Montag, 17. Juni 2019

Kik-Besitzer Stefan Heinig Ramsch ist sein Leben

Kik, Tedi, Woolworth: Deutschlands Ramschkönig
KiK

2. Teil: Grundversorger Kik

Ebenso wenig wie seine Reklame-Ikone Verona Pooth und seine Kunden ist Heinig ein Intellektueller, weder von der Herkunft noch von der Ausbildung. Ohne eigenes Startkapital hat er sich hochgearbeitet - die typische Tellerwäscherkarriere. Seine Jugendliebe heiratete er, lange bevor Geld ihn interessant machte.

Privatleben und Familie schirmt der öffentlichkeitsscheue Unternehmer konsequent ab. Noch heute leben die Heinigs in Dortmund, wo Jost Stefan 1962 geboren wurde. Die Eltern riefen ihn Stefan; der vorangestellte Name geriet allmählich in Vergessenheit. Sein Vater betrieb damals in Dortmund ein Teppichgeschäft. Ihm, sagt der Sohn, verdanke er die Vermittlung kaufmännischer Grundtugenden: Zahle pünktlich, halte Vereinbarungen ein - auch ohne Unterschrift - und liefere termingerecht.

Nach der Realschule absolvierte Stefan eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann beim Textilgrossisten Gustav Steinweg in seiner Heimatstadt. Beileibe keine Herrenjahre - er musste alles erledigen, was anfiel, und hatte einen strengen Lehrmeister.

Ehrgeizig war er schon immer, nach der Lehre bildete er sich zum Handelsassistenten fort. Beim Filialisten Modea im münsterländischen Telgte traf Heinig nach seinem Vater und seinem Lehrherrn abermals auf einen Mann, der ihn prägen sollte: auf Walther Seinsch (68).

Der ehemalige Bluseneinkäufer bei Kaufhof hatte Modea 1982 gemeinsam mit dem - mittlerweile insolventen - Bekleidungshändler Hettlage gegründet. Modea heißt heute Takko und hat seinen Sitz noch immer in Telgte. 1990 erwarb die Mülheimer Tengelmann-Gruppe die Mehrheit, die sie bis 1999 hielt.

1992, mit nicht einmal 30 Jahren, bekam Heinig (Seinsch: "Mein bester Mann") Gesamtprokura. Doch Modea war dem jungen Mann nicht konsequent billig genug. Je länger er dort arbeitete, desto mehr reifte in ihm der Plan, eine eigene Firma aufzumachen: Einen Discounter, der in 1000 Filialen Bekleidung zu nicht unterbietbaren Preisen verkaufen sollte.

Heinig besprach sich mit seinem Mentor Seinsch, der gute Kontakte zu den Tengelmann-Gesellschaftern, der Familie Haub, pflegte. Die Haubs luden Heinig zur Präsentation des von ihm und Seinsch entwickelten Konzepts in die Mülheimer Unternehmenszentrale ein.

Da stand er nun - in Jeans und Turnschuhen, umgeben von 30 Anzug- und Krawattenträgern. Großenteils schlug ihm Skepsis entgegen, auch vom Familienoberhaupt Erivan Haub (77). Allein der Fürsprache des ältesten Sohnes, Karl-Erivan ("Charly") Haub (50), hatte Heinig es zu verdanken, dass Tengelmann als Geldgeber einstieg. Eine Entscheidung, die für die Haubs zu ihrer lukrativsten Investition überhaupt werden sollte.

1994 wurde in Telgte die Kik Textilien und Non-Food GmbH gegründet. Geschäftsführer waren Seinsch und Heinig. Seinsch erwarb einen Anteil von 15 Prozent, den er 1998 an Tengelmann abgab.

Der Name Kik im schockroten Logo hatte ursprünglich keinerlei Bedeutung. Er erfüllte lediglich Heinigs Anforderung, möglichst kurz zu sein. Der sparsame Händler hatte gelernt, dass viele Kommunen bei Ladenbeschriftungen die Installation einzelner Leuchtlettern anordneten - jeder Buchstabe mehr wäre also ein zusätzlicher Kostenfaktor gewesen. Schließlich leitete Fußballfan Heinig den Firmennamen einfach von der Sportgazette "Kicker" ab. Erst viel später wurde Kik etwas holprig als Abkürzung von "Kunde ist König" interpretiert.

Heinig verstand Kik von Anfang an als Grundversorger. Der Slogan "Kleidung clever kaufen" meint vor allem Basics - von Socken über Shorts zu Shirts. Auch er selbst und seine Familie tragen Kik nur auf der Haut, darüber Markenklamotten.

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