Samstag, 19. Oktober 2019

Schlecker-Interview "Das ist sicher ein Kraftakt"

"Wir bestimmen ganz selbstverständlich mit": Meike und Lars Schlecker
Benno Kraehahn
"Wir bestimmen ganz selbstverständlich mit": Meike und Lars Schlecker

2. Teil: "Er ist ein Geschäftsmann, kein Unmensch."

mm: Ist ein solcher Übervater kein Problem für Sie?

Lars: Ich empfinde das nicht so. Ich bin sein Sohn, er ist mein Vater. Punkt. Wir arbeiten jedenfalls gern mit unseren Eltern zusammen.

mm: Das klingt nach einem klaren Bekenntnis zum Familienunternehmen. Es wird also keinen Verkauf oder Teilverkauf geben?

Lars: Auf gar keinen Fall. Wir sind froh über unsere Eigenständigkeit ohne irgendeine Mitsprache von Investoren oder Anteilseignern. Diese Selbstständigkeit ist ein Gut, das wir uns nicht nehmen lassen.

mm: Weil er Herr im eigenen Haus sein wollte, zeigte sich Ihr Vater auch jahrelang beratungsresistent. Nun sind gleich mehrere Berater im Unternehmen. Haben Sie ihn überzeugt?

Meike: Erstens hatten wir immer mal Berater im Hause. Und zweitens ist mein Vater durchaus offen für Berater. Wir haben gemeinsam entschieden, dass wir mal eine externe Sicht auf das Unternehmen brauchen. Wir sind doch alle schon lange in der Firma. Durch einen Berater werden einem die Augen geöffnet.

mm: Die Consultants werden Ihnen sicher schonungslos gesagt haben, dass Schlecker in den vergangenen Jahren einen großen Imageverlust erlitten hat. Ihr Vater hat immer bestritten, dass es einen Zusammenhang zwischen dem schlechten Ruf und dem Umsatzminus gäbe. Sehen Sie das auch so?

Lars: Über Monate hinweg am Pranger zu stehen muss Auswirkungen auf den Umsatz haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Wenn man im Freundeskreis Schlecker erwähnt, kommen häufig negative Assoziationen. Vieles wurde auf meinen Vater projiziert. Aber ich muss deutlich sagen: Er ist ein Geschäftsmann, kein Unmensch.

Meike: Wir haben sicherlich zu lange abgewartet und auf uns einprügeln lassen. Längst nicht alle Vorwürfe waren gerechtfertigt. Wir haben ja auch positive Dinge gemacht, wie zum Beispiel unseren neuen Tarifvertrag, der richtungweisend im deutschen Einzelhandel ist. Und auch vom Thema Leiharbeit haben wir uns komplett getrennt. Wir werden unser Image verbessern. Wir wollen nicht mehr die großen Unbekannten sein, bei denen die Leute fragen: Was machen die hinter ihren verschlossenen Türen? Dabei haben wir sehr viele Mitarbeiter, die schon viele Jahre bei uns sind.

mm: Schlecker wird also in Zukunft ein gläsernes Unternehmen?

Lars: Im Marketing und in der Kommunikation haben wir einiges vor, um unser Image zu verbessern. Wir werden nach außen wie nach innen offener auftreten. Wir wollen unsere Mitarbeiter schneller informieren, indem wir den Filialen eine Art Bild-Zeitung faxen mit kurzen prägnanten Themen, die öffentlich wie intern relevant sind.

mm: Neben einer neuen Kommunikationsstrategie wollen Sie auch Ihre Läden von Grund auf renovieren. Sie sollen heller, frischer und übersichtlicher werden - so wie die Läden von dm und Rossmann schon lange sind. Wie wollen Sie sich denn von diesen Wettbewerbern dann noch differenzieren?

Lars: Wir haben einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber dm und Rossmann: Wir sind überall und haben dadurch die Nähe zu den Kunden. Unser Filialnetz ist doppelt so groß wie das all unserer Wettbewerber zusammen. Wir wollen uns als guter Nachbar positionieren, bei dem man auch mal länger bleibt und ein bisschen tratscht.

Meike: Diesen Vorteil des Nachbarschaftsladens werden wir in Zukunft wieder stärker ausspielen. Wir werden Attraktivität und Sympathie durch das neue Konzept in die Läden bringen. Denn wir wollen die Kunden, die wir verloren haben, wieder zurückholen und unseren loyalen Kunden wieder mehr bieten.

mm: Sie möchten viele Dinge verändern - vom Laden-Outfit bis zum Markenauftritt. Ist das alles gleichzeitig zu schaffen?

Lars: Das ist sicher ein Kraftakt. Aber es macht auch extrem Spaß. Wir können mitgestalten und unsere Handschrift mit einbringen.

mm: Es scheint, als sei dies die letzte Chance für Schlecker. Kommt das neue Konzept nicht zu spät?

Lars: Klar, es hätte auch früher passieren können. Aber es kommt definitiv nicht zu spät. Im nächsten Jahr werden wir das Filialnetz noch bereinigen. Und 2012 werden wir wieder voll angreifen und wieder wachsen.

Schlecker: Jugendweihe

Seite 2 von 2

© manager magazin 12/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung