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Übersicht: Die größten Truckhersteller der Welt

Foto: A3462 Marcus Führer/ dpa

MAN Neue Heimat Wolfsburg

Ferdinand Piëch hat entschieden. Er will den ganzen MAN-Konzern, inklusive der Schiffsmotoren. Auf dem Papier hat Volkswagen schon alle Bestandteile des Münchener Dax-Konzerns eingegliedert.
Von Michael Freitag und Thomas Katzensteiner

Vom Großaktionär Volkswagen gerührt, vom Korruptionsskandal geschüttelt, vom Nachfrageeinbruch beinahe umgeworfen - es ist keine leichte Zeit, die der MAN-Konzern durchlebt. Bevor in der Münchener Zentrale allzu viel Trübsal geblasen wird, will der Chef Georg Pachta-Reyhofen (55) die Stimmung deshalb mit einem neuen Markenslogan aufhellen und die dunklen Zeiten hinter sich lassen. Ersonnen von der Düsseldorfer Agentur Ogilvy, wird die Botschaft ab Herbst auf Plakatwänden unters Volk gebracht - mit Sprüchen wie: "Kann man die Tower-Bridge mit Müll beleuchten? MAN kann!"

Was man mit MAN  so alles anstellen kann und könnte, darüber wird derzeit in Banken- und Investorenkreisen heftig spekuliert. Volkswagen  hält 29,9 Prozent der Anteile am Truck-Spezialisten, eigentlich wollten die Wolfsburger längst die Mehrheit besitzen. Jetzt gehen allerdings die Porsche-Übernahme und die anstehenden Milliardeninvestitionen zunächst vor. So ganz schnell wird wohl nichts aus der fest anvisierten Übernahme und Integration des Münchener Dax-Konzerns.

Etliche große Investoren haben dennoch bereits ihre Fühler nach Wolfsburg ausgestreckt. Sie würden Volkswagen gern ein Stückchen MAN abnehmen. Denn die Münchener bauen nicht nur schwere Lastwagen und Busse, ihre Tochter Diesel & Turbo produziert auch schwere Motoren, etwa Schiffsdiesel, sowie Turbinen und chemische Reaktoren. Diese Geschäfte sind äußerst profitabel. Selbst im Krisenjahr 2009 erreichte die Umsatzrendite vor Steuern 13,2 Prozent.

Interessierte Investoren blitzten ab

"Wir würden das gern kaufen. Aber da sind wir nicht die Einzigen", sagt ein namhafter Investor. Offenbar, so ist im Umfeld des Konzerns zu hören, lief mancher Interessent sogar mit fertigen Finanzierungskonzepten auf. Zum Beispiel, schlugen die Finanzexperten vor, könne MAN seine Trucksparte auf direktem Weg an VW verkaufen und den Rest, zu dem auch eine 23-Prozent-Beteiligung am Druckmaschinenhersteller Manroland und der Getriebespezialist Renk gehören, anschließend einem Investor geben.

Doch aus den Einkaufsplänen dürfte nichts werden. Davor steht einer, der im VW-Konzern schon seit gefühlten Ewigkeiten das letzte Wort zu sprechen hat: Ferdinand Piëch (73), in Salzburg beheimateter Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen wie bei MAN. Als sich jüngst intern Verkaufsgerüchte verbreiteten, versprach Piëch den MAN-Arbeitnehmervertretern, dass Diesel & Turbo nicht verkauft wird. Auch Renk soll im Konzern bleiben. Zur Disposition stehen könnte demnach lediglich die Beteiligung an Manroland.

Der langjährige VW-Chef ist sogar schon einen Schritt weiter. Denn die Wolfsburger Konzernspitze um den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn (63) hat in ihrem künftigen Elf-Marken-Reich einen Platz für die Großmotoren gefunden.

Platz für Diesel & Turbo sowie für Renk im Industriegeschäft

Die Tochter, Umsatz: knapp vier Milliarden Euro, soll an die künftige Trucksparte des Konzerns angegliedert werden. Dort will Winterkorn neben die Lkw-Marken Scania  und MAN eine Säule namens Industries stellen. In den Bereich sollen außer MANs Großmotoren und Turbinen auch die Blockheizkraftwerke für jedermann eingeordnet werden, die die Wolfsburger seit dem vergangenen Jahr vermarkten. Verantworten wird diese Einheit Jochem Heizmann (58), aktuell nach seiner Abberufung als Produktionschef nur mäßig beschäftigter Konzernvorstand.

Ausgerechnet jene Fahrzeuge, die als VW-Nutzfahrzeuge firmieren, werden allerdings nicht in Heizmanns Reich eingegliedert. Autos wie der Transporter Crafter, der Multivan oder der Pick-up Amarok fallen künftig unter die Verantwortung von VW-Markenchef Winterkorn. Die in Brasilien gebauten schweren VW-Lkw hatte der Konzern bereits Ende 2008 an MAN abgegeben. Die leichten Nutzfahrzeuge gleichen eher Pkw als MANs und Scanias Trucks. Winterkorn hatte deshalb bereits vor zwei Jahren intern klargestellt, dass er die in Hannover ansässigen VW-Nutzfahrzeuge enger an Wolfsburg binden will.

Eine ähnliche Konstruktion hat auch Daimler-Chef Dieter Zetsche (57) gewählt. Wolfgang Bernhard (49), als Vorstand von Mercedes-Benz Cars eigentlich für Nobelautos zuständig, führt parallel auch die Transportersparte.

In München ist die Stimmung derzeit - dem piëchschen Versprechen zum Trotz - eher gedrückt. Zwar freute sich die MAN-Spitze im ersten Quartal 2010 über eine Auftragssteigerung um 54 Prozent gegenüber dem für den Lkw-Verkauf desaströsen Vorjahr. Die Umsatzrendite erreichte immerhin 4 Prozent.

Doch im Management rumort es. Der Konzern wirke bisweilen wie gelähmt, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Vorstand gebe keine klare Richtung vor, warte stattdessen auf Signale aus Salzburg. Seit dem Abgang des langjährigen Vorstandschefs Håkan Samuelsson (59) hätten allzu viele Leute Angst, eigene Entscheidungen zu treffen.

Die Situation in München ist kompliziert. Volkswagen nimmt zwar Einfluss, hält aber nur 29,9 Prozent der MAN-Anteile und kann deshalb nicht zügig durchregieren. Die geplante Integration in die Truck-Sparte würde vieles vereinfachen. Am liebsten wäre es deshalb vielen in München, MAN könnte zügig in Wolfsburg unterschlüpfen.

Doch was MAN wirklich kann, wird am Ende immer noch in Salzburg entschieden.

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