Dienstag, 21. Mai 2019

Druckindustrie Von der Rolle

Anpassungsprobleme: Deutsche Druckmaschinen sind immer weniger gefragt

2. Teil: Druckereien kämpfen ums Überleben

Bei dem gemeinschaftlich angerichteten Desaster hat bislang lediglich die Führung des MAN-Konzerns eine halbwegs gute Figur abgegeben. Zumindest bewies sie Weitsicht.

Vor gut vier Jahren verkauften der damalige Konzernvormann Håkan Samuelsson und Ex-Finanzchef Karlheinz Hornung zwei Drittel der MAN-Druckmaschinensparte Börsen-Chart zeigen an die Allianz-Beteiligungsgesellschaft ACP. Dafür kassierte der Münchener Mischkonzern 680 Millionen Euro. Inzwischen bewertet MAN die weiter abgeschmolzene Restbeteiligung von rund 22 Prozent in den Büchern mit null Euro.

Samuelsson und Hornung haben rechtzeitig verstanden, dass die Nachfrage für klassische lithografische Maschinen, mit denen Zeitungen, Zeitschriften, Verpackungen oder Werbebroschüren gedruckt werden, immer weiter schrumpft. Allein infolge der jüngsten Wirtschaftskrise ist das weltweite Marktvolumen für neue Druckmaschinen von rund 9 Milliarden Euro auf etwa 4,4 Milliarden Euro in diesem Jahr heruntergerauscht.

Die Kunden, also die Druckereien, kämpfen selbst ums Überleben, vor allem in den traditionellen Märkten der Industrieländer. So ist in den vergangenen sieben Jahren europaweit ein knappes Drittel der Offsetbetriebe durch Insolvenzen verschwunden. Das Internet und der Rückgang gedruckter Werbung machen das Leben schwer.

Die verbliebenen Betriebe greifen immer häufiger statt zu fabrikfrischen Geräten zu neuwertigen Gebrauchtmaschinen. Eine zwei Jahre alte Druckmaschine - bei einer auf Jahrzehnte angelegten Lebensdauer ist die so gut wie neu - gibt es zum halben Preis.

Konkurrenz aus Fernost

Parallel rücken Konkurrenten aus Japan näher an das deutsche Spitzentrio heran. 1400 Druckmaschinen hat etwa die Firma Ryobi zuletzt im deutschsprachigen Raum verkauft. Deren Geräte sind technisch kaum schlechter, aber viel billiger als die der hiesigen Premiumanbieter.

Die Hoffnungen - daran mangelt es Schreier, Finkbeiner und Hansen nie - liegen daher jetzt auf Boomländern wie China oder Brasilien. Tatsächlich konnten die Deutschen bis zur Jahresmitte in China Druckmaschinen im Wert von 187 Millionen Euro verkaufen. Aber lässt sich damit der Rückgang in Europa dauerhaft ausgleichen?

Experten hegen Zweifel. "Das Druckaufkommen in den Schwellenländern wird nie die Dichte erreichen wie in den Industrieländern", sagt etwa Holger Garbrecht, auf die Branche spezialisierter Unternehmensberater aus Heidelberg.

Viele der potenziellen Neukunden kaufen gar nicht mehr die klassische Maschine, sondern begnügen sich mit ungleich günstigeren Digitaldruckern von Hewlett-Packard (HP) Börsen-Chart zeigen, Xerox Börsen-Chart zeigen oder Kodak. Deren Geräte nähern sich in der Qualität zunehmend herkömmlichen Offsetmaschinen an, können immer höhere Auflagen und größere Formate drucken.

In den USA hat schon jede dritte Druckerei eine Abteilung fü Digitaldruck. Die Tintenstrahlgeräte schöpfen inzwischen rund 17 Prozent des globalen Druckmarktes ab. Bis 2014 werde der Anteil auf 22 Prozent wachsen, meint Alon Bar-Shany, Chef der Digitaldrucksparte von HP, dem Marktführer in diesem Bereich.

Die deutsche Druckmaschinenindustrie könnte, statt darüber zu wehklagen, den schleichenden Systemwandel gelassen hinnehmen, ihn vielleicht sogar begrüßen - ja, wenn es die Manager nur nicht versäumt hätten, beizeiten angemessen zu reagieren.

© manager magazin 1/2011
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