Mittwoch, 23. Oktober 2019

Handymarkt Wie Nokia Apple und Google kontern will

Graffito am Nokia-Standort Berlin: Der weltgrößte Handyhersteller sucht bei Smartphones, Apps und Wachstum Anschluss an die Konkurrenz

Der weltgrößte Handykonzern steht vor einem radikalen Neubeginn. Nokia muss sich unter CEO Stephan Elop neu erfinden, um nicht zur Beute von Apple, Google und Co. zu werden. Ein Bericht aus der Schaltzentrale.

Es war wohl der schwierigste Auftritt in der noch jungen Amtszeit von Stephen Elop (46). An einem regentrüben Freitag Ende Oktober stellt sich der neue Nokia-Chef einigen Hundert Fabrikarbeitern im südfinnischen Traditionswerk Salo vor. Das Timing für eine lockere Plauderrunde war denkbar schlecht.

Just am Vortag hatte Elop die Entlassung von bis zu 1800 Mitarbeitern angekündigt, knapp die Hälfte davon am Firmensitz Finnland. Der angeschlagene Mobilfunkkonzern müsse sich "auf breiter Front verbessern" und "alle notwendigen Maßnahmen aggressiv vorantreiben", verkündete der Blonde mit dem Kurzhaarschnitt. Nun bangten die Mitarbeiter in den weiß-blauen Overalls um ihre Zukunft.

Mit offenem Hemdkragen und offensiver Freundlichkeit mühte sich Elop, nicht als kühler Rambo dazustehen. Der Kanadier erzählte von seiner Gattin Nancy und den fünf Kindern, darunter 11-jährige Drillinge und eine 14-jährige Adoptivtochter aus China. Mit nur einer Ausnahme, beteuert der neue CEO, benutzten alle Sprösslinge Nokia-Handys. Am Ende, immerhin, gibt es Beifall. "Er hat unser Vertrauen gewonnen", sagt ein Arbeitnehmervertreter. Mission erfolgreich gestartet.

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Der Ex-Microsoft-Manager will Kollegen und Kunden auf seine Seite ziehen. In den vergangenen Monaten hat Elop zahllose Großabnehmer rund um den Globus getroffen, Hunderte Mitarbeitergespräche geführt. Mehr als 1000 Nokianer folgten seinem Aufruf, Vorschläge für den grundlegenden Umbau des Mobilfunkkonzerns zu unterbreiten.

Elop bereitet die Belegschaft auf einschneidende Veränderungen vor: Nokia müsse schneller agieren als bisher, den Kunden besser zuhören und vor allem spannendere Produkte produzieren. Stephen Elop, im Privatleben Hobbypilot und Freund schneller BMWs, plant den zügigen Neustart bei Nokia Börsen-Chart zeigen .

© manager magazin 12/2010
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