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Jaguar XJ: Testfahrt mit 3M-Manager Günter Gressler

Foto: Christian Diehl

Jaguar XJ Kultivierter Sportler

Die "Rundum-Wohlfühl-Haptik" des neuen Jaguar XJ hat es mm-Tester Günter Gressler angetan. Der Generaldirektor von 3M Deutschland kann sich die spurtstarke Limousine als Dienstwagen vorstellen, trotz ein wenig straffer Federung und schlechter Sicht nach hinten.

Neuss - Sein gesamtes Berufsleben hat Günter Gressler bei 3M verbracht. Kein Wunder also, dass der 51-Jährige immer und überall in den Dimensionen des amerikanischen Konglomerats denkt, dessen deutsche Niederlassung er seit Anfang 2009 leitet. Im Cockpit des neuen Jaguar XJ fährt Gressler zum Beispiel genüsslich mit der Fingerkuppe über die üppigen Paneele. Zugleich fragt er aber auch: "Sind wir sicher, dass dies echtes Holz ist?"

Der Pluralis Majestatis soll deutlich machen: Er, Günter Gressler, bezweifelt, dass Jaguar auch heute noch, als Tochtermarke des indischen Tata-Konzerns, die britische Automobiltradition von Holz- und Ledermobiliar verfolgt. Zwar sagt der Jaguar-Prospekt eindeutig: "Walnuss, mattiert". Aber der 3M-Manager hält dagegen: "Unsere Maserungsfolien fühlen sich hölzerner an als so manche Vertäfelung."

Immerhin: Das im Innenraum ebenfalls großflächig vorhandene Leder überzeugt Günter Gressler durch seine tadellose Verarbeitung, durch akkurat gesetzte Ziernähte und durch eine "Rundum-Wohlfühl-Haptik, vor allem am Lenkrad".

Allerdings gibt es an diesem zentralen Bedienelement auch gleich etwas zu kritisieren: "Überfrachtet" sei der Volant, sagt Günter Gressler. Denn 21 Schalter und Knöpfe finden sich dort auf engstem Raum - die beiden Wippen für manuelle Gangwechsel nicht mitgezählt, die hinter den Lederspeichen angebracht sind. Den Tempomaten (drei Tasten) und das Abstandsradar (ebenfalls drei Tasten) lässt der Tester deshalb unbenutzt.

Selbst in lärmigen Tunneln ist nur leises Säuseln zu hören

Die Testfahrt führt von der 3M-Zentrale in Neuss über den Rhein, durch die vielspurigen Düsseldorfer Unterführungen schließlich auf die Autobahn 46 Richtung Wuppertal. Die Lenkung, findet Günter Gressler, sei "schön direkt", die Federung allerdings "deutlich straffer" als bei seinem Dienstwagen, einem BMW 730d. Dort kann der Fahrer die Dämpfung verstellen - ein Luxus, den der Testwagen nicht zu bieten hat.

Beim Vergleich lästiger Geräusche schneidet hingegen der Jaguar deutlich besser ab. Während der Fahrtwind bei Gresslers BMW schon bei relativ geringem Tempo ein störendes Fauchen in den Innenraum sendet, herrscht im XJ nur leises Säuseln - selbst in den lärmigen Tunneln. Der Motor, ein moderner Sechszylinder-Diesel wie beim BMW 730d, schnurrt großkatzenhaft-kultiviert.

An der Grenze zum Bergischen Land legt Günter Gressler den Sportmodus der Sechsgang-Automatik ein - und genießt die Spurtstärke, die sich jetzt aus 600 Newtonmetern Drehmoment ergibt. Steigungen nimmt der Diesel temperamentvoll, der neue XJ beschleunigt wie seine Vorfahren aus der Hochzeit britischer Sportlimousinen. Als störend fällt dem Tester jetzt nur noch die schlechte Sicht nach hinten auf: Das Heckfenster steht so schräg, dass kaum mehr als ein Sehschlitz übrig bleibt. Die Rückfahrkamera hilft nur beim Rangieren, nicht aber beim Vorwärtsfahren.

Und das Display des Zentralmonitors ist schlecht ablesbar: Auch das steht so schräg in der gebogenen Mittelsäule, dass einfallendes Sonnenlicht die Leuchtkraft des Bildschirms überstrahlt.

Nach der Rückkehr auf den 3M-Firmenparkplatz lobt Günter Gressler die langgestreckte, schnittige Coupé-Form des neuen XJ: "Ganz anders als die Vorgängermodelle". Und somit "genau richtig, um neue Kundenkreise zu erschließen". Der Manager könnte sich deshalb gut vorstellen, die "elegante Oberklasselimousine" als Dienstwagen zu bestellen. Freilich nur, wenn die Einkaufsrichtlinien seines Arbeitgebers dies zuließen, schränkt er ein. Günter Gressler bleibt eben ein 3Mler, durch und durch.

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