RTL-Chefin Anke Schäferkordt Die Quotenkönigin

Die Kölner RTL-Chefin Anke Schäferkordt hat den Bertelsmann-Sender wieder zum Marktführer gemacht. Sie gilt als Wonder Woman der deutschen Wirtschaft. In Wahrheit ist sie ein Profi - fleißig, beharrlich und im richtigen Moment hart.
Von Klaus Boldt
Als BASF-Aufsichtsrätin Wonder Woman des Establishments: RTL-Glücksfee Anke Schäferkordt

Als BASF-Aufsichtsrätin Wonder Woman des Establishments: RTL-Glücksfee Anke Schäferkordt

Foto: Thomas Rabsch

Kurz nach fünf an einem Winternachmittag gleitet vor ihrem Büro im dritten Stock der neuen Sendezentrale die "Arosa", "Der kleine Strolch" oder irgendein anderer dieser Ausflugskähne in Festschmuck und von tausend Signallampen beleuchtet den Rhein hinab. Wonder Woman hält inne und seufzt " ... ach ...", als das Schiff nach rechts in der Dunkelheit verschwindet.

Erst Mitte vergangenen Jahres hatte RTL Deutschland seine rund 2000 Mitarbeiter, die auf verschiedenen Posten im Kölner Westen verteilt gewesen waren, am rechten Ufer des Stromes zusammengetrommelt und in K-Deutz auf dem ehemaligen Messegelände untergebracht, schräg gegenüber vom Dom in einer teilweise denkmalgeschützten Baulichkeit aus rotem Backstein.

Den Blick aus dem Büro kann man nicht unbedingt als Aussicht bezeichnen, er ist aber nicht übel, wenn man sich für Rund- und Überblicke interessiert und ein Panorama mit schwarzem Dom und schwarzer Eisenbahnbrücke für eindrucksvoll hält. Aber Köln ist eben auch nicht Rom oder Paris, als dass man unbedingt länger gucken müsste. Jedenfalls hatte Wonder Woman noch nicht viele Gelegenheiten gehabt, der Rheinschifffahrt bei ihrem Betrieb zuzuschauen.

... Aber egal, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei diesem Weibergeschwätz: Wonder Woman kehrt vom Fenster an den Besprechungstisch zurück. Sie trägt einen Hosenanzug, der, wenn nicht alles täuscht, von der Farbe dunkler Alpenveilchen ist. Die Sekretärin liefert einen Cappuccino, Wonder Woman bleibt lieber beim Wasser: Sie ist erkältet und hustet, wofür sie sich höflicherweise jedes Mal entschuldigt. Vielleicht macht man das so beim Fernsehen, weil man ständig an den Ton denkt und die Aufnahme nicht vermasseln will.

Gelangweilt von den Frauenfragen

Anke Schäferkordt, so ihr bürgerlicher Name, gehört zu der Handvoll Frauen in der Weltwirtschaft, die ein Milliardenunternehmen leiten, aber sie ist gelangweilt von diesen Frauenfragen: "Durchgängig gelangweilt sogar. Entschuldigen Sie, wenn ich das so sage. Es gab eine Zeit, da fing jedes Interview mit der Frage an: Wie ist es denn so als Frau? Was ist das für eine Frage? Wie ist es denn so als Mann?" Hinter der Bemerkung verschwindet für einen Moment das ganze Büro.

Seit dem 17. Dezember ist die RTL-Chefin ordentliches Mitglied des BASF-Aufsichtsrats. Es soll in diesem Land nur wenige Versammlungen geben, in denen sich Wirtschaft und Weisheit so verdichten wie in dieser Körperschaft zu Ludwigshafen, den Rhein, von hier aus gesehen, nach links hinauf.

Nun mag dieses Urteil übertrieben sein. Doch Rang und Ehrerweisung in der Industrie dieses und jedes anderen Landes bemessen sich nicht allein an der Leistungskraft, sondern auch an den Ämtern und Würden, die ein Manager oder eine Managerin innehat. Und hier zählen die aufsichtführenden Organe der 30 Dax-Konzerne zu den achtungsgebietendsten weit und breit. Und nun also gehört Anke Schäferkordt dazu: Wonder Woman ist Teil des Establishments.

BASF-Aufsichtsratschef Eggert Voscherau (67), der, wie jeder weiß, mit Genauigkeit und Bedacht seine Beisitzer wählt, routinemäßig Listen von Kandidaten und Kandidatinnen anlegen und sie erkennungsdienstlich behandeln lässt, indem er Dokumentationen mit Ausschnitten aus der Presse samt handschriftlicher Vermerke zusammenstellt - Voscherau also möchte schon einmal ganz grundsätzlich, dass seine Aufsichtsratskollegen, wie er sagt, "auf Augenhöhe mit dem Vorstand diskutieren".

Frau Schäferkordt komme dabei die Rolle zu, "neue Trends in der Öffentlichkeit" erspüren zu helfen beziehungsweise in den Aufsichtsrat einzubringen, was ein Thema sei, das "immer wichtiger" werde - Stimmungslage der Nation also, Vermittlung von Technik, Genkartoffel und dergleichen mehr. Die Festvergütung liegt bei entschiedenen 60.000 Euro im Jahr.

Dass Schäferkordt eine Frau sei, habe bei ihrer Berufung überhaupt keine Rolle gespielt. Geschadet hat es aber auch nicht: Man müsse ja "nicht gegen den Trend laufen, wenn man jemanden findet, der passt", sagt Diplomat Voscherau.

Der Ruf nach mehr Frauen ertönt ja, seit es Männer gibt. Als ihr Freund und Förderer kann sich mit Leichtigkeit ausweisen, wer ihre Verstärkung im Führungspersonal verlangt, was neuerdings bekanntlich mal wieder der letzte Schrei ist: In den Vorständen der Dax-Firmen zählen Statistiker vier Angehörige des schwachen Geschlechts, der Anteil der Aufsichtsrätinnen liegt bei 13 Prozent, und auch dies nur wegen der vielen Arbeitnehmer- und Arbeitnehmerinnenvertreterinnen.

Keine Business-School-Amazone

Voscherau war natürlich noch mehr aufgefallen: Zum Beispiel, dass Schäferkordt Betriebswirtin und früher Controllerin gewesen sei und "sehr gute Arbeit" leiste bei RTL, der größten Abteilung der größten Sparte der großen Bertelsmann AG. Und so machte er ihr im Herbst seine Aufwartung, eben hier, im neuen Büro.

Schäferkordt erinnert sich: "Ich dachte im ersten Moment: Ich habe viel auf dem Tisch, bin gut ausgelastet, und das Mandat geht natürlich von meiner Restfreizeit ab. Aber ich habe mich natürlich auch geehrt gefühlt, und die Aufgabe hat mich sehr gereizt."

Wer ist diese Frau, deren Aufstieg sich im Reich der Bertelsmann AG vollzog, die zu den Hochburgen des Machismo in diesem Lande gezählt werden darf?

Wonder Woman ist eine gewandte, mittelgroße Frau; sie hat ein angenehmes Äußeres, ein nicht minder angenehmes Wesen und die sanfte Altstimme einer Schnulzensängerin. Sie ist kinderlos und unverheiratet, aber seit 20 Jahren mit dem Dr. Abteilungsdirektor Biermann vom Haus der Geschichte zu Bonn aufs Glücklichste liiert. Sie ist 48 und sieht aus wie 35.

Das Gestelzte einer Business-School-Amazone geht ihr völlig ab, ihr Blick ist scharf und klar mit etwas Ehrlichem und Unschuldigem und Unverdorbenem darin, was man in dieser Branche nicht allzu oft zu sehen bekommt. Sie ist freundlich, aber auch nicht so vertraulich, als wollte sie einem einen Tipp fürs nächste Pferderennen geben.

Das RTL-Geschäft steht in Blüte. Nicht allein wegen der Werbeeinnahmen, die sich schon automatisch wegen des allgemeinen Aufschwungs emporranken, sondern in Sonderheit, weil man die Marktführerschaft mit einem Anteil von 13,6 Prozent zurückerobern konnte, erstmals seit 2003: trotz Olympischer Winterspiele, trotz Fußball-Weltmeisterschaft, die auf ARD und ZDF liefen und als sichere Publikumsmagnete gelten.

Zahlenkombinationen der appetitlichsten Art

Schäferkordts Bilanzwerk, in das auch die Ergebnisse von Vox, Super RTL und N-TV einfließen, zeigt Zahlenkombinationen der appetitlichsten Art: Die Gewinne treten in starken Haufen geradezu plastisch hervor.

Im ersten Halbjahr 2010 wölbte sich der Umsatz (2009: 1,7 Milliarden Euro) um 5 Prozent auf 864 Millionen Euro vor, das Ebita dehnte sich um knapp 63 Prozent auf 257 Millionen Euro aus.

Die Herren des Hauses Bertelsmann, dessen Betriebskapital von RTL in wünschenswertester Weise gestärkt wird, nicken einander zu und lassen die angenehmsten Scherze einfließen, der Art, dass man von außen nicht sagen könne, ob RTL nun von einem Weibe oder einem Manne geführt würde oder nicht.

Konzernvorstand und TV-Premier Gerhard Zeiler, der sich dazu gratulieren darf, Schäferkordt vor gut fünf Jahren zu seiner Nachfolgerin in Köln gemacht zu haben, wird geradezu feierlich, wenn er bemerkt: "Anke Schäferkordt ist ein Glücksfall, wie er nur sehr selten in der europäischen TV-Landschaft vorkommt: Sie vereint extrem gutes Programmverständnis mit exzellenter Führungsqualität, und ihre wirtschaftlichen Ergebnisse sind einfach hervorragend."

Tatsächlich ist bei Schäferkordt schon an dieser Stelle unbedingt die Intuition anzuführen, die den Damen bekanntlich im Übermaß zur Verfügung steht: Ihre Fähigkeit, den Publikumsgeschmack zu erraten, prägte sich bereits aus, als sie noch bei Vox die Sendeleitung innegehabt hatte. Und so ergriff sie auch bei RTL neben der kaufmännischen Verantwortung bald ebenso jene fürs Programm.

In ihrer Amtszeit hat sie dem Senderrepertoire strategische Konturen verliehen und ein loses Ensemble zum soliden Ganzen zusammengeführt. Das Angebot leistet sich kaum Blößen: "Deutschland sucht den Superstar", "Wer wird Millionär", "Das Supertalent", "Bauer sucht Frau", dazu Boxen und die Rennen der Formel 1 - die Marktanteile der Konkurrenz lösen sich auf wie Brausetabletten.

Freundlich, aber mit Veteranenschläue

"Sie macht mit Leidenschaft Programm", sagt ihr Unterhaltungschef Tom Sänger, "und kann dennoch vom persönlichen Geschmack abstrahieren. Das macht uns in Programmfragen treffsicher." Und hätte vor zwei Jahren noch der Wechsel von Günther Jauch zur ARD für Erschütterung und Wehklagen gesorgt, so findet er heute kaum Erwähnung. "Ich habe nicht das Gefühl", sagt Schäferkordt, "dass ich mir noch irgendetwas Besonderes beweisen müsste." Sie hat überhaupt eine unkapriziöse und ausgesprochen offene Art.

Aufgewachsen in Henstorf, einem Ort im Lippischen mit 191 Einwohnern, ist sie ein Mädchen vom Lande: Die Großeltern waren noch Bauern gewesen, ihr Vater hatte den "Tannenhof" geführt: Frikadellen, Hähnchenkeulen und kalte Koteletts unter der Haube. Dazu Bier, Korn, Aschenbecher und ein paar sture, schweigsame Westfalen.

Nach Abitur in Lemgo, BWL in Paderborn und Bertelsmann-Trainingslager in Gütersloh zog ihre Karriere an, nie zu schnell, nie zu langsam: 1999 übernahm sie die Leitung von Vox, 2005 stieg sie bei RTL schließlich zur Nachfolgerin von Gerhard Zeiler auf, der sich auf die Regie der übergeordneten RTL Group (Umsatz 2009: 5,4 Milliarden Euro) in Luxemburg beschränkte, Europas Marktführer.

RTL Deutschland befand sich damals in ungünstigem Umstand, das Programm zog nicht recht, Werbekunden waren schlecht drauf, und im Management herrschten Verstimmung und Unausgeglichenheit - was sich paradoxerweise aber als Glücksfall erweisen sollte.

Denn umgehend setzte Schäferkordt Beschlüsse in Kraft, deren Notwendigkeit nur noch von ihrer Rigorosität übertroffen wurden: Sie senkte die Kosten, baute die Verwaltung um, befriedete die Führung, strich knapp 300 Stellen.

Diejenigen unter den Experten, die ihre Beförderung als sinnvoll für das weitere Ergehen des Senders erachtet hatten, durften sich alsbald bestätigt fühlen.

Gewiss, vorausahnen konnte auch sie die Wirtschaftskrise nicht, die drei Jahre später losbrechen sollte. Aber als die Branche durch den Abschwung in Unruhe gehalten und in nachteiligster Weise beeinflusst wurde und sich erst unter den Bedingungen einer Rezession und ihrer plötzlichen Zusammenziehungen zum Kurswechsel genötigt sah, da konnte RTL bereits auftrumpfen.

Veränderungen auch ohne Wirtschaftskrise

"Es gehört schon etwas dazu", sagt ihre Referentin Maren Rolfes, "wenn man sagt ,Wir können nicht einfach so weitermachen', ohne das Argument einer Wirtschaftskrise zu haben."

Schäferkordts Verhältnis zum Vorgänger und Vorgesetzten Zeiler gestaltete sich dabei zunächst nicht einfach: "Ich weiß, dass es am Anfang für uns nicht so einfach war. Er hatte klare Vorstellungen, und ich hatte klare Vorstellungen. Aber er hat mir den Freiraum gegeben, und dadurch ist das Vertrauensverhältnis gewachsen." Und: "Wir sind einfach sehr unterschiedliche Persönlichkeiten."

Ihrer Tatkraft ist es zu verdanken, dass die Kölner Gruppierung heute so gut dasteht. Selbst für das Krisenjahr 2009 konnte die Organisation über 10 Millionen Euro unter ihren 2500 Beschäftigten verteilen, kürzlich eine Sonderprämie von 1500 sowie eine Gehaltserhöhung von 100 Euro (pro Monat) auszahlen.

Freundlich, aber mit Veteranenschläue verrichtet Schäferkordt ihren Dienst, ohne auf die südeuropäischen Methoden mit Effet oder den Einsatz schwerer Artillerie zurückgreifen zu müssen. Man sollte sich aber auch keinen falschen Vorstellungen hingeben: Wenn sie einen Knoten macht, dann sitzt der auch, und wenn sie loslegt, dann ist auch was fällig: "Sie schreckt vor Unpopulärem nicht zurück", schnalzt Finanzchef Ingbert Vöcker. "Sie stellt hohe Anforderungen, an sich und das Management."

Es kommt selten vor, dass jemand, nach seiner Arbeit gefragt, so freundlich, ja geradezu hingebungsvoll von seinem "Team" spricht wie die RTL-Intendantin. Sie hat so eine gewisse Art, die einen an Lazarettschwestern denken lässt, die Verwundeten Erste Hilfe leisten.

Schwächen im Fach Motivation

"Fernsehen - und das ist wirklich schön und macht mir deswegen so viel Spaß - ist Teamarbeit. Den Programmerfolg würde ich nie für mich persönlich in Anspruch nehmen. Ich muss letztendlich nur alles zusammenhalten und ein wenig die Richtung weisen." Sie bringt diese Sätze mit Frische und Aufrichtigkeit vor, aber auch nicht so, als würde sie sie extra in ihr Tagebuch eintragen wollen.

Ernsthafte Kritiker in den eigenen Reihen hat sie nicht. Das ist nicht ungewöhnlich angesichts der Markterfolge. Hier und da heißt es allerdings: Sie zeige Schwächen im Fach Motivation.

Ihre "westfälische Art des Lobens", sagt Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik, "mag für manchen vielleicht noch gewöhnungsbedürftig sein". Es ist indes eine Schwäche, die verzeihlich und wohl auch eher einer gewissen Zurückhaltung zuzuschreiben ist: Fast als glaube sie, dass ein Lob ihr nicht zustünde. "Ich bin sehr konsequent und auch sehr geradeaus", sagt sie und ahnt, dass "einem als Frau dann schnell das Klischee der eisernen Lady anhaftet - was ich schade finde".

Pharisäer und falsche Fuffziger sind ihr ein Gräuel: "Es gibt viele Schmeichler, und ich mag sie nicht besonders. Man erkennt sie meist schon nach dem ersten Halbsatz: Die Kombination aus Gesichtsausdruck und wie man Dinge sagt. Schwierig ist natürlich auch der gegenteilige Fall, wenn ein Kontra in größerer Runde sehr persönlich wird und eskaliert. Aber wenn jemand zu mir kommt, die Tür schließt und sagt: Ich bin grundsätzlich anderer Meinung. Das finde ich gut."

Dies sei ja das Manko jeder Führungsrolle: "Je höher man steigt in der Hierarchie, desto schwieriger ist es, eine Führungskultur zu bewahren, in der man Ihnen noch eine ehrliche Antwort gibt."

Allenthalben für ihre Ehrlichkeit, ihren Scharfsinn und den Mangel an Wankelmut gerühmt, dazu um ihren Programminstinkt bewundert, wird Wonder Woman bisweilen doch auch leise getadelt für zu häufiges Mustern und Inspizieren.

RTL-Chefeinkäufer Dirk Schweitzer glaubt, dass Schäferkordt "alle Arbeitsbereiche bis ins Detail" verstehen wolle und "zumindest in der Theorie bestrebt ist, jeden ihrer direkten Mitarbeiter im Zweifelsfall vertreten zu können. Dadurch erhält sie einen exzellenten Überblick." Ihre Mitarbeiter erhalten dadurch freilich auch das ungute Gefühl, jederzeit ersetzbar zu sein.

Drei Abschiede von verheißungsvollen Mitarbeitern

Ende vergangenen Jahres reichten gleich drei verheißungsvolle RTL-Offizielle ihre Abschiede ein: besagter Starprogrammeinkäufer Dirk Schweitzer geht zum Filmhändler Kloiber, Chefplaner Klaus Henning und Entwicklungsleiter Sascha Naujoks verkaufen sich an den Rivalen ProSiebenSat1 .

Und doch sollte man vorsichtig sein und die Abgänge nicht mit einer angeblichen Kontrollsucht in Verbindung bringen. Alle Abtrünnigen äußern sich in angenehmen Wendungen über ihre Vorgesetzte. Individuelle Gründe wurden jeweils wirksam, dazu hohe Abwerbegehälter und das Gefühl, dass die RTL-Programmmarken inzwischen derart überoptimiert sind, dass sich der Marktanteil des Senders in nennenswertem Maße wohl kaum noch steigern lasse.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit lenken immer stärkere Aufmerksamkeit auf die Managerin: Man begehrt von ihr mittlerweile eine Gala nach der anderen, Arbeitssiege zählen schon fast nicht mehr: "Wir sind Bertelsmanns größtes Profit-Center", sagt Schäferkordt. "Aber wenn ich das Gefühl hätte, dass die Erwartungen überspannt wären - wenn man das Lineal anlegen würde an die Ergebnisse des Vorjahres -, dann würde ich das auch artikulieren."

Schäferkordt ist zwar ideologiefeste Bertelsfrau, und ihre unbeschwerte Arbeitsweise hat einiges damit zu tun, dass sie ihr gesamtes Berufsleben in diesem Unternehmen verbracht hat. Aber nicht nur BASF  betrachtet sie mit Augen, in denen sowohl Neid liegt als auch Verlangen. So eine wie die Schäferkordt hätten auch andere Unternehmen gern.

Die Frau aus Henstorf ist auch Profi. Wie wertvoll sie für Bertelsmann und RTL sein kann, durften die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren aus der Nähe erleben. "Es gibt immer mal den Moment, in dem man denkt: Man müsste noch einmal etwas ganz anderes machen. Einfach, weil ich in dem, was ich tue, viel erreicht habe, und das Geschäft sehr gut kenne. Der Gedanke kommt - und dann vergeht er aber auch schnell wieder, denn Fernsehen ist schon meine Leidenschaft."

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