Arbeitsrecht "Die Sitten werden rauer"

Der öffentliche Druck auf Aufsichtsräte wächst, und auch bei den Aufsehern nimmt die Neigung zu, sich persönlich abzusichern. Das verschärft im Streitfall den Ton zwischen Unternehmen und ihren Führungskräften: Arbeitsrechtler Peter Rölz spricht im Interview über Manager vor Gericht.
Arbeitsrechtler: Peter Rölz ist Geschäftsführender Partner der Anwaltskanzlei Ulrich Weber & Partner mit Sitz in Frankfurt, Stuttgart, Köln und Hamburg

Arbeitsrechtler: Peter Rölz ist Geschäftsführender Partner der Anwaltskanzlei Ulrich Weber & Partner mit Sitz in Frankfurt, Stuttgart, Köln und Hamburg

mm: Herr Rölz, selbst hochrangige Manager kämpfen heutzutage vor Gericht gegen ihren Arbeitgeber. Sind die Zeiten, in denen sich Unternehmen auf dezente Art von missliebigen Führungskräften trennten, ein für alle Mal vorbei?

Rölz: Die Krise hat die Sitten noch einmal rauer werden lassen. Und der öffentliche Druck wächst enorm: Aufsichtsräte müssen sich inzwischen selbst juristisch verantworten, wenn sie zum Beispiel einem ausscheidenden Vorstand zu hohe Summen zahlen. Daher nimmt auf Unternehmensseite die Neigung zur persönlichen Absicherung über den Umweg der Gerichte zu.

mm: Können sich Manager schon bei Jobantritt gegen den Verlust des Arbeitsplatzes absichern?

Rölz: Wer gefeuert werden soll, wird gefeuert - Unternehmen finden immer einen Weg, notfalls über die fristlose Kündigung. Wenn sich der Job nicht halten lässt, möchten die meisten Manager wenigstens eine ordentliche Abfindung erzielen. Die Konditionen könnte man im Anstellungsvertrag regeln, was allerdings nur selten passiert. Wer Aufgaben und Berichtswege möglichst konkret festschreiben lässt, kann auch seiner Degradierung vorbeugen. Je dringender das Unternehmen eine Position wieder neu besetzen muss, desto besser ist die Verhandlungsposition des Geschassten.

mm: Woran erkennt der Manager, wie viel Verhandlungsspielraum er hat?

Rölz: Das ist eine Frage des Fingerspitzengefühls. Für folgende Positionen sollte das Unternehmen aber auf jeden Fall Verständnis aufbringen: Der Jobwechsel sollte keine Verschlechterung bringen. Daher ist es in Ordnung, den Ausgleich von Nachteilen zu fordern, die gerade durch den Wechsel entstehen. Umzugskosten, wegfallende Long Term Incentives oder Boni - für solche finanziellen Einbußen kann der Manager bei Jobantritt eine Kompensation verhandeln, ohne das Entgegenkommen der Unternehmensseite zu sehr zu strapazieren.

mm: Sollte der Manager zur Vertragsverhandlung seinen Anwalt mitbringen?

Rölz: Absolute Topleute tun das mitunter. Anwalt und Aufsichtsrat verhandeln, der neue Vorstand fliegt nur zur Vertragsunterzeichnung ein. Üblich ist es ansonsten eher nicht. Mein Rat an die Manager: Nehmen Sie den Vertragsentwurf mit, zeigen Sie ihn bei Zweifeln diskret einem Rechtsberater, und bestehen Sie im nächsten Gespräch mit dem neuen Arbeitgeber auf Änderungen, die Ihnen wichtig sind.

mm: Was tun, wenn das Unternehmen an den Konditionen nicht rütteln will?

Rölz: Bis zu einer Einkommensgrenze von 250.000 bis 300.000 Euro sind Standardverträge die Regel. Zeigt sich das Unternehmen auch in höheren Gehaltsklassen nicht verhandlungsbereit, sollte der Manager sich fragen, ob er an der richtigen Adresse ist. Möglicherweise passen beide Seiten nicht wirklich zusammen.

mm: Immer öfter werden Fälle von Streitigkeiten unter Anwälten publik. Weht auch in Ihrer Branche ein kühlerer Wind?

Rölz: Anwaltskanzleien reagieren inzwischen schneller und heftiger auch arbeitsrechtlich, wenn die Umsatzzahlen oder "Billing Hours" des Rechtsberaters nicht stimmen. Umgekehrt setzen sich immer mehr Anwälte gegen die Sanktionen vor den Gerichten zur Wehr, in der Regel mit sehr guten Erfolgschancen. Das Nichterreichen von "Benchmarks" der Kanzlei ist regelmäßig kein Kündigungsgrund. Stellt sie dann noch laufend junge Anwälte ein, wird es für die Kanzlei nahezu unmöglich, sich von ungeliebten Kollegen zu trennen. So kommt es zur Zahlung hoher Abfindungen.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.