Montag, 25. Mai 2020

Family Office Wem Reiche ihr Geld anvertrauen

Family Offices: Der Boom der privaten Geldverwalter
Corbis

Immer mehr reiche Deutsche überlassen ihr Geld nicht den Banken, sondern kümmern sich mit Family Offices selbst darum. Jetzt können auch weniger Betuchte ihr Geld auf diese Weise mehren.

Hamburg - Am Rande eines Bad Homburger Villenviertels, in dem die blanken Klingelschilder an den Toren keine Namen verraten, steht ein großer Bau aus Glas und Beton. Wer hineinwill, muss an ihm vorbei: Harald Quandt. Gleich doppelt wacht er im Foyer des nach ihm benannten Hauses, auf zwei Porträts von Pop-Art-Künstler Andy Warhol.

Christian Stadermann (45) geht mehrmals täglich daran vorbei, auf dem Weg zu seinem Schreibtisch mit den zwei Bloomberg-Monitoren, die ihm Kurse von Anleihen und Aktien anzeigen. Der Ex-Banker ist Geschäftsführer von HQ Trust, einem der ältesten deutschen Vermögensverwalter für Superreiche seiner Art. Das Besondere an der Firma: Der HQ Trust ist ein Multi Family Office. Er verwaltet nicht nur das Milliardenvermögen der vier Harald-Quandt-Töchter - immerhin rund eine Milliarde Euro -, sondern kümmert sich auch um das Geld anderer Anleger.

Einzige Voraussetzung: Sie müssen mindestens 50 Millionen Euro mitbringen.

Stadermann hat reichlich zu tun, denn immer mehr Familien suchen seine Dienste. "Derzeit läuft eine zweite Gründungswelle von Family Offices", sagt er. Die erste Welle hatten vor mehr als 20 Jahren unter anderem die Quandt-Erbinnen mit ihrem Vermögensverwalter gestartet.

Exklusive Geldverwaltung ist einfacher geworden

Heute ist es viel einfacher und günstiger, ein sogenanntes Single Family Office für die eigene Familie zu gründen. Das kümmert sich um Kernfunktionen wie die Beaufsichtigung der Wertentwicklung von Depots. Mit der Anlagestrategie beauftragen solche Familienbüros häufig Multi Family Offices wie HQ Trust. Diese Arbeitsteilung ist für beide Seiten lohnend: Die einen brauchen keine teuren Experten vorzuhalten, die anderen lasten ihr Humankapital besser aus.

Rund 400 Single Family Offices, die nur eine Familie bedienen, und 50 Multi Family Offices gibt es hierzulande, schätzt Peter Schaubach, Wirtschaftsprofessor und Vermögensforscher an der European Business School in Oestrich-Winkel. Und die Zahl steigt. Rund 6000 Deutsche mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro je Familie nutzen bereits die Dienste eines Family Office, schätzt der Research-Anbieter Investors Marketing. Die exklusiven Geldverwalter steuern ein Gesamtvermögen von mehr als 180 Milliarden Euro - das ist mehr, als die zur Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen gehörende Fondsgesellschaft DWS Börsen-Chart zeigen hierzulande verwaltet.

Was aber macht Family Offices für vermögende Anleger so attraktiv? Für wen lohnt sich ein Familienbüro? Und wer sollte besser die Finger davon lassen?

Fest steht: Verlierer der neuen Familienpolitik sind die Banken. Sogar Industriellen-Clans, die jahrzehntelang auf die Geldhäuser vertraut haben, nehmen ihr Vermögen jetzt selbst in die Hand.

Prominentestes Beispiel: die Familie Henkel Börsen-Chart zeigen, Mehrheitseigentümer des gleichnamigen Düsseldorfer Konsumgüterherstellers. Erst 2006 gründeten sie das Henkel Family Office. Die Schaltzentrale der 8,5 Milliarden Euro schweren Vermögensverwaltung befindet sich in einem mit roten Steinplatten verkleideten Zweckbau in der Heinrich-Heine-Allee, gegenüber der Düsseldorfer Oper. Dort wacht Kai-Arne Jordan (43) als Geschäftsführer zusammen mit sieben Kollegen über das Vermögen der Waschmitteldynastie.

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