Dienstag, 23. Juli 2019

Adidas-Chef Kick it like Herbert

Führung in turbulenten Zeiten: Die Adidas-Manager
Dirk Bruniecki

Herbert Hainer ist Manager des Jahres 2010. Er hat Adidas in die Champions League der Sport- und Modekonzerne geschossen. Sein leistungsfanatischer Führungsstil ist zum Vorbild für viele andere Dax-Größen geworden.

Herbert Hainer (56) hat den Gipfel erklommen. Aus 3055 Metern Höhe blickt der Adidas-Chef nun auf die verschneiten Dolomiten rund um den Lavarella-Berg. Ein Wandergefährte klopft ihm anerkennend auf die Schulter: Es ist Reinhold Messner, der Extrembergsteiger.

"Herbert", sagt der Südtiroler, "du bist doch so oft in China. Magst du uns morgen Abend etwas darüber erzählen?"

Die Zuhörerschaft, eben noch am Berg versammelt, war dann klein, aber ausgesucht wie vielleicht keine zweite in Deutschland. Anfang September dieses Jahres saß man zusammen im Viersternehotel "Armentarola" in St. Kassian und lauschte Hainers Vortrag zum Adidas-Geschäft in China und dem Rest der Welt. BASF-Vormann Jürgen Hambrecht war darunter, Linde-Lenker Wolfgang Reitzle, Telekom-Chefkontrolleur Ulrich Lehner und, neben anderen, Beraterlegende Herbert Henzler. Sie nennen sich die "Similauner", sie sind das einflussreichste Netzwerk der deutschen Wirtschaft.

Danach nur Lob. "Herberts Rede kam sehr gut an. Das war eine Lehrstunde in praktischer Globalisierung", sagt einer, der dabei war. Für Herbert Hainer war es eine Art Ritterschlag. Ein zweiter folgt jetzt. Die Jury des manager magazins (siehe Kasten und Fotostrecke links) hat den Adidas-Chef zum "Manager des Jahres" 2010 gekürt.

Die Wahl lag, zugegeben, nahe. Der Sportartikler Adidas Börsen-Chart zeigen hatte ein herausragendes Jahr, mit der Fußball-weltmeisterschaft als umsatztreibendem Höhepunkt. Und Hainer ist dieses Jahr der Turnaround des US-Zukaufs Reebok eindrucksvoll gelungen.

Vor allem aber verdient er die Auszeichnung, weil er seit nahezu zehn Jahren das Unternehmen mit der Beharrlichkeit eines Marathonläufers zu neuen Zielen geführt hat. Egal ob Umsatz (plus 92 Prozent), Gewinn (plus 208) oder Börsenkapitalisierung (plus 215) - überall ging es steil aufwärts.

Kaum ein anderes Unternehmen aus der Dax-Liga ist heute so global ausgerichtet wie die Schuh- und Textilfirma aus dem fränkischen Herzogenaurach. Mehr als 95 Prozent des Umsatzes macht Adidas inzwischen im Ausland.

Wer ein gutes Jahr hat oder zwei, ist oft nur ein Kind des Glücks. Wer lange gut performt, tut dies mit System. Und prägt andere. "Die extrem aktive und wachstumsorientierte Führungskultur bei der Weltmarke Adidas", sagt Jurymitglied und Managementautor Reinhard K. Sprenger, "ist zum Vorbild für viele deutsche Konzerne geworden."

Hainer gehört zu dem Typus anpackender Topmanager, der den früheren Konzernherrn nach und nach ersetzt. Es sind operativ starke Vorstandschefs wie Martin Winterkorn (VW), Ulf Schneider (Fresenius Börsen-Chart zeigen) oder Jürgen Hambrecht (BASF Börsen-Chart zeigen), die jetzt vorn stehen. Sie genießen höchste Akzeptanz in ihrer Mannschaft, weil sie nicht nur die allgemeine Linie vorgeben und hin und wieder auf die Zahlen schauen, sondern jedes wichtige Detail kennen. Man kann ihnen nichts vormachen. Umso leichter fällt es ihnen, ihre Teams zu neuen Höchstleistungen anzuspornen.

© manager magazin 12/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung