Sonntag, 31. Mai 2020

Energie Welt ohne Öl

Erdöl: Wie eine Ökonomie ohne Öl funktionieren könnte
Osterwalder's Art Office

3. Teil: Umbau zu einer ölunabhängigeren Ökonomie

Steigende Nachfrage, schwindende Restreserven - bald könnte die Versorgung der globalen Wirtschaft mit ihrem wichtigsten Grundstoff eng werden.

"Die Abhängigkeit vom Erdöl führt uns in ein systemisches Risiko", nennt Umweltminister Norbert Röttgen die Gefahren von Energieknappheit, explodierenden Preisen, politischen Unsicherheiten und unkalkulierbaren Umweltschäden.

Die Alternative "weg vom Öl" klingt trivial. Wie aber soll der Ausstieg aus einer Wirtschaftsweise gelingen, die seit Jahrzehnten auf billiges Petroleum setzt? Bislang steigt das globale Verkehrsvolumen immer noch mit jedem Prozent Wachstum um 1,7 Prozent. Bislang wurden alle in den vergangenen 30 Jahren erzielten Effizienzfortschritte im Motorenbau in noch größere, schnellere, luxuriösere Wagen umgesetzt statt in Dreiliterautos. Bislang wird im Internet bestellte Kleidung dreimal hin- und hergeschickt, bis die richtige Größe im Schrank hängt.

Dass der Umbau zu einer ölunabhängigeren Ökonomie aller Trägheit im Denken und Verhalten der Wohlstandsmenschen zum Trotz funktionieren kann, lässt sich in Oberrosphe beobachten.

Die Bewohner des hessischen Dorfes ersetzten die Ölheizungen in ihren historischen Fachwerkhäusern durch Nahwärme. Mit Spaten und Hacke zogen sie im Frühjahr 2008 Gräben, um die sieben Kilometer lange Versorgungsleitung bis in ihre Keller zu legen. Am Ortsrand baute die eigens gegründete Genossenschaft ein Biomassekraftwerk. Die Holzschnitzel dafür liefert der Burgwald, der den idyllischen 800-Seelen-Ort umgibt.

Der Ölpreis ist den meisten Oberrosphern seither schnuppe.

Zwar wohnt nicht jeder Bundesbürger im Wald und kann Grünschnitt aus dem Garten im Heizwerk ums Eck verfeuern. Doch in der Haustechnik gibt es viele Möglichkeiten, den Ölbedarf zu senken.

Durch die Ölbrennwerttechnik zum Beispiel, die den Energiegehalt des Heizöls mit einem Wirkungsgrad von 98 Prozent ausreizt. Der Einbau eines solchen Kessels kann den Heizölverbrauch in einem Altbau um 30 bis 50 Prozent reduzieren. Liefert dazu eine Solarthermieanlage auf dem Dach vorgewärmtes Wasser für Dusche und Heizkörper, sinkt der Bedarf um weitere 10 bis 30 Prozent. Wer dann das Haus dämmt und Isolierfenster einbaut, kann seine Heizkosten insgesamt um bis zu 90 Prozent kappen.

Im Schnitt lässt sich im deutschen Wohnungsbestand der Energiebedarf um die Hälfte reduzieren, errechnete der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) - das wären rund 12 der 24 Millionen Tonnen Heizöl, die Jahr für Jahr aus deutschen Schornsteinen rauchen.

Zudem ändert sich der Energiemix im Wärmemarkt in den kommenden Jahren stark. "Der Anteil regenerativer Quellen wird bis 2020 von derzeit 8 auf 14 Prozent steigen", prognostiziert BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke. Vor allem Zentralheizungen, die Holzpellets verbrennen, seien gefragt, dazu Erdwärme und Wärmepumpen. Zudem könne Bioheizöl der zweiten Generation, das aus den Abfällen statt aus den essbaren Teilen von Pflanzen gewonnen wird, den Einsatz von Erdöl verringern.

Alternativen zum Heizöl gibt es also genügend - sie werden umso attraktiver, je teurer der fossile Brennstoff wird.

© manager magazin 8/2010
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