Forum Leserbriefe

Missionarische Techniken

Imageprofile: Die große mm-Umfrage über die Reputation der deutschen Unternehmen (mm 2/2000)

Ökonomie wird mit naturwissenschaftlichen Methoden betrieben, ist jedoch Geisteswissenschaft: nicht klar-distinkt, sondern spekulativ-intuitiv. Hier lässt sich Wahrheit nur scheinbar errechnen, denn im Wesen ist Erfolg Glaubenssache. So reüssierten anfangs Persönlichkeiten, dann Marken als Werbe-Ikonen, und in Zukunft könnte es eine neue Art von Manager sein, genauer: Sektenführer.

Schauen wir uns an, was in Konzernen wie Wal-Mart, McDonald's, Aldi unter anderem schon geschieht: Mitarbeiter werden hinter nach außen präsentierten Kulissen eingeschworen und gedrillt. Kunden werden folgen, sobald entsprechend säkularisiert missionarische Techniken entwickelt wurden. Corporate Spirit ersetzt ganzheitlich Corporate Branding.

Stephen Korth, Oldenburg


Interessant sind die Aussagen zur Namensentwicklung beim Zusammengehen von Hoechst und Rhône-Poulenc: Bei einem "Merger of Equals" müsse ein neuer Name her. Dies ist kurzfristig gedacht. Ein Unternehmen muss natürlich auch intern bei den Mitarbeitern Identifikation stiften. Aber: Der Überlebenskampf findet extern auf dem Markt statt.

Einer geschlossenen und überschaubaren Zielgruppe wie beispielsweise Mitarbeitern kann ich konkret und umfassend eine neue Entwicklung erklären beziehungsweise kommunizieren. Dagegen ist der Merger unter einem neuen Namen gegenüber einer quantitativ und qualitativ unüberschaubaren Zahl von externen Zielgruppensegmenten - von Konsumenten bis zu Anlegern - weitaus schwieriger zu erklären.

Dr. Nicholas Adjouri, Berlin




Rasante Evolution

Spezial E-Business: Immer mehr Unternehmen nutzen das Internet für ihre Geschäfte (mm 2/2000)

Zahlreiche Firmen benutzen das Internet, um Arbeitsgruppen bei Projekten schnell und erfolgreich zu bilden. Dabei spart man Reisekosten und vermeidet Verzögerungen. Dieses Verfahren geht weiter als Wertschöpfungsketten per Internet zu rationalisieren. Es fordert aber nicht so viele Umbrüche wie der Aufbau eines künstlichen Unternehmens.

Bill Harris, per E-Mail


Besonders für die Luft- und Raumfahrtindustrie zeichnen sich bedeutende Optimierungspotenziale durch die Implementierung von E-Business-Lösungen ab. Dabei gilt aber auch für diese Industrie: Die hohen Potenziale von E-Business werden erst dann realisiert, wenn "reale und virtuelle Prozesse nahtlos ineinander greifen".

Die Besonderheiten dieser Branche fordern eine Nutzung von E-Business-Lösungen zur Optimierung des Geschäfts geradezu heraus. Dazu gehören, neben enormem Preisdruck, unaufhaltsamer Globalisierung und Konsolidierung der Branche, vor allem:

  • überdurchschnittlich komplexe Produkte und Produktionsprozesse in einem stark reglementierten Umfeld;
  • signifikante Entwicklungs- sowie Prozesskosten;
  • extrem hohe Sicherheits- und Service-Anforderungen;
  • Einsatz wegweisender, aber gleichzeitig kostenintensiver Materialien und Technologien;
  • hohes Ausbildungsniveau der Mitarbeiter.


Einige Analysten erwarten daher, dass bereits bis zum Jahr 2004 über ein Drittel aller Transaktionen in der Luft- und Raumfahrtindustrie über das Internet stattfinden werden.

Bei der Umsetzung von E-Business-Strategien zur Optimierung der Kunden-Lieferanten-Beziehungen können viele Unternehmen dabei auf langjährige Erfahrungen im Electronic Data Interchange zurückgreifen.

Allerdings gilt: Auch die Luft- und Raumfahrtindustrie befindet sich erst am Anfang einer rasanten Evolution, die die gesamte Branche nachhaltig verändern wird.

Reik Schneider, IBM Unternehmensberatung GmbH, München




Versäumnis

Private Krankenkassen: mm testete die wichtigsten Anbieter (mm 2/2000)

Der jetzige Finanzminister und sein Vorgänger haben es versäumt, eine Europa-Richtlinie in deutsches Recht umzusetzen, nach welcher die privaten Krankenversicherungen die Alterungsrücklagen beim Versicherungswechsel übertragen müssen. Damit ist der Wettbewerb ausgeschaltet, und über Oligopole kann man ja genauso interessant schreiben wie über Monopole.

Es ist keine Frage, dass Unternehmen Erfolge und positive Zahlen brauchen. Aber auf Kosten von Rentnern und älteren Mitbürgern, die am Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben?

Franz Kemmerling, Owingen




Verwechslung

Aufgrund eines technischen Versehens haben wir im Inhaltsverzeichnis des mm-Heftes 3/2000 nicht den Teles-Chef Sigram Schindler, sondern den Teldafax-Gründer Hans Gerhard Lenz abgebildet. Die Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.




Transaktionen in der Grauzone

Taugt das Internet für die kleinen und mittleren Unternehmen?

E-Commerce - landläufig auch sehr häufig mit E-Shop-Systemen verwechselt - ist kein simpler Geschäftsprozess, auch wenn Firmen wie IBM-Deutschland mit ihrer Technik den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) beratend zur Seite stehen. E-Commerce bedeutet insbesondere, bislang gültige Unternehmensvisionen sehr kritisch auf Aktualität zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu definieren.

Besonders im und über Internet setzen die Ansprache von Teil-Öffentlichkeiten und der Umgang mit ihnen ein ausgefeiltes und gründliches Kommunikationskonzept voraus - erstellt nach den klassischen Regeln des Marketingmanagements. Internet ist aber Chefsache und gehört deshalb nicht in den alleinigen Aufgabenbereich der Marketing- (bei vielen Firmen die Werbeabteilung nur mit neuem Türschild) oder der IT-Abteilung.

Dass gerade dies ein intensiver und zeitaufwändiger Prozess ist, versteht sich von allein. Mit einem engen Zeitraum von drei Monaten, wie das manager magazin schätzt, ist es daher meist nicht getan.

Unternehmen wird leider zu oft erzählt, dass E-Commerce eine preisgünstige Angelegenheit sei. Aber neben der Anschaffung eines Rechners in Höhe von 2500 Mark müssen alle KMU immer mit erheblichen Start- und Folgekosten rechnen.

Sie vermitteln den Anschein, dass alle mittelständischen Unternehmen E-Commerce betreiben sollten. Dies ist so nicht zutreffend: Alle KMU müssen sich genau überlegen, ob sich ein Internet-Auftritt lohnt, und wenn ja, welche Bereiche er umfassen soll.

Die sich aus E-Commerce ergebenden Transaktionen bewegen sich derzeitig noch in einer Grauzone von internationaler und nationaler Judikation.

Kundenkontakte können über das Internet angebahnt werden, dennoch hätte es des eindringlichen Hinweises bedurft, dass bisher nur Briefe, Telexe und Telefaxe eine juristische Beweiskraft besitzen. Zwar wurde von der EU eine Richtlinie über europäische Signaturen verabschiedet, aber diese muss erst noch in jeweiliges nationales Recht umgesetzt werden. Bis dahin können Kontakte per E-Mail allenfalls unterstützend wirken.

Gerade mit Blick auf Wirtschaftsspionage und Sabotage wäre überdies ein deutlicher Fingerzeig auf Sicherheitsrisiken sinnvoll gewesen. Wenn Unternehmen E-Commerce in ihren Produktionsprozess integrieren und innovative Produkte global präsentieren sowie das Internet wegen seines Vorteils der Schnelligkeit und Aktualität im E-Mail-Verkehr (meist unverschlüsselt) einsetzen, ist zu befürchten, dass auf Grund mangelnder Vorsichtsmaßnahmen und durch böswillige Angriffe von außen Betriebsgeheimnisse noch schneller und leiser abhanden kommen, als es bislang schon der Fall ist.

Firewalls und andere Vorsichtsmaßnahmen haben bisher kaum zu einem wirklich effektiven Schutz geführt.

Martina Kausch, St. Augustin

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