Sonntag, 20. Oktober 2019

Übernahmeplan ACS plant keine Hochtief-Zerschlagung

Hochtief: Die "Giftpille" Leighton stört ACS offenbar

ACS will Hochtief im Fall der Übernahme zwar als Ganzes erhalten. An der Komplettübernahme der australischen Hochtief-Tochter Leighton haben die Spanier aber kein Interesse. Das könnte die Hochtief-Abwehrstrategie stärken.

Berlin - "Wir planen keine Verkäufe. Das wäre gegen die strategische Logik", sagte eine ACS-Sprecherin der Tageszeitung "Die Welt". Dem Bericht zufolge soll dieses Versprechen auch im offiziellen Übernahmeangebot festgeschrieben sein, das ACS am Donnerstag bei der deutschen Wertpapieraufsicht Bafin abgeben will.

Bisher war bei Hochtief Börsen-Chart zeigen und im Umfeld befürchtet worden, dass ACS nach erfolgreicher Übernahme von Hochtief insbesondere deren hochprofitable australische Tochter Leighton verkaufen wolle. Die australische 55-Prozent-Beteiligung ist der größte Werttreiber im Hochtief-Konzern. 2009 entfielen alleine rund 80 Prozent des Konzerngewinns auf Leighton.

ACS hat eigenen Aussagen zufolge kein Interesse an einer Komplettübernahme von Leighton. "Wir haben nicht vor, irgendetwas an unserem indirekten Anteil an Leighton, den wir über Hochtief halten, zu ändern", sagte eine ACS-Sprecherin. Die Zeitung "The Australian" hatte den ACS-Manager Angel Garcia Altozano mit den Worten zitiert, es gebe zwar keine Pläne, Leighton vollständig zu übernehmen. Allerdings hätte er lieber 100 Prozent als nur 55 Prozent der Anteile.

Hochtief hofft auf die "Giftpille" Leighton

Hochtief hofft auf die australische Börsenaufsicht ASIC. So könnte ASIC die Spanier zu einem Übernahmeangebot für Leighton zwingen. Dies hatten die Essener vergangenen Dienstag beantragt. "Giftpille" heißt der Schachzug im Börsianer-Jargon. Ein Zwang zu einem Angebot dürfte die verschuldeten Spanier in die Knie zwingen, glauben Analysten. Leighton ist nämlich ein Schwergewicht: Das Unternehmen ist mit einem Börsenwert von rund 10,5 Milliarden Australischen Dollar (7,4 Milliarden Euro) etwa doppelt so viel wert wie Hochtief.

Die ASIC-Regeln besagen, dass ein Investor, der durch Übernahme eines Mutterunternehmens mehr als 20 Prozent an einem australischen Tochterunternehmen erlangt, ein volles Übernahmeangebot vorlegen muss. Dies gilt auch, wenn der Investor mit mindestens 20 Prozent an dem Mutterunternehmen beteiligt ist. Dies ist längst der Fall: ACS ist mit einem Anteil von 29,98 Prozent größter Hochtief-Aktionär.

Hochtief bereitet zurzeit weitere Maßnahmen zur Abwehr der Übernahmepläne vor. Noch am Montag wollte der sogenannte Ad-Hoc-Aufsichtsrat über die nächsten Schritte beraten. Der Ausschuss des Kontrollgremiums, in dem kein Vertreter von ACS sitzt, war eigens zur Abwehr der als feindlich angesehenen Übernahme gegründet worden.

ACS hatte vor gut drei Wochen angekündigt, seinen Anteil zunächst auf über 30 Prozent auszubauen, um die Beteiligung dann über Zukäufe an der Börse auf über 50 Prozent aufzustocken.

Deutsche Bauindustrie ist alarmiert

Der Übernahmeversuch bei Hochtief alarmiert inzwischen auch die deutsche Bauindustrie. Der Vorstoß des spanischen ACS-Konzerns könnte zum Vorbild für europäische Baufirmen werden, sich ebenfalls nach günstigen Kaufgelegenheiten in Deutschland umzusehen, fürchtet der Chef des Bauhauptverbands, Michael Knipper.

"Deutsche Unternehmen sind aufgrund der fehlenden Basis im Stammmarkt und aufgrund der geringen Renditen im Land anfällig für Übernahmen", sagte Knipper der "Financial Times Deutschland". "Meine große Sorge ist, dass von einer deutschen Bauindustrie im Weltformat kaum noch etwas übrig bleibt."

Knipper warf Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vor, die verbliebenen großen deutschen Baukonzerne mit unfairen Bedingungen allein zu lassen. Dazu zähle er abgeschottete Märkte wie in Spanien. "Wir alle wollen offene Märkte. Aber dann brauchen wir auch gleiche Wettbewerbsbedingungen in den einzelnen Märkten", sagte der Chef-Lobbyist der deutschen Baubranche. "In diesem Punkt würde ich mir von Herrn Brüderle mehr Kampfeswillen wünschen."

mg/dpa-afx

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