Bücher Coach-Geheimnisse

Lektüre: Was Coaching nützt
Von Heinz Metzen

Oft als Modewort diffamiert und von windigen Scharlatanen missbraucht: Coaching. Dabei ist das Konzept äußerst wertvoll - für die persönliche Weiterbildung und für die Mitarbeiterführung.

Was ernsthaftes Coaching ist und wie es professionell umgesetzt wird, das zeigen die folgende Fallstudie und weitere Standardwerke, besprochen von mm-Rezensent Heinz Metzen.

Coaching - die 10 Schritte

Thomas Holtbernd und Bernd Kochanek: "Coaching. Die 10 Schritte der erfolgreichen Managementbegleitung"; Wirtschaftsverlag Bachem, Köln 1999, 184 Seiten, 68 Mark.

Wer Coaching lernen und nutzen möchte, wurde in der Vergangenheit häufig mit großen Versprechen und wenig Technik abgespeist. Holtbernd und Kochanek dagegen haben ein Buch geschrieben, das den konkreten Verlauf eines Coachings und die zugehörigen Reflexionen festhält.

Der Leser begleitet ein typisches Coaching: zehn Gespräche zwischen einem Manager und seinem Coach, jedes à 60 Minuten. Die Sitzungen haben Namen wie Slow Management, Konfrontation oder Integration. Gefühle und Gedanken, die während dieser Sitzungen aufkeimen, erläutern die Autoren nach jedem Gespräch. So erleben wir einen klassischen Coaching-Verlauf. Wir lernen, dass Zwischentiefs und Zwischenhochs ebenso dazu gehören wie ein abgegrenzter zeitlich-inhaltlicher Rahmen.

Nach Auffassung der Autoren ist Coaching Hilfe zur Selbsthilfe. Der Coach braucht nicht zwingend eine psychologische Ausbildung. Vielmehr muss er zuhören können, um dann das, was er erfährt, an seinen Erfahrungen und seinem theoretischen Wissen zu spiegeln.

Am Ende eines erfolgreichen Coachings weiß sich der Manager selbst zu coachen. Er hat professionelle Denkhilfen kennen gelernt und gestaltet damit Selbstgespräche ­ das Tagebuch ist eine uralte Form hierfür.

Und auch das gehört dazu: Intensive Gespräche im Kollegenkreis, im Club, zu Hause oder mit Freunden. Die bewirken manchmal mehr als der teure Coach.

Fazit: Wer Coachen verstehen und lernen will, erhält mit diesem Buch eine eingehende praktische wie theoretische Einführung.

Leitfaden Coachingregeln

Christian Innerhofer, Paul Innerhofer, Paul und Ewald Lang: "Leadership Coaching. Führen durch Analyse, Zielvereinbarung und Feedback"; Luchterhand, Neuwied 1999, 210 Seiten, 59,80 Mark.

Vielleicht ist es voreilig. Aber alles deutet darauf hin, dass das Management-Coaching mit der vorliegenden Arbeit einen Quantensprung vollzieht.

Coaching wurde bisher als Kunst zur Förderung der persönlichen Führungsfähigkeit praktiziert und dargestellt. Höflich verschwiegen wurde, dass diese Art Coaching viel zu selten die erhofften Effekte zeigte.

Hier setzt das Buch von Innerhofer, Innerhofer und Lang an: Was verbindet individuelle Führungsfähigkeit mit der betrieblichen Organisation? Ihre Antwort: Information.

"Die moderne Form der Mitarbeiterführung, die dem Bedürfnis des Mitarbeiters nach Selbstbestimmung ebenso Rechnung trägt wie den gestiegenen Anforderungen nach Leistung, ist Führung mit den Mitteln der Information", schreiben die Autoren. Der Führungskraft fällt primär die Aufgabe zu, den Mitarbeiter zu motivieren, sein Vertrauen zu stärken und ihm unterstützend zur Seite zu stehen.

Das Buch bietet Führungskräften wie professionellen Coachs eine fundierte Einführung in die Vorbereitung und Durchführung von Coaching-Gesprächen. Der Leser kann sich mit sechs grundlegenden Gesprächstypen auseinander setzen: Informations-, Status-, Beratungs-, Motivations-, Feedback- und Konfliktgespräch. Und er erhält einen Überblick über die Prozessanalyse und die Methoden der Zielvereinbarung mit Mitarbeitern.

Fazit: Die Autoren verknüpfen die modernen Instrumente der Unternehmensführung mit dem individuellen Konzept des Mitarbeiter-Coachings. Ein wegweisendes Buch.

In 20 Tagen lernen

Horst Rückle: "Coaching. So spornen Manager sich und andere zu Spitzenleistungen an"; Moderne Industrie, Landsberg am Lech 2000, circa 270 Seiten, 79 Mark.

Horst Rückle gehört zu den deutschen Toptrainern der vergangenen 25 Jahre. Er hat bereits Verhaltens- und Beobachtungstrainings für Manager angeboten, als die in der Mehrzahl noch glaubten, Sachwissen und Erfahrung genügten, um ein Unternehmen erfolgreich zu leiten.

Wer Coaching lernen möchte und es vorzieht, Probleme tätig anzugehen (Learning by Doing), der ist mit diesem Kompendium bestens bedient. Nach einem kurzen Überblick über Arten und Einsatzfelder des Coaching beginnt es bereits auf Seite 20 mit einer Konzipierungshilfe für Teamcoaching.

Die Sprache bleibt immer konkret, viele Aussagen werden aus Fällen der Praxis belegt. So erfahren wir am Beispiel introvertierter Verkäufer, was angeleitete Selbstentwicklung bewirken kann: "Vielen davon half schon die Möglichkeit, jemanden, der extrovertiert ist, zu bitten, für ihn Termine zu vereinbaren. Standen die Verabredungen, war es für die meisten kein Problem mehr, den Termin wahrzunehmen", schreibt der Autor.

Rückles Zugang zum Coaching liefert wenig Theorie, das mag mancher als Mangel ansehen. Aber das Werk bietet eine Fülle von Werkzeugen und vor allem ein eigenständiges Kapitel zur Ausbildung von Coaches ­ natürlich als übersichtliches Flussbildschema.

Das 20-tägige Training für künftige Coaches, das in dem Buch beschrieben wird, beginnt mit einem Assessment und verteilt sich praxisbegleitend auf sieben Bausteine.

Zahllose Checklisten, Fragebogen und Arbeitsblätter erleichtern das Selbststudium.

Das Werk wendet sich an Coaches und zugleich an moderne Führungskräfte. Ihnen bietet es einen Überblick über Anwendungsfelder des Coaching: Mitarbeiter und Teams coachen, sich selbst coachen, sich coachen lassen.

Insbesondere lehrt es sie die hohe Kunst der (Selbst-) Beobachtung: "Vielleicht prüfen Sie gelegentlich Ihr Verhalten, wenn Sie eine Fotografie von sich zu sehen bekommen, auf der Sie wenig vorteilhaft abgelichtet sind."

Fazit: Wer sich praxisorientiert selbst zum Coach ausbilden will, erhält mit diesem Buch ein vollständiges und detailliertes Trainingsprogramm.

Ein Klassiker, drei Standardwerke

Franz Stowasser und Hans-Georg Thumm: "Coaching ­ das Flösserprinzip"; mit Zeichnungen von Rudolf Werndl, A & O des Wissens, Zürich 1999, 194 Seiten, 58 Mark.

Das erste und einzige Buch, das einen ganz persönlichen Zugang zum Erlernen von Coaching-Kompetenz bietet - zudem witzig illustriert.


Wolfgang Looss: "Unter vier Augen. Coaching für Manager"; Moderne Industrie, Landsberg am Lech, 4. überarbeitete Auflage 1997, 215 Seiten, 79 Mark.

Vor fast zehn Jahren schrieb Looss das erste Buch für deutsche Leser, das Standards für das Coaching und die Qualifikation von Coachs festlegte. Ein Klassiker.


John Whitmore: "Coaching für die Praxis"; Heyne, München 1998, 159 Seiten, 14,90 Mark.

Einfacher, klarer und anschaulicher kann man Coaching nicht erklären. Ein Bestseller.


Helmar Dießner: "Praxiskurs Selbst-Coaching. Mit allen Sinnen wahrnehmen"; Junfermann, Paderborn 1999, 193 Seiten, 34,80 Mark.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Geld? Wie kleiden Sie sich? Wer sind die Menschen, mit denen Sie leben und arbeiten? Wie gehen Sie mit Angst um? Diese und weitere 150 Übungen zur Stärkung im Umgang mit den Herausforderungen des beruflichen und privaten Alltags bieten eine gute Gelegenheit zum Nachdenken.


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