Bücher Die Kraft der Kreativen

Kreative an die Macht

Ein zorniger Therapeut und Innovationsexperte ermutigt schöpferische Menschen, sich gegen die Mehrheit der konservativen Technokraten zur Wehr zu setzen.

Das Schöpferische im Menschen ist kein Göttergeschenk an Außergewöhnliche, sondern das Ergebnis jahre- bis jahrzehntelangen Ringens um die Überwindung des Vorgegebenen, des eigenen Mittelmaßes.

Der Schweizer Gottlieb Guntern hat dies hinter sich. Seit gut 20 Jahren ringt er als Arzt, Therapeut und Innovationsexperte mit dem Starrsinn, den bürokratischen Routinen, der Mediokratie seines Landes und der Welt.

Der Kampf hat Spuren hinterlassen ­ vor allem Zorn. Davon handelt dieses böse Buch, eine Philippika gegen die aufgeblähte Unfähigkeit an den Spitzen unserer religiösen, kulturellen, pädagogischen, wirtschaftlichen und politischen Organisationen.

Die Repräsentanten des Mittelmaßes wirken zwar unbeholfen bis lächerlich, sind aber skrupellos und stützen sich auf satte Mehrheiten. Daher erfordert der Feldzug gegen die konservativen Technokraten neben der Vision von der kreativen Schmetterlingsgesellschaft ein gehöriges Maß an Insiderwissen, Strategie und Taktik. All dies bietet die Streitschrift.

Seit gut zehn Jahren versammelt Gottlieb Guntern auf seinem "Internationalen Zermatter Symposium" Manager, Künstler, Techniker, Politiker und Wissenschaftler aus aller Welt zum Thema kreative Führung. Auf diesen Treffen machen er und seine Gäste sich gegenseitig schlau und Mut.

Mut brauchen kreative Menschen. Werden sie doch häufig von der schweigenden, ausgrenzenden und mobbenden Mehrheit als Spinner, Kranke, ja Kriminelle gebranntmarkt und angegriffen.

Wer dieses Los nicht scheut, sogar sucht oder bereits gewählt hat, den beflügelt Gottliebs Buch.

Fazit: Ein Unternehmen hat nur dann eine viel versprechende Zukunft, wenn Beständigkeit und Kreativität konstruktiv miteinander ringen. Dieses Buch stärkt ausnahmsweise die Seite der Kreativen.

Gottlieb Guntern: "Maskentanz der Mediokratie. Kreative Leadership versus Mittelmaß"; Orell Füssli, 2000, 264 Seiten, 49 Mark.


Ökonomen im Irrgarten

Paul Krugman geißelt die Glaubenssätze der eigenen Zunft.

Wirtschaftswissenschaftler gelten als Langweiler. Doch es gibt Ausnahmen: Paul Krugman ist weltberühmter Theoretiker am MIT in Boston ­ dennoch strotzen seine Bücher vor Witz und Biss. Diesmal beißt er die konservativen Ökonomen.

Was zum Beispiel wurde aus den vorhergesagten Revolutionen und Wenden der Angebotsideologen? Der Namensspender der Reaganomics, Ex-Präsident Reagan, schaffte weder eine Wende der staatlichen Ausgaben- und Steuerpolitik noch einen grundlegenden wirtschaftlichen Aufschwung.

Krugman warnt vor den einfachen Lektionen von Globalisierung und Lohnhöhe, von technologischem Wandel und Arbeitsplatzverlust oder von Laptops für Schüler und Bildungsanstieg. Er entlarvt 27 wirtschaftliche Glaubenssätze als hohl, und er ersetzt sie durch bessere Argumente und Modelle: Mit alltagstauglichen Handlungsmustern vermittelt uns Krugman ökonomische Zusammenhänge. Zudem lernen wir, den wirtschaftlichen Realitäten mehr Beachtung zu schenken.

Wer Wirtschaft verändern will, muss sie erklären können, einfach, aber nicht beschränkt: "Simple Schlagwörter geben den Menschen nur ein gutes Gefühl. Sie ersetzen das Denken", schreibt Krugman. Mithin berauben sie uns der Möglichkeit, unser wirtschaftspolitisches Handeln zu überdenken.

Fazit: Krugmans Buch hilft, die Wirtschaftswelt schöpferischer und weniger schicksalhaft zu sehen. Ein lesenswertes Plädoyer für Spaß am Denken und gesunden Menschenverstand.

Paul Krugman: "Schmalspur-Ökonomie. Die 27 populärsten Irrtümer über Wirtschaft"; Campus, 2000, 245 Seiten, 49,80 Mark.


Das Neue ist das Alte

Die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu stärken ist heute wichtiger denn je.

Schon wieder ein neues Managementparadigma? Ja ­ und dennoch ist es sinnvoll, dieses Buch zu lesen.

Es geht um das eigenverantwortliche Unternehmen, im amerikanischen Original: "The Individualized Corporation". Was das mit dem deutschen Titel "Der Einzelne zählt" zu tun hat, bleibt ein Geheimnis des Verlags. Aber der Untertitel stimmt: Das Autonomiemodell der Autoren beschreibt ein innovatives und zukunftsweisendes Konzept.

Was bedeuten Individualisierung, Selbstverantwortung und Autonomie im Zusammenhang mit Unternehmen? Was ist neu daran und zukunftsweisend?

Das Neue ist das Alte: Jeder Unternehmensteil, jedes Werk, jeder Betrieb erhält die Alleinverantwortlichkeit zurück, die manches kleine oder mittelständische Unternehmen heute noch praktiziert.

Diese Verantwortlichkeit stützt sich auf die Kreativität und das Können der Menschen. Aber sie beruht auch auf modernen Strukturen und Strategien, zum Beispiel auf der "Organisationsbilanz", in der die organisatorischen Fähigkeiten und Fehler des (Teil-) Unternehmens bilanziert werden.

Selbstverantwortung verbindet in einem Konzern die Beweglichkeit eines Kleinbetriebs mit den Möglichkeiten eines Großunternehmens. Wobei Beweglichkeit deutlich mehr bedeutet als nur kontinuierliche Verbesserung und Innovation ­ sie führt in letzter Konsequenz zu einer regelmäßigen Erneuerung.

Gemeinschaftliche Eigeninitiative und Eigenverantwortung ­ das ist die Grundlage dieser Unternehmensverfassung. Die Mitarbeiter wissen, dass sie vor allem vier Qualitäten einbringen müssen: Unterstützung, Vertrauen, Disziplin und "Stretch" (Bereitschaft zur Selbstüberschreitung).

Wer das alles bereits umsetzt, der hat das neue Jahrtausend auf seiner Seite. Wer noch nicht so weit ist, der sollte sich ein paar Stunden Zeit zum Lesen nehmen.

Fazit: Bartlett und Ghoshal haben das Handbuch des neuen autonomen Unternehmens geschrieben. Glückwunsch zu diesem Werk, das eine ganzheitliche Sicht mit einer anschaulichen Beschreibung praktischer Beispiele verknüpft.

Christopher A. Bartlett/Sumantra Ghoshal: "Der Einzelne zählt. Ein Managementmodell für das 21. Jahrhundert"; Hoffmann und Campe, 2000, 384 Seiten, 44,90 Mark.


Lebenshilfe für kleine Einsteins

Kreativität steckt in jedem Menschen, sie kommt bloß nicht immer zum Vorschein. Dabei gibt es faszinierende Möglichkeiten, sie herauszukitzeln.

Brodbeck, Karl Heinz: "Mut zur eigenen Kreativität. Wie wir werden, was wir sein können"; Herder, 2000, 192 Seiten, 17,80 Mark.
Der Ökonom, Ingenieur und Philosoph Karl Heinz Brodbeck bietet uns ein neuartiges Kreativitätsmodell an ­ beachtenswert.

Burow, Olaf-Axel: "Die Individualisierungsfalle. Kreativität gibt es nur im Plural"; Klett-Cotta, 1999, 164 Seiten, 32 Mark.
Olaf-Axel Burow spürt den Erfolgsquellen der Comedian Harmonists, der Beatles und anderer kreativer Teams nach. Sein Rezept: Suchen Sie Gleichgesinnte, bilden Sie ein kreatives Feld und bringen Sie dort Ihre Fähigkeiten zur Entfaltung. Dieses Buch atmet Kreativität.

Gardner, Howard: "Kreative Intelligenz. Was wir mit Mozart, Freud, Woolf und Gandhi gemeinsam haben"; Campus, 1999, 208 Seiten, 39,80 Mark.
Wir machen es außergewöhnlich kreativen Menschen eher schwer als leicht, uns mit ihrer besonderen Gabe zu bereichern und zu erfreuen. Howard Gardner zeigt einen Ausweg, auch für den kleinen Einstein in uns.

Weise, Horst: "Aufbruch in ein neues Zeitalter. Wirtschaft und Gesellschaft im Netz der Logistik"; Frankfurter Allgemeine Buch, 2000, 222 Seiten, 58 Mark.
Der Neuerer Horst Weise zeigt am Beispiel des scheinbar so profanen Transportwesens, dass Kreativität nicht nur Künstlern und Mathematikern zukommt.

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