Vermögensplanung - Aktienfonds Der Mix macht's

Die gemanagten Portfolios gelten als ideale Bausteine für die private Vorsorge. mm zeigt, wie Anleger sich ein renditestarkes Depot zusammenstellen.
Von Patricia Döhle

Wie fühlt sich jemand, der den Wert eines millionenschweren, internationalen Aktienportfolios durch clevere Anlageentscheidungen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt hat?



Kompakt

Die Anlageprofis setzen auf vier langfristige Entwicklungen:

1. Der Aufwärtstrend an den Weltbörsen setzt sich fort.

2. Europa ist die interessanteste Anlageregion in den kommenden drei bis fünf Jahren.

3. Aktien ausgewählter Traditionsunternehmen, etwa aus der Ölindustrie, stehen vor einem Aufschwung.

4. Die Marktführer unter den Technologiewerten gewinnen weiter an Wert.
"Stolz sind wir schon", lacht Martin Amrhein, dem das Kunststück gemeinsam mit seiner Kollegin Beatrix Eisenblätter gelang. Allerdings nicht so sehr der Verdopplung wegen, sondern weil die beiden Anlageexperten mit ihrem SMH-International-UBS-Fonds nahezu die gesamte Konkurrenz abhängt haben. Im Langfristvergleich aller in Deutschland zugelassenen internationalen Aktienfonds steht das UBS-Produkt unangefochten an der Spitze; der Fonds fuhr in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich gut 44 Prozent Rendite pro Jahr ein. Das sind fast 18 Prozentpunkte mehr, als der Morgan-Stanley-Welt-Index jährlich zulegte. Das Erfolgsgeheimnis? "Billig kaufen, teuer verkaufen", witzelt Amrhein.

Wenn's doch nur so einfach wäre. Auf lange Sicht besser zu sein als der Index, das gilt auch unter Investmentprofis als hohe Kunst. Nur wenige Dutzend Fonds erreichen dieses Ziel. Im Angebot sind tausende. Hinzu kommt: Risiko und Rendite eines Fonds sollten in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Das aber kann ein Investor, der nur die veröffentlichte Performance sieht, unmöglich beurteilen.

Was tun? Echte Alternativen zu den gemanagten Portfolios gibt es für die meisten Privatanleger nicht. Eine Direktanlage in Wertpapieren empfehlen Investmentexperten in der Regel erst ab einem liquiden Vermögen von mindestens einer Million Mark.

Fonds hingegen stehen selbst bei Anlageberatern, die weitaus größere Depots managen, hoch im Kurs. Ihr großes Plus: Sie bieten breite Risikostreuung und professionelle Vermögensverwaltung in einem und gelten daher als ideale Bausteine für die private Vorsorge.

Mit Hilfe der Bad Homburger Analysegesellschaft Feri Trust hat manager magazin aus rund 2000 in Deutschland zugelassenen Aktienfonds diejenigen herausgefiltert, die in den vergangenen fünf Jahren verlässlich überdurchschnittliche Renditen erzielt haben und dabei vergleichsweise geringe Risiken eingegangen sind (siehe Bewertungsmethode). Das Resultat: eine umfassende Auswahl stabiler Spitzenreiter im turbulenten Börsengeschehen.

Aktienfonds sind unter Experten die eindeutigen Favoriten, wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht. Die Profis rechnen damit, dass der Aufschwung an den internationalen Wertpapierbörsen anhält. Kleinere Kurseinbrüche sind einkalkuliert.

"Jeder, der länger als fünf Jahre plant, braucht keine festverzinslichen Wertpapiere als Depotbeimischung, weil er genügend Zeit hat, Kursschwankungen an den Aktienmärkten auszusitzen", begründet Hendrik Leber von der Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis die Strategie.

Lediglich wer in absehbarer Zeit zumindest über einen Teil seines Vermögens verfügen muss, weil etwa die Pensionierung ansteht oder ein Hausbau geplant ist, sollte rechtzeitig in Renten umschichten. Auch in diesem Fall gilt allerdings: Kapital, das mittelfristig nicht benötigt wird, in Aktien lassen.

Viel Überzeugungsarbeit brauchen die Experten in diesem Punkt nicht mehr zu leisten. Deutschlands Anleger sind ohnehin schon im Börsenfieber. Allerdings scheinen sie bei ihren Investments vielfach eher den Werbekampagnen der großen deutschen Fondsgesellschaften zu folgen als strategischen Überlegungen.

50 Milliarden Euro ­ fast ein Viertel des insgesamt in Aktienfonds investierten Vermögens ­ verteilen sich auf zehn Fonds (siehe Tabelle "Publikumsrenner"). Keiner taucht in einer der mm-Hitlisten auf.

Das liegt nicht immer daran, dass die Megafonds schwache Leistungen abliefern. Teilweise sind die Produkte erst kurze Zeit am Markt und können daher noch keinem Langfristtest unterzogen werden, wie etwa der DIT-Wachstum Europa. Teilweise sind sie auf Regionen beschränkt ­ etwa Deutschland ­, die in der mm-Strategie keinen Platz haben. Dazu zählen beispielsweise der Dekafonds und der Investa.

Zum Teil sind sie aber auch schlicht nicht gut genug, um von mm empfohlen zu werden. Deutschlands mit Abstand größter Aktienfonds etwa, der Deka-Telemedien, hat in den vergangenen zwölf Monaten 53 Prozentpunkte weniger Rendite eingefahren als der Durchschnitt der Konkurrenz.

manager magazin hat vor dem Hintergrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation gemeinsam mit Anlagespezialisten eine Strategie für den Vermögensaufbau mit Aktienfonds entwickelt. Die mm-Tabellen bieten einen Überblick über die Spitzenreiter der empfohlenen Fondskategorien. Anleger können anhand der Ranglisten individuell auswählen.

Kategorie 1: Weltweit anlegende Aktienfonds

Sie bilden das Fundament eines ausgewogenen Aktienfondsportfolios (siehe Tabelle "Das Beste aus aller Welt"). Die Wertentwicklung dieser Produkte ist im Vergleich zu anderen Fondsarten überdurchschnittlich stetig, aus dem simplen Grund, dass "irgendwo auf der Welt immer eine Börse läuft" (Acatis-Manager Leber).

Das Siegerteam Amrhein und Eisenblätter setzt zusätzlich zur regionalen Streuung auf Investments in verschiedene wachstumsstarke Branchen wie etwa die Telekommunikation, das Internet oder die Halbleiter. Aber auch große Medienunternehmen wie Walt Disney oder der Pharmahersteller Glaxo sind im Portfolio.

"Der Kampf zwischen Wachstumstiteln und traditionellen Werten ist noch nicht entschieden, wir wollen bei beiden dabei sein", begründet Eisenblätter die Mischung.

Für Anleger mit genügend Zeit und Know-how bietet sich als Alternative zum weltweit anlegenden Fonds ein Produktmix an. Engagierte Investoren können sich aus den Topaktienfonds der drei großen Wirtschaftsregionen Europa, USA und Japan ein individuelles internationales Portfolio zusammenstellen (siehe Tabelle "Das Beste aus aller Welt").

Der Vorteil: Statt sich auf ein einziges Expertenteam verlassen zu müssen, verteilt der Anleger das Risiko auf drei Fondsmanager, die noch dazu Spezialisten für ihre jeweiligen Märkte sind.

Kategorie 2: Europäische Aktienfonds

Europa gilt unter den Anlageprofis derzeit als eine der weltweit interessantesten Anlageregionen. Der Umstrukturierungsprozess, in dem sich weite Teile der hiesigen Unternehmen bereits befinden, werde die Börsenkurse weiter treiben. "In den kommenden drei bis fünf Jahren spielt in Europa die Musik", sagt Frank-Peter Martin, Leiter des Portfoliomanagements beim Frankfurter Bankhaus Metzler.

Martin erwartet zunächst eine Aufholjagd von Aktien aus Traditionsbranchen, die in den vergangenen Monaten an den Börsen zurückgeblieben sind, etwa solchen der Ölindustrie. Langfristig setzt der Privatbanker aber auch weiter auf die Wachstumswerte der so genannten Neuen Wirtschaft.

In dem Siegerfonds der Kategorie "Aktien Europa", dem Threadneedle European Select Growth Fund, sind beide Arten von Aktien enthalten. Fondsmanager William Davies hat vor allem Titeln aus dem Mediensektor großes Gewicht eingeräumt. Aber auch die Telekommunikation ist mit Werten wie Vodafone, Nokia, Ericsson und Telefónica stark vertreten.

Kategorie 3: Wachstumswerte

Kleinere, unter Umständen noch wachstumsträchtigere Unternehmen, die an einem der europäischen Neuen Märkte gehandelt werden, kommen für die Portfolios großer, klassischer Aktienfonds oft nicht in Frage; sie besitzen eine zu geringe Marktkapitalisierung. "Wir müssen rund 14 Millionen Euro auf einen Schlag investieren können, ohne eine dominante Position im Aktionärskreis einzunehmen", erläutert Fondsmanager Davies.

Anleger sollten daher neben klassischen Europa-Fonds auch einen Anteil Spezialfonds im Depot haben, die gezielt auf die neuen Börsensegmente setzen. Ins mm-Rating konnten sie nicht aufgenommen werden, weil sie noch keine fünf Jahre existieren. Die Ein-Jahres-Renditen sind allerdings beeindruckend (siehe Tabelle "Die Trendsetter"). Sagenhafte 410 Prozent fuhr der Spitzenreiter DAC-Kontrast-Universal-Fonds ein.

Fondsmanager Bernd Vorbeck konzentriert sich vor allem auf Aktien des Neuen Marktes und mischt zur Risikostreuung internationale Technologie- und Biotechnologie-Werte bei. Vorbecks aktuell größte Position: das Biotechnologie-Unternehmen Morphosys.

Vor einem Crash am Neuen Markt hat der Anlageprofi keine Angst. "Korrekturen von 10 bis 20 Prozent, wie wir sie ja schon erlebt haben, halte ich für gesund. Sie machen einen dramatischen Zusammenbruch sehr unwahrscheinlich."

Vermögensverwalter Leber rät vor allem jungen Anlegern, die ein gutes Gespür für aktuelle Trends haben, zusätzlich in zwei oder drei Themenfonds zu investieren. Derzeit hält der Anlageexperte beispielsweise den Invesco GT Global Leisure Fonds (Wertpapier-Kennnummer 974035), der in die Freizeitindustrie investiert, den Baring GUF-Eastern Europe Fonds (WKN 986575) oder den UBS (Lux) Equity Fund-Biotech (WKN 986327) für interessant. Allesamt Produkte, die in ihren Kategorien in puncto Performance zur Spitzengruppe zählen.

Wichtig für Anleger, die solche Chancen wahrnehmen wollen: Die Wachstumsaussichten dieser Produkte müssen laufend beobachtet werden. Manche Anlagethemen sind nur einige Monate lang beliebt. Den Moment zum Ausstieg darf man nicht verpassen.

Für die prozentuale Zusammensetzung des Gesamtportfolios gibt es keine fixen Regeln. Leber empfiehlt, 70 bis 80 Prozent in klassische Fonds und 20 bis 30 Prozent in Wachstumswerte zu investieren.

Idealerweise sollte ein Fondsdepot um die sechs Positionen enthalten. Damit lässt sich eine gute Bandbreite von Anlageschwerpunkten abdecken. Die Erfahrungen der Profis zeigen, dass ein siebter oder achter Fonds die Risikostreuung nicht mehr wesentlich verbessert.

30 000 Mark gelten gemeinhin als Untergrenze, um ein solches Portfolio zusammenzustellen. Wer weniger hat, sollte schrittweise ansparen, idealerweise in vierteljährlichen Raten.

Pflichtprogramm sind dabei zunächst internationale und später europäische Fonds. Erst wenn auf diese Weise die Basis für den Vermögensaufbau geschaffen ist, sollten reine Wachstums- und Spezialprodukte folgen.

Skeptisch sehen viele Anlageprofis eine Fondskategorie, die den Privatanlegern all diese Probleme auf einen Schlag abnehmen soll: die Altersvorsorge-Sondervermögen (AS-Fonds).

Als Vorsorgevehikel für die breite Masse der Anleger wurden diese Fonds vom Gesetzgeber eigens mit bestimmten Restriktionen belegt, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. So müssen mindestens 51 Prozent des Fondsvermögens in so genannten Substanzwerten ­ Immobilien oder Aktien ­ angelegt sein. Gleichzeitig dürfen aber nicht mehr als 75 Prozent des Kapitals allein in Aktien stecken.

Viele Investmentexperten rieten schon bei der Einführung im Oktober 1998 von den neuen Produkten ab, prophezeiten magere Renditen auf Grund der eingebauten Sicherheitsklauseln.

Elisabeth Weisenhorn, Fondsmanagerin der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS), hat die Profis eines Besseren belehrt. Die Börsenexpertin entschloss sich, dem ihr anvertrauten Vorsorgeprodukt ein wenig Esprit zu verleihen (siehe Tabelle "Die Alleskönner"). Seither geht es im Portfolio des DWS Vorsorge AS (Dynamik) in der Tat dynamisch zu.

Weisenhorn nutzt die gesetzlich zulässige Aktienobergrenze voll aus, setzt auf Wachstumswerte (Vodafone, Ericsson) und steigt sogar in Neue-Markt-Titel ein (Qiagen, EM.TV, Mobilcom). Aufmerksam beobachtet sie die Wertentwicklung der einzelnen Papiere, nimmt kurzfristige Kursgewinne mit. Den Online-Dienst AOL hat die Fondsmanagerin innerhalb weniger Wochen gleich dreimal ge- und wieder verkauft.

Das Resultat: 112 Prozent Rendite in den vergangenen zwölf Monaten ­ mehr als so mancher reinrassige Aktienfonds vorweisen kann.

Ein den individuellen Bedürfnissen angepasster Fondsmix ist für die meisten Investoren dennoch die bessere Variante. Zum einen bleiben sie mit einem gut gemischten Portfolio flexibler. Zum anderen verteilen sie das Anlagerisiko auf eine Reihe verschiedener Spezialisten, anstatt sich auf einen einzigen Fondsmanager verlassen zu müssen.

Auch ein Star der Börsenszene wie Elisabeth Weisenhorn kann schließlich mal schief liegen.

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