Samstag, 25. Mai 2019

Druckindustrie Von der Rolle

Anpassungsprobleme: Deutsche Druckmaschinen sind immer weniger gefragt

3. Teil: Den Ausstieg aus Digitaldruck schon hundertmal bereut

Insbesondere Heideldruck-Mann Schreier könnte heute in dem Zukunftssegment ohne Weiteres kräftig mitmischen. Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte Ende der 90er Jahre mit Kodak zunächst im Farbdruck ein Gemeinschaftsunternehmen gebildet und später den Schwarz-weiß-Digitaldruck der Amerikaner übernommen.

2004 gab Schreier die Digitalsparte allerdings für ganz kleines Geld an Kodak zurück. Der Bereich war nie aus den roten Zahlen herausgekommen und mit bloß zwei Geräten im Sortiment auch nicht wirklich konkurrenzfähig.

Schreier hätte also neue Produkte entwickeln müssen. Doch er zog es vor, seine Bogendruckmaschinen einer aufwendigen Generalüberholung zu unterziehen.

Jetzt hat er das Nachsehen. "Den Ausstieg aus dem Digitaldruck hat Heidelberger Druck schon hundertmal bereut", gibt ein ehemaliger Konzernmanager die Stimmung im Unternehmen wieder.

Seit einigen Jahren möchte Schreier den Fehler korrigieren. Deshalb gab es mehrfach Gespräche mit Digitalspezialisten über ein Zusammengehen oder Kooperationen. Mit der belgischen Agfa-Gevaert-Gruppe etwa. Ebenso mit den US-Firmen Xerox und Hewlett-Packard.

Doch die Vorhaben kamen nie über das Sondierungsstadium hinaus. Die Partner in spe störten sich meist daran, dass Schreier die Führung beanspruchte. "Die saßen bis zur Krise auf einem zu hohen Ross", sagt ein Investmentbanker.

Das scheint die Topleute der deutschen Druckmaschinenbranche von anderen Industrien zu unterscheiden: Sie haben bei wichtigen Entscheidungen selten eine glückliche Hand.

Koenig & Bauer: Der Clan pocht auf Unabhängigkeit

Der Befund gilt offensichtlich auch für den Branchendritten Koenig & Bauer. Die Gründer- und heutige Großaktionärsfamilie Bolza-Schünemann (gut 30 Prozent, weitere 10 Prozent hält ein österreichischer Clan) pocht seit Jahren vor allem auf eines: auf die Unabhängigkeit der Firma. Damit erschwert die Sippe die notwendige Bereinigung der Dreiergruppe.

So war es 2006, nachdem der MAN-Vorstand auf einer Klausur im Januar beschlossen hatte, sich von der Sorgentochter Roland zu trennen, und bei KBA anfragte, ob denn Interesse an einem Zusammengehen bestehe. So verhielt es sich bei einem zweiten Annäherungsversuch im Jahr 2009. Damals eruierten Allianz und MAN für ihr Asset Manroland einen Plan B, falls die Fusion mit Heideldruck platzen sollte.

Wegen dieser Erfahrungen wertet man in Offenbach den Vorstoß, den der neue KBA-Vormann Hansen - Vorgänger Albrecht Bolza-Schünemann war Anfang 2009, von der Krise entnervt, zurückgetreten - im Sommer 2010 via Presse in Richtung Manroland machte, als rein taktisches Manöver. Ziel sei nicht ein Zusammenschluss gewesen, sondern den Konkurrenten zu schwächen. Durch Fusionsgerüchte würden Kunden verunsichert, die einen langfristigen Service beim Neumaschinenkauf erwarten.

Der Argwohn zwischen den drei Druckmaschinengrößen sitzt tief. Nachdem die "historische Chance" (ein beteiligter Vorstand) zur Fusion der Nummer eins (Deckname "Helium") und der Nummer zwei (Deckname "Magnesium") verpasst wurde, bekämpft man sich, wo man kann.

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© manager magazin 1/2011
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