Sonntag, 21. Juli 2019

Druckindustrie Von der Rolle

Anpassungsprobleme: Deutsche Druckmaschinen sind immer weniger gefragt

4. Teil: Reste der Branche werden vernascht

Heideldruck-Aufsichtsratschef Mark Wössner etwa soll zuweilen kundtun, er sei letztlich froh über das Scheitern des Bündnisses mit Manroland. Ansonsten wäre Heideldruck womöglich in die Korruptionsfälle bei Manroland hineingezogen worden. Finkbeiner hatte im September berichtet, die interne Revision habe Unregelmäßigkeiten bei Provisionszahlungen in Indien festgestellt.

Dabei schien die Einigung zwischen Heideldruck und Manroland Ende vergangenen Jahres tatsächlich zum Greifen nahe. Wichtige Positionen des Gemeinschaftsunternehmens waren bereits besetzt. Schreier wäre Vorstandschef geworden, Finkbeiner sein Vize. Als Finanzchef hätte man einen Mann von außen geholt. Als möglicher Aufsichtsrat war der ehemalige Heideldruck-Finanzchef Herbert Meyer angesprochen worden. Selbst mit IG-Metall-Chef Berthold Huber bestand Einvernehmen über die notwendigen Anpassungen.

Das Projekt (Code-Name "Chemie") floppte dennoch. Die Verantwortung trägt letztlich wohl die Allianz Börsen-Chart zeigen. "Die hatten den Schlüssel in der Hand", sagt ein ranghoher Beteiligter. Der Versicherungskonzern hält nicht nur die Mehrheit an Manroland, er ist auch Großaktionär bei Heideldruck.

Möglicherweise haben sich Allianz-Finanzchef Paul Achleitner und der damalige ACP-Chef Thomas Pütter in der Führung des Versicherungskonzerns nicht richtig durchsetzen können. Dort sorgte man sich womöglich, die Bundesregierung hätte im Falle der Fusion die Staatsgarantien für Heideldruck verweigern können. Die Allianz selbst hätte dann einspringen müssen.

Aus und vorbei - jetzt muss jeder der drei allein sein Heil suchen.

Besonders heikel ist die Aufgabe für Manroland-Mann Finkbeiner. Im Frühjahr ist ihm ein weiterer möglicher Befreiungsschlag misslungen: Die Übernahme des Schweizer Konkurrenten Wifag. Vor allem dessen Servicegeschäft hätte Manroland nach vorn gebracht. Das Vorhaben missglückte wegen Bestandsgarantien für die Mitarbeiter in der Schweizer Produktion, die die Gegenseite forderte.

Nun will Finkbeiner seine Firma radikal verkleinern. Dazu hat er sich vor einem halben Jahr - ohne dass es die Öffentlichkeit mitbekommen hätte - den ehemaligen MAN-Vorstand und Chef der Lkw-Sparte Anton Weinmann (54) als Berater an die Seite geholt. IG-Metaller sind schon in Position gegangen, sprechen von drohenden "Enthauptungen".

Um dennoch die Aussicht auf Wachstum zu haben, will Finkbeiner mit der Canon-Tochter Océ kooperieren. Océ hat zwar ebenfalls eine harte Krise durchlitten, könnte aber gemeinsam mit Manroland digitale Druckmaschinen entwickeln und vermarkten.

Einen solchen Digitaldruckpartner kann Branchenkollege Schreier hingegen noch nicht aufbieten. Erst Ende März will er so weit sein. Zurzeit prüft er unter anderem eine Kooperation mit Konica- Minolta. Ebenso wichtig ist aber wohl weiteres Sparen. Zwar sagt Schreier, der Personalabbau sei abgeschlossen; 4500 Stellen hat er in den vergangenen zweieinhalb Jahren gestrichen. Doch meinen Experten, das Unternehmen habe immer noch deutlich zu viele Beschäftigte an Bord.

Schreier & Co. müssen sich jetzt sputen. Das kommende Jahr dürfte ihr Schicksalsjahr werden.

2012 läuft die Staatsgarantie für Heideldruck aus. Außerdem enden die Vorstandsverträge von Schreier und Hansen. Und auch Finkbeiner haben die Eigentümer von Manroland klare Ziele gesetzt.

Gibt es keinen Erfolg, werden die Reste der einst stolzen Branche vernascht. Dann könnte es ganz anders laufen, als die deutschen Maschinenbauer es sich vorgestellt haben. Statt dass sie sich Digitaldruckfirmen als Zusatzgeschäft einverleiben, machen womöglich die Tintenstrahl- und Laserdruckspezialisten die deutschen Maschinentechniker zu ihrem Anhängsel.

Gemeinschaft der Überforderten
Umschwung, Abtrieb, Abschwung

© manager magazin 1/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung