Montag, 9. Dezember 2019

Internet Die Murks-Brothers

Internet: Die Geschäftspartner der Samwer-Brüder
Dieter Mayr

5. Teil: "Keinesfalls etwas von ihnen kaufen"

Um dennoch schon mal loslegen zu können, sollen die Strüngmanns vorab zehn Millionen Euro für Investments in verschiedene Firmen überwiesen haben, darunter explizit auch das Portal StudiVZ. Doch kurz bevor StudiVZ mit sattem Gewinn an die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft wurde, überwiesen die Samwers den Strüngmanns die zehn Millionen zurück: Man brauche das Geld doch nicht. Die Zwillinge gingen leer aus. Sie mögen zu dem Fall keine Stellung nehmen. Oliver Samwer bestätigt lediglich, dass gemeinsame Investitionen mit den Strüngmanns geplant gewesen seien, man jedoch keine Einigung habe erzielen können.

Besonders gern gesehen sind bei den Samwers Anleger, die wenig Mitspracherecht verlangen und am besten obendrein eine gute Portion Unerfahrenheit im Internetsektor mitbringen. Deutsche Medienunternehmer auf der Suche nach neuen digitalen Geschäftsfeldern fallen häufig in diese Kategorie. Allerdings machen diese Ko-Investoren dann nicht immer die besten Erfahrungen. So musste der DuMont-Ableger DuMont-Venture seine Beteiligung an Beautydeal abschreiben, einem von den Samwers initiierten Kosmetik-Internetdiscounter.

Nicht nur als Finanziers sind die ob der digitalen Revolution verunsicherten Zeitungs- und Fernsehmacher beliebt - sondern auch als Exit-Kanal. Auffällig viele Beteiligungen, die die Samwers abgaben, offenbarten ihre Baufälligkeit kurz nachdem sie von Medienkonzernen übernommen worden waren.

Dem Klingeltonversand Jamba kam mit dem Trend zu internetfähigen Smartphones das Geschäftsmodell abhanden. Die Folge: Abschreibungen und Massenentlassungen. Inzwischen gehört die Firma einem US-Finanzinvestor.

An ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen verkauften die Samwers zwischen 2006 und 2008 die Mehrheit an der Online-Community Lokalisten.de. Kaum war der Kaufpreis überwiesen, begannen die Lokalisten gegenüber Wettbewerbern an Boden zu verlieren.

Ihr Meisterstück aber lieferten die Samwers beim Verkauf der Online-Community StudiVZ ab. Geschickt nutzten sie das schmale Zeitfenster, in dem StudiVZ in Deutschland Marktführer war. Sie traten einen Bieterkrieg zwischen Stefan von Holtzbrinck und Springer-Chef Mathias Döpfner los. Bei 85 Millionen Euro Kaufpreis stieg Döpfner aus - zu seinem Glück. StudiVZ brachte seinem neuen Eigentümer bislang wenig mehr ein als eine Plagiatsklage von Facebook, die Holtzbrinck (und nicht etwa die Samwers) per Vergleich abbiegen musste.

"Wahrscheinlich ist es manchmal clever, mit den Samwers gemeinsam irgendwo einzusteigen - aber keinesfalls, etwas von ihnen zu kaufen. Denn die Preise, die sie verlangen, haben sich oft als vollkommen überhöht erwiesen", sagt ein hochrangiger Springer-Manager, dem die Nahtod-Erfahrung bei der StudiVZ-Auktion noch in den Knochen steckt.

Selbst wer wie Stefan von Holtzbrinck schon viele Geschäfte mit den Samwers gemacht hat, kann nicht auf Rücksichtnahme der Internetpaten bauen. Als wollten sie den neuen StudiVZ-Eigentümer auch noch verhöhnen, stiegen die Samwers Anfang 2008 bei Facebook ein und kündigten an, beim StudiVZ-Konkurrenten künftig die Europa-Expansion vorantreiben zu wollen. Wobei das Wissen um die StudiVZ-Interna nicht geschadet haben dürfte. "Facebook ist StudiVZ um Lichtjahre voraus", trat Alexander Samwer in einem seiner seltenen Interviews nach.

Ähnlich dreist: 2008 stiegen die Samwers mit einer rund 5-prozentigen Beteiligung beim finanziell erfolgreichsten Online-Ableger von Holtzbrinck ein, der renditestarken Premiumpartnerbörse Parship. Auf diese Weise bekamen die Brüder Einblick in die Details des Parship-Geschäftsmodells.

Wenig später gründeten sie dann mit eDarling einen direkten Wettbewerber zu Parship. Dank massiver Fernsehwerbung wuchs eDarling sehr schnell, etwa ein Jahr nach der Gründung verkauften die Samwers einen 30-Prozent-Anteil an das US-Vorbild eHarmony. Bei Parship herrschte Fassungslosigkeit, dass Stefan von Holtzbrinck die Samwers nicht nur gewähren ließ, sondern obendrein über seine Tochter Holtzbrinck Ventures selbst bei eDarling einstieg. Motto: Wenn mir die Samwers schon mein eigenes Geschäft wegnehmen, will ich dabei wenigstens mitverdienen.

© manager magazin 3/2011
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