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Forstwirtschaft: Der Wald als Geldanlage

Foto: Enno Kapitza für manager magazin

Rohstoffe Die Waldmeister

Wald statt Aktien und Mietshäuser: Investments in Baum und Borke boomen - sind aber riskant. Das sagen zumindest diejenigen, die schon ein paar Generationen dabei sind.

Schlamm spritzt, als sich der VW Tiguan durchs Gelände wühlt. Nach dem Wolkenbruch wirft die Sonne glitzernde Lichtspeere durchs Blätterdach, ein Specht klopft, und Hans-Peter Fritzsche (56) gerät ins Schwärmen. "Traumhaft hier, oder?" In schweren Gummistiefeln stapft er auf Buchen zu, die beisammenstehen wie ein Grüppchen tratschender Marktweiber, dazwischen kleine Fichtenkolonien, Unterholz, eine verirrte Douglasie. Tiefer Tann irgendwo im östlichen Bayern.

Fritzsche, blaue Augen und korrekte Krawatte, tritt auf die Lichtung und tätschelt einen Stamm. "Bäume sind Heiligtümer", sagt Hermann Hesse. Fritzsche sagt: "Gute Altersstruktur, schöne Mischung aus Laub- und Nadelholz, und die Buche stützt gegen Windwurf."

Wo Wanderer eine lauschige Picknickwiese sehen, Verliebte zum Tête-à-tête unter Eichen weilen, der Dichter unter Buchen die Muse sucht und von Kathedralen schwärmt, die Fichten errichten - da sieht Fritzsche einen Produktionsstandort. Eine Fabrik, die still vor sich hin wächst und doch in Schuss gehalten werden will. Als Forstdirektor derer zu Thurn und Taxis ist er verantwortlich für Hege und Pflege der mehr als 19.000 Hektar Wald des Fürstenhauses. Über viele Kilometer zieht sich der Forst auf den Hügeln entlang der Donau von Regensburg nach Osten. Fritzsches Aufgabe ist es, das grüne Gold in echtes Geld zu verwandeln.

Viele Jahre interessierte das kaum jemanden: "Forstbesitzer wurden eher belächelt", sagt Fritzsches Chefin, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (50). Sie galten als exzentrische Waldschrate, und wer wirklich Geld verdienen wollte, interessierte sich für Bäume nur als Ausgangsmaterial für das Papier, auf dem Fondsanteile notiert wurden. Fritzsche sagt: "Heute gibt es einen regelrechten Hype um Wald." Gert Waltenbauer, Geschäftsführer des Fondsinitiators KGAL und Sohn eines Holzkaufmanns, meint: "Viele investieren in Wald, weil er wenig mit Schwankungen an den Börsen korreliert ist, Inflationsschutz bietet und vom allgemeinen Rohstoffboom profitiert."

Weltweit wird das Anlagevolumen institutioneller Investoren in Wald auf 30 Milliarden Dollar geschätzt. Und auch in den deutschen Depots grünt es in letzter Zeit mächtig. Fonds werden aufgelegt, riesige Flächen spielen "Bäumchen, wechsle dich". Zahlreiche Anbieter wie etwa Life Forestry bieten direkte Forstbeteiligungen in Übersee und locken in Hochglanzprospekten mit Traumrenditen von 12 Prozent und mehr. Es leuchten Beispiele wie die von Eliteunis wie Harvard oder Yale, die zeitweise zu den größten privaten Waldbesitzern gehörten und damit üppige Gewinne erwirtschafteten.

Tatsächlich verstrahlt die Waldanlage in unsicheren Zeiten den soliden Charme der deutschen Eiche. Die Weltbevölkerung wächst, sie braucht Bauholz, Möbel und Papier. So schätzt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN, dass der Holzverbrauch bis 2050 um die Hälfte zunehmen wird. Weil gleichzeitig der Regenwald schrumpft, werden die Preise steigen.

"Wald gilt als einer der Wirtschaftssektoren mit den höchsten Wachstumsprognosen", sagt Michael Köhl, Leiter des Hamburger Instituts für Weltforstwirtschaft. Der "NCREIF Timberland Index", eine Art Dax  für Forstflächen, hat sich über 20 Jahre mit einem Zuwachs von im Schnitt 15 Prozent deutlich besser entwickelt als die meisten Aktien - allerdings auch, weil steigende Bodenpreise in den Index mit einfließen (siehe Grafik links).

Bäume haben den Vorteil, dass sie auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten wachsen und ihren "biologischen Zins" erhöhen; zusätzlich winken Gewinne aus der Wertsteigerung des Bodens, dem möglichen Verkauf von Emissionsrechten - und das gute Gefühl, Ökologie und Ökonomie zu einem sinn- und gewinnstiftenden Ganzen zusammenzufügen. Schließlich tauchte der Begriff Nachhaltigkeit schon 1592 erstmals in der sächsischen Forstordnung auf.

Doch ein Investment in Wald kann auch leicht auf den Holzweg führen. Sturmschäden, Feuer, der Borkenkäfer und politische Risiken gerade in Ländern außerhalb Europas können manch selbst ernanntem Waldmeister die Gewinne verhageln. Im Unterholz des Kleingedruckten verbergen sich viele Fallen, der grüne Markt entpuppt sich oft als ziemlich grau. "Wald hört sich gut an, weil jeder glaubt, die Sache zu verstehen", sagt Martin Weber, Professor für Bankbetriebslehre an der Uni Mannheim. "In Wahrheit ist der Markt intransparent, der Holzpreis schwankungsanfällig, und Renditen über 10 Prozent sind generell unseriös." Auch im Wald wachsen die Gewinne nicht in den Himmel.

Was also soll der Anleger tun, der den Wunsch verspürt, sein Depot aufzuforsten? Worauf ist bei Investments zu achten, wer schlägt eine Schneise ins Anlagendickicht - und wie wird man überhaupt Waldbesitzer?

Der Wald als Sparkasse

Deutschland ist zu gut einem Drittel bewaldet, 34 Milliarden Bäume wachsen hierzulande und bilden die größte europäische Quelle für nachwachsende Rohstoffe, 170 Milliarden Euro Umsatz werden damit jedes Jahr gemacht. Den Löwenanteil halten Länder und Kommunen; die rund zwei Millionen privaten Waldeigner, die über 44 Prozent der Fläche verfügen, besitzen im Schnitt gerade mal 2,5 Hektar. Größter Waldmeister sind die Thurn und Taxis', gefolgt von anderen Adelsgeschlechtern wie den Fürstenbergs oder den Hohenzollern.

Entgegen einem verbreiteten Vorurteil ist es nicht allzu schwierig, selbst Wald zu erwerben, zu Preisen zwischen 7000 und 12.000 Euro pro Hektar. Für einen ausgewachsenen Forstbetrieb ab tausend Hektar sind da schnell zehn Millionen Euro fällig. Immerhin: Bei Kleinflächen übernimmt die Bewirtschaftung oft die örtliche Forstbehörde gegen ein überschaubares Entgelt. Auch steuerlich ist Wald interessant: Die Flächen werden nicht mit ihrem vollen Wert angesetzt, sondern nur mit einem Bruchteil davon, dem Einheitswert. Und der Wald als "Betriebsvermögen" kann nach einer Sperrfrist von sieben Jahren steuerfrei vererbt werden - gerade für große Vermögen ein nicht unwichtiger Aspekt.

All das, gepaart mit dem Drang, mehr grüne Sicherheit ins Depot zu bringen, führt dazu, dass Andreas Eßer seit einiger Zeit ziemlich viel zu tun hat. Eßer arbeitet für den Waldmakler Greif & Meyer im rheinischen Lohmar, 2009 hat er mehr als tausend Hektar verkauft, doch bei aller berufsbedingten Euphorie rät der bedächtige Forstingenieur zu Vorsicht und genauer Prüfung. "Wald ist kein Spekulationsobjekt, entscheidend ist der Naturalwert." Und der hängt ab von der Holzmenge, der Qualität (billige Kiefer oder teure Eiche), der Erschließung (Hanglage, Wegeanbindung), der Nähe zu den Abnehmern und der Region: "Süddeutschland ist gut, in Brandenburg kann man viel falsch machen."

Gewinne kommen dann aus dem Holzverkauf, der Jagdpacht und der Wertsteigerung des Bodens, doch mehr als 1 bis 3 Prozent Rendite sind nicht drin, meint Eßer. Für die meisten seiner Kunden steht deshalb weniger der Gewinn, sondern Sicherheit im Vordergrund. Der Wald fungiert als Sparkasse, die man nicht ständig umschichten muss und die trotzdem ein paar Euro abwirft - oder auch mal Material für einen neuen Dachstuhl liefert.

Bei derartigen Markt- und Margenbedingungen müssen selbst Waldchampions wie die Thurn und Taxis' auf jeden Ast und Euro schauen. Seinen Forst hat das Fürstenhaus größtenteils im 18. und 19. Jahrhundert erworben; jetzt bringt schiere Größe den Gewinn. Über den Umsatz schweigt sich das Fürstenhaus aus, doch es gibt Schätzungen: Pro Hektar lassen sich üblicherweise zehn Festmeter Holz im Jahr einschlagen. Bei einem Durchschnittserlös von 50 Euro pro Festmeter käme Gloria von Thurn und Taxis also auf rund zehn Millionen Euro Waldumsatz im Jahr, plus einige Hunderttausend aus Jagdpacht und Abbauverträgen. "Es bedarf einer hohen Kapitalbindung, um vom Wald auskömmlich zu leben", sagt die Fürstin trocken.

In der hauseigenen Forst GmbH arbeiten 45 Leute daran, den Bäumen, die im Schnitt hundert Jahre bis zur Schlagreife benötigen, auf die Sprünge zu helfen. "Der Bestand muss erzogen werden", sagt Forstdirektor Fritzsche und stoppt an einer Buche, die ein weißes Band um den Stamm trägt. Es ist ein "Z-Baum", um den herum andere Bäume - die "Bedränger" - gefällt werden, damit er schneller wächst. "Mit diesem Konzept reduzieren wir die Umtriebszeit um bis zu 20 Jahre", sagt Fritzsche, macht ein Kreuz auf seiner Karte an einer Stelle, wo "durchforstet" werden soll und freut sich über den jungen Buchenschleier im Unterholz, weil er zeigt, dass Rehe, die natürlichen Feinde des Waldbauern, hier nicht zum Biss kommen.

"Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Wald einfach wächst, ohne dass man etwas macht", sagt Fürstin Gloria. Hinter dem Blätteridyll stehen Bewirtschaftungspläne, Einschlagsvorgaben und Marktanalysen, die der Spaziergänger nur in Form von kleinen Kreuzen an den Stämmen (gelb: Fällen!) und dem gelegentlichen Dröhnen der "Harvester"-Erntemaschinen wahrnimmt.

Das kostet. Zeit, Geld, Planungsaufwand; und weil das alles recht mühsam ist, haben selbst die Thurn und Taxis nicht nur einige Forstaufgaben delegiert, sondern in den vergangenen Jahren im Zuge einer Umstrukturierung des waldlastigen und damit niederrentierlichen Portfolios auch stetig Flächen verkauft. An Interessenten wie die Merckle-Familie, die den sicheren Anteil im Depot erhöhen wollten und möglicherweise auch die Steuervorteile im Blick hatten. 28.000 Hektar besaßen die Thurn und Taxis' nach dem Zweiten Weltkrieg; doch "derzeit wird Wald verkauft und höchstens kleinere Gebiete zur Arrondierung erworben", sagt Fürstin Gloria. 20 bis 25 Prozent macht der Wald noch vom Vermögen aus.

Echter Wald zum Anfassen, da nähren sich Anleger und Eichhörnchen also mühsam in Deutschland. Wer mehr will, ohne auf Wald zu verzichten, sucht andere Anlageformen (siehe Kasten links). Etwa, ganz klassisch, die Investition in Zertifikate und Aktien von Firmen, die im Geschäft mit den Stämmen tätig sind - Plum Creek etwa, ein Real Estate Investment Trust (Reit) und größter Waldbesitzer in den USA, oder die kanadische Firma Sino Forest, die vor allem in China auf Hunderttausenden Hektar mit Pappeln und Eukalyptus aktiv ist. "Der Vorteil ist die Liquidität, der Nachteil besteht in der Kopplung an den Aktienmarkt", erklärt Anlageexperte Hendrik Leber von Acatis. Tatsächlich können die Schwankungen enorm sein: Im Krisenjahr 2008 etwa fielen die Kurse der hundert größten holzverarbeitenden Firmen um satte 50 Prozent.

"Da sollte man sehr genau hinschauen"

Eine andere Möglichkeit sind offene Waldfonds. Den ersten dieser Art hat die Privatbank Pictet aufgelegt; seither hat er jährlich knapp 8 Prozent Rendite erwirtschaftet. "Die Eintrittshürden sind niedrig, und es gibt keine Haltefristen", sagt der studierte Forstwirt und Fonds-Co-Manager Christoph Butz.

Eher unbekannt ist die Strategie, in sogenannte TIMOs (Timber Investment Management Organization) zu investieren. Die meist Anfang der 70er entstandenen Anlagegesellschaften wie Hancock oder Campbell bündeln das Geld institutioneller Investoren, um Wald aktiv zu bewirtschaften. In TIMOs haben etwa Yale und Harvard investiert.

Das Problem: Der Einstieg beginnt erst ab siebenstelligen Summen. Mit einer Ausnahme: Der Phaunos Timber Fund ist an der Börse notiert; Anleger können über Aktien vom Know-how und der Hebelwirkung großer Summen profitieren. Insgesamt, meint Experte Leber, seien Aktien, Fonds und Zertifikate immerhin "eine ehrliche und transparente Sache", die als Absicherung in großen Vermögen mit einem Anteil von 5 bis 10 Prozent im Portfolio sinnvoll sein können - wenn auch die Renditen selten die 8-Prozent-Marke überschreiten.

Unübersichtlicher präsentiert sich die Lage bei direkten Forstbeteiligungen und geschlossenen Fonds. Das Geschäft mit Immobilien oder Schiffen ist schwierig geworden; nun werden hölzerne Anlageformen massiv beworben. Manche versprechen Renditen von 15 Prozent oder mehr mit Teakholzplantagen in Asien oder Pappeln in Paraguay. Allein in Deutschland wollen die Initiatoren geschlossener Fonds derzeit 450 Millionen Euro einsammeln.

Doch das Risiko ist hoch: "Jeder Anbieter investiert woanders, pflanzt andere Bäume und beteiligt Anleger auf unterschiedliche Weise am Ertrag", sagt KGAL-Geschäftsführer Waltenbauer. Manchmal erwirbt der Anleger ein Grundstück, manchmal nur die Bäume - und partizipiert damit nicht an der Wertsteigerung des Bodens. Die Laufzeit bis zur Ernte beträgt nicht selten 25 Jahre - da kann viel passieren, von Währungsrisiken über falsche Preiskalkulation bis hin zu Verlusten durch Waldbrände. Dann herrscht Kahlschlag im Depot.

Und im Unterholz der geschlossenen Fonds tummeln sich viele Scharlatane - der Konkurs des Schweizer Anbieters Prime Forestry 2006, der Teakplantagen in Panama beförstern wollte und stattdessen die Anlagegelder in die Karibik verschob, steht vielen noch mahnend vor Augen. "Seither habe ich kaum einen Anbieter in diesem Segment gesehen, bei dem ich kein Bauchgrimmen bekommen hätte", sagt Forstanlagenexperte Köhl. "Da sollte man sehr genau hinschauen."

Zum Beispiel bei Life Forestry, die derzeit mit Anzeigen ("Ökologie und Ökonomie in Harmonie") in den Markt drücken und Anteile an Teakplantagen in Costa Rica oder Ecuador verkaufen. Dabei gab es gerade mit Teak immer wieder überhöhte Gewinnaussichten - und traurige Abstürze. Denn das harte, wertvolle Teakholz wächst in Naturwäldern besser; Plantagen erzielen längst nicht diese Qualität - und auch nicht diese Preise. Auch fehlt bei Life Forestry eine detaillierte Beschreibung der Kosten etwa für Pflanzung und Pflege. Und: Die Bäume werden individuell den Kunden zugeordnet - sterben sie ab, hat der Investor Pech gehabt.

Bei direkten Forstbeteiligungen ist also Holzauges Wachsamkeit gefordert. Neben Region, Holzart und Kosten sollten Kunden vor allem das Management genau prüfen.

Überhaupt stünde dem Hype ums Holz etwas mehr nüchterne Ratio gut zu Gesicht, ein kühler Vernunftwind, der das deutsche Sehnsuchtsthema Wald zum einen und übersteigerte Renditeerwartungen zum anderen ein wenig durchpustet. Meint kein Geringerer als der Präsident des Verbands der privaten Waldbesitzer, Philipp Freiherr von und zu Guttenberg (37). Der Bruder des Verteidigungsministers empfängt auf seinem in Schönbrunner Gelb getünchten Anwesen am Chiemsee mit Blick auf die Alpen, drei Hektar Wald und einem schmucken Teich. Standesgemäß in Gummistiefel und derbes Fleece gewandet, das Haar zurückgegelt und einen lausbubenhaften Zug um den Mund, der an den jungen Charlie Sheen erinnert, betrachtet Guttenberg die Aufgeregtheiten um Baum und Borke mit der Abgeklärtheit alten Adels, der über rund 5000 Hektar in Deutschland und Österreich verfügt.

"Wald weckt Emotionen, sicher", sagt Guttenberg. Als x-beliebige Anlage, nach dem Motto "Heute Pfizer , morgen Fichte", seien Bäume aber denkbar ungeeignet: "Man braucht enorm viel Fachkenntnis. Unter reinen Renditeaspekten kann ich von Wald nur abraten."

Bäume sind nichts für Hasardeure

Ein erstaunlicher Satz für einen Waldbesitzer-Präsidenten; dabei bringt er die diffuse Gemengelage auf den Punkt: Bäume sind nichts für Hasardeure. Bei allen Investments ist da immer diese Mischung aus idealistischer Idylle und Renditeerwartung. Deshalb: "Wer den Wald nicht im Herzen hat, der sollte die Finger davon lassen, egal in welcher Form."

Auch die Guttenbergs leben längst nicht allein vom Wald; die Familie ist vor allem in Immobilien und Aktien investiert, das Kapital stammt aus dem Verkauf von Anteilen an den Rhön-Klinken . Im Portfolio ist Wald die "stabilitas", wie Guttenberg sagt, ein sicherer Anker, der nicht viel an Wert gewinnt - aber auch nichts verliert. Sicher, die Chancen sind groß - Guttenberg hebt die Hand mit der Marlboro Light und zählt auf: Klimawandel, Peak Oil, Verdoppelung der Weltbevölkerung, "die Zukunft schreit nach Holz".

Nur leider: Vorhersehen könne man das nicht. Der Holzpreis etwa ist ein windiger Gesell, zwischen 1990 und 2005 um fast 30 Prozent gefallen, steigt er seither wieder. Vorausgesetzt, es kommt keine "Kalamität", wie Guttenberg vornehm die gefürchtete Trinität aus Sturm, Käfer und Feuersbrunst umschreibt. Nichts für schwache Nerven also, und dabei soll die Natur doch Labsal für die Seele sein. Ist auch so, meint der Freiherr, wenn die eigene Einstellung stimmt: Wichtiger als schnöder Mammon sind die Verantwortung für die Natur und das "Gefühl von Besitz und Freiheit".

Damit die nicht zum hölzernen Grab werden, sieht Guttenberg die Mindestgröße bei rund hundert Hektar. Gute Bonität, versteht sich, und möglichst geschlossene Flächen. Das erleichtert die Bewirtschaftung und erlaubt - ab 75 Hektar - die Verpachtung an Jäger.

Hundert Hektar kosten rund eine Million Euro - um erfolgreich in Wald zu investieren, sollte man also über das entsprechende Kleingeld verfügen. Oder eine dieser Ideen haben, denen die Nachwelt später das Attribut "fix" oder "visionär" verpasst, je nachdem. Eine Idee also, wie sie Peter Lepper (64) hatte, Gründer und Besitzer von Technisat. Der eigenwillige Unternehmer aus dem Vulkaneifelstädtchen Daun befand im Sommer 2008, es sei erstens an der Zeit, Geld in "etwas Nachhaltiges zu investieren" und zweitens die Energieversorgung seiner Firma neu zu sortieren.

Flugs gründete er die Eifelacker & Wald GmbH, kaufte 50 Hektar Wald und 120 Hektar Ackerfläche. Auf den Feldern ließ er Miscanthus pflanzen, auch bekannt als Chinaschilf. "Zusammen mit Hackschnitzeln aus Holz soll der Miscanthus in spätestens fünf Jahren unsere Standorte in der Eifel mit Heizenergie und Strom versorgen", kündigt Natur- und Wanderfan Lepper an. Immerhin entfaltet ein Kilo Miscanthus den Brennwert von 0,4 Litern Heizöl. Ähnliche Projekte sind für andere Produktionsstätten geplant.

Bei Eifelweilern mit so beschaulichen Namen wie Wallenborn oder Bleckhausen geht Lepper derweil weiter auf Waldsuche - 200 Hektar und eine Rendite von 10 Prozent sind das Ziel. Ehrgeizig, sicher, aber Lepper, für seine Impulsivität oft belächelt und dennoch heute neben Loewe und Metz der letzte deutsche Fernsehproduzent, ist kein Mann fürs Klein-Klein. Schon jetzt trägt der Holzverkauf den Minibetrieb, "und es bleibt der ein oder andere Euro übrig". Durchgerechnet hat Lepper das Ganze nur grob; aber dass sich die Mixtur aus Wald und Chinaschilf langfristig rentiert, davon ist er überzeugt: "Ich bin kein Freund ewiger Analysen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."

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