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Schmuck: Die Goldschmiededynastie der Wellendorffs

Die Goldschmiede von Wellendorff Eine fabelhafte Familie

In Pforzheim pflegt der Clan der Wellendorffs althergebrachte Handwerkskunst in der Goldschmiedearbeit. Die Hüter des Hortes können sich über brillante Bilanzen freuen, denn ihr massiver Schmuck aus üppigen Goldkordeln und lupenreinen Edelsteinen kommt auch als Geldanlage gut an.

Pforzheim - In dem Haus am Fluss wartet eine Welt der Märchen und Mythen. Eine Stiege geht es nach oben, dann öffnet sich dem Besucher eine weite Halle: Gemalte Parkbäume auf den Wänden simulieren einen heiteren Barockgarten, in der Mitte ein kreisrunder Säulentempel, in die Wände eingelassen lichthelle Vitrinen, gefüllt mit goldglänzendem Geschmeide und funkelnden Preziosen. Fehlen nur die Satyrn und Quellnymphen.

Was wie eine verwunschene Schatzkammer wirkt, ist der Präsentationsraum der Schmuckmanufaktur Wellendorff in Pforzheim an der Enz. Seit 1893 ist die Firma dort ansässig. Heute wird sie geführt von den Nachfahren des Gründers Ernst Alexander: Eva und Hanspeter Wellendorff sowie deren Söhnen Christoph und Georg. Georgs Frau Claudia, eine hochgewachsene Blondine, erledigt die Kommunikation. Eine Familie wie aus dem Bilderbuch.

Georg, Hüter des Hortes und zuständig für die Produktion des 75-Köpfe-Goldschmiedebetriebs, präsentiert das Spitzenstück, ein etruskisches Kurzschwert mit goldenem Griff, verziert mit Kriegern, die aus feinstem Golddraht geformt sind, gerahmt von zopfartig geflochtenen Edelmetallbändern. Der Großvater hat die Kostbarkeit einst erworben, heute dient die Handwerkskunst der 2600 Jahre alten Waffe als Benchmark für die Schmuckproduktion der Traditionsfirma.

Die Geschäfte gehen wahrlich golden. "Dieses Jahr wird wahrscheinlich das erfolgreichste unserer Geschichte", sagt Georg Wellendorff. Auch die zurückliegende Krise habe man nicht gespürt. Im Gegenteil: "Wir hatten viel mehr Nachfrage, als wir liefern konnten. Unseren Kunden hat das gehörige Geduld abverlangt."

Schwäbisches Wachstum ohne Fremdkapital

Der hohe Goldpreis scheint das Geschäft eher zu beflügeln denn zu bremsen - weil massiver Schmuck, wie ihn die Wellendorffs herstellen, in unsicheren Zeiten auch zur Vermögensbildung einlädt. Und so herrscht allenthalben Aufwind. Gerade haben sie in Hongkong und San Francisco eigene Boutiquen eröffnet. Zuständig ist Bruder Christoph, in der familiären Arbeitsteilung hat er die Rolle des Kaufmanns. Daneben gibt es 150 Partnerjuweliere weltweit, Boutiquen in Stuttgart, Mainz, gleich zwei in Berlin, Peking, so die Planung, soll folgen.

Zudem liefert man Armbänder aus Gold in das sächsische Glashütte, für die Uhren der feinen Marke A. Lange & Söhne.

Die Expansion, darauf legen die Wellendorffs Wert, werde allein aus eigenen Mitteln finanziert. Kein Fremdkapital, keine Banken. Die Unabhängigkeit, die sei das höchste Gut, sagen sie. Man muss dem glauben, Zahlen gibt die Familie nicht preis. Der Umsatz dürfte um 50 Millionen Euro liegen und soll in den vergangenen Jahren jeweils zweistellig zugelegt haben. Georg Wellendorff nennt das "schwäbisches Wachstum", gedankt der Institution Familie, die hier auf geradezu rituelle Weise gepflegt wird.

"Es gibt keine stärkere Konstellation als ein Familienunternehmen", sagt Wellendorff, als er den Gast eine Etage hinaufführt in die Fertigungshallen. "Hierarchiekämpfe kennen wir nicht und können uns so ganz und gar auf das Produkt und den Vertrieb konzentrieren."

Üppige Goldkordeln als Basisbauteile

Oben in der Herstellung entsteht das typische Produkt der Manufaktur: die "Wellendorff-Kordel". Fünf-Kilo-Stangen Gold zu 18 Karat werden von Schmieden so lange gewalzt und gezogen, bis daraus 5000 Meter lange 0,2 Millimeter dünne Drähte geworden sind. Die werden dann von kräftigen Fingern um eine Spindel spiralig aufgedreht, mit einer selbstverständlich goldenen "Seele" versehen und sodann zu zierlichen Kordeln verknüpft.

Die Goldkordeln wiederum sind die Basisbauteile für die üppigen wellendorffschen Colliers und Armbänder. Zwölf Arbeitsschritte sind nötig, gerade mal 20 Stück werden pro Arbeitstag hergestellt, entsprechend die Preise: Einfachere Colliers kosten zwischen 4000 und 50.000 Euro. Sind sie edelsteinverziert - mit zig von Hand gesetzten lupenreinen Diamanten -, kostet das Endprodukt schon mal zwischen 200.000 und 500.000 Euro.

In einer Glaskabine am Ende der Werkhalle hat Goldschmiedemeister Ulrich Perathoner seine Kreativklause. Er arbeitet an den Entwürfen für ein anderes Wellendorff-Produkt, den Jahresring. Ein massiver Goldreif, geschmückt von Brillanten und luziden Kaltemaille-Intarsien. Zur Inspiration hat Perathoner Stapel von Fotos aus traumschönen Inselparadiesen, Korallenriffen, Unterwasserwelten vor sich hingebreitet; das Thema für die kommende Saison sind maritime Welten.

Für die Zukunft ist den Edelschmieden aus dem Schwarzwald jedenfalls nicht bange. Der Goldpreis steigt und steigt, entsprechend die Nachfrage; vereinzelte Auguren nehmen bereits 10.000 Dollar pro Feinunze ins Visier. Märchenhafte Zeiten.

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