Samstag, 30. Mai 2020

Energie Welt ohne Öl

Erdöl: Wie eine Ökonomie ohne Öl funktionieren könnte
Osterwalder's Art Office

6. Teil: Eine Energiewende ist möglich

Die internationalisierten Produktionsnetze müssten zwangsläufig kleinräumiger werden, prophezeit Karim Barkawi, Gründer der gleichnamigen Managementberatung. Eine "globale Lokalisierung" stehe bevor. Will sagen: Die Wertschöpfung findet dort statt, wo die Verbraucher leben - und nicht mehr am Standort mit den niedrigsten Arbeitskosten. Als Beispiel nennt er ausgerechnet den chinesischen Baumaschinenhersteller Sany, der bei Köln ein Werk baut, um Europa zu beliefern.

Weil der Consultant aber auch weiß, welch radikale Abkehr von der Globalisierungsdoktrin der vergangenen Dekaden er da verlangt, schlägt er im ersten Schritt harmlosere Änderungen der Produktionsweise vor: "Wenn die Unternehmen weniger Produktvarianten anböten und wohldosierte Pufferbestände hielten, ließen sich viele Leerfahrten vermeiden."

Keine Billigklamotten aus Vietnam mehr, Schluss mit Erdbeeren zum Weihnachtsmenü und Mineralwasser von den Fidschi-Inseln - die Unabhängigkeit vom Öl verlangt Produzenten wie Konsumenten einschneidende Veränderungen ihrer gewohnten Verhaltensweisen ab. Ganz zu schweigen von gewaltigen Investitionen in energieeffizientere Technologien und ganz neue Energieformen.

Eine Energiewende ist möglich. Doch sie wird kostspielig und anstrengend. Noch teurer und unangenehmer kommt allerdings die Alternative Business as usual. "Mit jedem Jahr, in dem wir unseren Verbrauch an fossilen Energien nicht verringern, steigen die Kosten für die Vermeidung einer Katastrophe um eine halbe Billion Dollar", warnt Fatih Birol.

Eine horrende Summe, in die der IEA-Ökonom auch die Folgen des Klimawandels, andere Umweltschäden und Wirtschaftskrisen einrechnet. Für Birol hat das eine einzige logische Konsequenz: "Wir müssen jetzt entschlossen handeln."

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