Donnerstag, 5. Dezember 2019

Internet Die Murks-Brothers

Internet: Die Geschäftspartner der Samwer-Brüder
Dieter Mayr

3. Teil: "Die Grenzen der kaufmännischen Fairness überschritten"

Die Idee entpuppte sich als extrem lukrativ und wurde entsprechend schnell kopiert. Bis zu zehn Groupon-Klone allein in Deutschland zählte das Online-Magazin "Gründerszene" Anfang 2010.

Citydeal drohte ins Hintertreffen zu geraten, vor allem gegenüber dem Wettbewerber Dailydeal. Als Dailydeal dann angeblich noch ein Übernahmeangebot von Citydeal ausschlug, zog Oliver Samwer die Zügel an. Das müsse hier alles viel schneller gehen, soll er immer wieder die Telefonverkäufer angeherrscht haben, die vor allem Restaurants und Einzelhändlern die Gutscheindeals aufschwatzen sollten. So erinnern sich zumindest ehemalige Citydeal-Mitarbeiter.

Kurz bevor ihnen die ersten Firmenanteile zugewachsen wären, wurden Jost und Schwarzmeier Anfang 2010 als Geschäftsführer entlassen. Wenig später, berichtet Dailydeal-Gründer Fabian Heilemann, hätten nahezu alle Mitarbeiter von Dailydeal, die in Online-Netzwerken wie Xing vertreten waren, Jobangebote von Citydeal erhalten, verbunden mit der Aussicht auf Beförderung und deutliche Gehaltssteigerung. Eine ganze Reihe von Dailydeal-Mitarbeitern ging auf das verlockende Angebot ein. So konnte Citydeal schneller wachsen - und schwächte zugleich seinen wichtigsten Wettbewerber. Citydeal verweist darauf, dass sich die wechselseitigen Abwerbungen im branchenüblichen Rahmen bewegt hätten.

Bis auf 600 Mitarbeiter wurde Citydeal binnen weniger Monate in den Märkten Deutschland, Frankreich und Großbritannien aufgestockt, zwölf Millionen Euro Startkapital pumpten die Samwers in ihr Projekt. Zum Vergleich: US-Vorbild Groupon hatte zum gleichen Zeitpunkt gerade mal 300 Mitarbeiter.

Die rasante Expansion erreichte ihr Ziel. Im Mai 2010 machte Groupon dem neuen Marktführer Citydeal ein Übernahmeangebot, im Gegenzug erhielten die Citydeal-Eigentümer Anteile an Groupon. Auf die Samwers entfielen dabei Investorenkreisen zufolge 10 Prozent von Groupon, derzeitiger außerbörslicher Marktwert: rund eine Milliarde Euro. Glückt jetzt noch der Exit, dürften die Samwers ihren Kapitaleinsatz mehr als verhundertfacht haben.

Jost und Schwarzmeier gingen hingegen leer aus. Und kaum war die Übernahme abgeschlossen, begannen bei Citydeal die Entlassungen. Rechtlich kein Problem: Die meisten Neuzugänge waren ja noch in der Probezeit. Insgesamt mussten angeblich 70 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, der neue Geschäftsführer Daniel Glasner spricht von "weniger als 4 Prozent" der Belegschaft und "ausschließlich leistungsbezogenen Kündigungen".

Dailydeal-Chef Heilemann meint hingegen: "Die Grenzen der kaufmännischen Fairness und dessen, was man als Arbeitgeber verantworten kann, hat Citydeal im Wettbewerb mit uns deutlich überschritten."

Im Münchener "Charles"-Hotel schüttelt Oliver Samwer angesichts solcher Anschuldigungen verständnislos den Kopf: "Es gibt leider von Zeit zu Zeit Fälle, in denen Führungspersonen den Anforderungen an eine erfolgreiche Unternehmensgründung nicht gerecht werden."

Fest steht: Die Samwers spielen in einer anderen Liga als die übrige deutsche Start-up- und Wagniskapitalszene. Sie haben mehr Geld, mehr Ressourcen, mehr Tempo, mehr Biss. Dementsprechend steht jede Kritik am samwerschen Geschäftsgebaren unter Neidverdacht. Auch wer einen fairen Zweikampf verliert, reklamiert ja gern Foulspiel.

Doch es gibt offenbar auch Regelverstöße im Samwer-Imperium, die zu eindeutig sind, als dass man sie als bloße Gerüchte abtun könnte, gestreut von neidischer Konkurrenz.

© manager magazin 3/2011
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