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Autotest: Thomas Bscher fährt den VW Race Touareg 3

VW Race Touareg 3 Er rast und rast und rast

Dieses Auto kann man nicht kaufen. Der VW Race Touareg 3 ist ein reines Rennfahrzeug für die Extrembedingungen der Rallye Dakar. Bei der Autowertung belegte VW in diesem Jahr die drei ersten Plätze. Ex-Rennfahrer und Manager Thomas Bscher testete den Wüstenflitzer für manager magazin.

Hamburg - Bei so einem Angebot lässt sich Thomas Bscher nicht zweimal bitten: Für eine Probefahrt mit dem VW Race Touareg 3, der tags darauf zur diesjährigen Rallye Dakar verfrachtet wird, räumt der Entwickler von Berliner Immobilien seinen Terminkalender frei. Nahe Oschersleben in Sachsen-Anhalt hat VW ein Trainingsgelände für Hochgeschwindigkeits-Offroadfahrten eingerichtet - inklusive Sprungschanzen, Driftflächen, wadentiefen Pfützen und allem, was sonst noch dazugehört, um ein Wettbewerbsfahrzeug der härtesten Rallye-Kategorie auf Herz und Nieren zu testen.

Thomas Bscher ist der ideale Testfahrer für den RT 3. Bis 1996 war er persönlich haftender Gesellschafter bei der damals noch unabhängigen Privatbank Sal. Oppenheim. Von 2003 bis 2007 leitete er die Sportwagenmanufaktur Bugatti im elsässischen Molsheim. Vor allem aber hat der 58-Jährige eine große Vergangenheit als Rennfahrer: 1995 wurde er Weltmeister für Langstreckenrennen in der GT-Klasse, im Jahr darauf ging er bei den legendären 24 Stunden von Le Mans als Vierter durchs Ziel, auch Monza hat er mehrfach gewonnen.

Und obwohl Bscher nie eine Rallye gefahren ist ("Ich mag es lieber, wenn an der Rennstrecke keine Bäume stehen"), will der passionierte Rennpilot "unbedingt diesen neuen Technologieträger kennenlernen", den VW auf der Basis des neuen Touareg-Modells baut. Die wichtigsten Neuerungen im Vergleich zu den vorherigen RT-Modellen dürften die nur 50 Kilo leichte Karosserie aus Karbonfasern sein, das sequenzielle Fünf-Gang-Renngetriebe und die Radaufhängung mit jeweils zwei Feder/Dämpfer-Einheiten.

Beim Einsteigen schlängelt sich Thomas Bscher geschickt zwischen den Verstrebungen des Überrollkäfigs hindurch. Im Wagen findet sich der Ex-Rennfahrer sofort zurecht im engen, von Schaltern und Instrumenten übersäten Cockpit. "Im Wettbewerb konzentriert man sich auf die Strecke und aufs Fahren", weiß der Routinier. "Da bedient man sowieso nur den Schalthebel." Der ist beim RT 3 ein Ungetüm aus schwarzem Lochblech, intuitiv erreichbar im Grifffeld direkt neben dem Lenkrad platziert.

Durch Pfützen driften, über Kuppen hüpfen

Schon beim Anfahren lobt Thomas Bscher die "weiche und doch fest zupackende Kupplung". Anfangs tritt er das Pedal noch brav bei jedem Gangwechsel; nach ein paar Runden auf dem Sandkuhlenparcours schaltet er jedoch wie die Rallye-Profis - nur durch Drücken oder Ziehen am Hebel. "Das sequenzielle Getriebe ist auf diese Fahrweise ausgelegt", erklärt er. "Bei der Kupplung hingegen steigt mit jeder Benutzung die Gefahr, dass sie ausfällt. Dann bleibt man liegen, und das Rennen ist gelaufen."

Schnell gewinnt Thomas Bscher ein Gefühl für den "neutralen, unkomplizierten Charakter" des Race Touareg, gibt kräftig Gas. Er driftet durch Kurven und Pfützen, hüpft über die Kuppen - und lobt prompt das vergleichsweise weiche Aufsetzen des 1,8-Tonnen-Gefährts, das wegen des strengen Dakar-Reglements mit 25 Zentimetern Federweg auskommen muss. In anderen Wagenklassen sind bis zu 100 Zentimeter möglich.

Nach 20 heißen Minuten in der kalten Winterlandschaft steigt Bscher strahlend aus dem RT 3. "Ein großartiges Auto", lautet sein Fazit, "technisch auf dem Gipfel der Zeit, zugleich robust und solide." Nichts klappere, "alles ist an seinem Platz".

Dennoch würde Thomas Bscher den Race Touareg 3 selbst dann nicht kaufen, wenn VW seine Prinzipien ändern und das Modell zum Erwerb anbieten würde. Der Ex-Champion startet nicht mehr in Wettbewerben. Die Wirbelsäulenverletzung, die ihm das verleidet, hat er sich jedoch nicht beim Autorennen zugezogen, sondern beim Segeln.

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