürfnisse von Start-ups ausgerichteten Firmennetzwerks.

Entlang der Route 128 siedelten sich über die Jahrzehnte reihenweise Venture-Capital-Geber, auf Gründungsphasen spezialisierte Manager und Dienstleister an, die Services von der Rechts- und Steuerberatung bis hin zur Personalsuche offerieren.

Daphne Zohar zum Beispiel verbringt die Mittagszeit meist im Restaurant "Legal Sea Foods" an der Main Street - schräg gegenüber vom Koch-Institut. Bei Clam Chowder und Hummerbrötchen diskutiert die Gründerin von Pure Tech Ventures mit Biologen und Medizinern über deren Arbeiten und fahndet dabei nach Ansatzpunkten für eine kommerzielle Verwertung.

"Wir überbrücken die Lücke zwischen Theorie und Praxis", beschreibt sie das Angebot ihrer Firma. Gemeinsam mit den Forschern identifiziert sie die vielversprechendste Idee, entwirft und realisiert die klinischen Tests, kümmert sich um Lizenzen und Patente, sucht Mitarbeiter und Industriepartner. "Wir erschaffen Unternehmen", schmettert die dynamische Managerin ihren Firmenslogan. Bereits fünfmal sei ihr der Schöpfungsakt seit 2002 gelungen.

Rundumservice für Gründer, praxisorientierte Forscherkultur und ein lebendiger Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft - bessere Bedingungen für den Technologietransfer als am MIT finden sich wohl an keiner anderen Universität. Doch das Erfolgsrezept des MIT wirkt auch anderswo. Etwa im kalifornischen Stanford, wo seit den 80er Jahren rund um die Uni das inzwischen legendäre Silicon Valley erblühte.

Auch in Deutschland gibt es einige erfolgversprechende Standorte - am KIT etwa, rund um die TU München oder im Technologiepark Adlershof in Berlin. Hoffnungsvolle, aber - verglichen mit dem US-Original - noch ziemlich bescheidene Ansätze.

Mehr lesen über