Samstag, 7. Dezember 2019

Zweite Karriere Die Gerhard-Schröder-AG

Türöffner, Ratgeber, Aufsichtsrat: Gerhard Schröder arbeitet für die Wirtschaft wie kein deutscher Altkanzler vor ihm. Er hat Büros in Berlin, Hannover und der Schweiz, wo er seine umstrittenste Klientin vertritt: Die Nord-Stream-Pipeline, deren Bau heute offiziell startet. Einblicke in Schröders hoch rentierliches Geschäftsmodell.

Zug, Grafenauweg, 22. Januar. Es ist eine große Erleichterung zu spüren auf der Sitzung des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG in der Schweizer Kleinstadt. Der Vorsitzende Gerhard Schröder verbreitet gute Laune, die Russen sind zufrieden, die Vertreter der westlichen Energiekonzerne wie Eon Börsen-Chart zeigen oder BASF Börsen-Chart zeigen ebenfalls. Das Gröbste ist ja geschafft. Die Nord-Stream-Pipeline, die von Russland 1220 Kilometer durch die Ostsee bis nach Greifswald verlaufen soll, ist "politisch durch", wie ein Teilnehmer formuliert.

Die Schröder-Runde spricht bereits die Eröffnungszeremonie ab. Ein erstes Meinungsbild ergibt: Der Baubeginn im April wird im russischen Wyborg begossen. Eine Arbeitsgruppe soll die Details der Feierlichkeiten abklären.

Erlangen, Aula des Schlosses, 27. Januar. Eine Stunde lang hat Gerhard Schröder auf Einladung des Zentrums für Angewandte Geschichte das Publikum mit seinen Ansichten zur Weltlage beglückt. Obamas USA? "Bleibt mächtig." China? "Müssen wir mehr Respekt entgegenbringen." Die EU? "Zeigt Schwäche" und müsse sich "strategisch erweitern", um die Türkei als Mitglied und Russland als assoziierten Partner.

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Der Mann zeigt sich in Bestform: Nur ab und zu schaut Schröder in das 32-seitige Redemanuskript. Als sich der Ex-Kanzler (der Republik) beim Kanzler (der Universität) bedankt, weil dieser ihm per Zuruf bei einer Rechenaufgabe hilft, geht - je nach Temperament - ein Glucksen und ein Wiehern durch den Saal. Beim anschließenden Empfang nimmt der Geschichte-Erzähler noch ein Glas im Stehen; eine halbe Stunde später ist er, ohne viel Aufhebens, verschwunden.

Persischer Golf, 14. bis 17. März. Die Deutsch-Emiratische Freundschaftsgesellschaft, mit Gründer Gerhard Schröder an der Spitze, macht sich auf. Zunächst trifft Schröder in Abu Dhabi Scheich Hamdan, den Mitinitiator des Kreises kennt er seit Jahren. Dann geht es nach Bahrein, zum König, der Schröder persönlich eingeladen hat. Der kommt nicht allein, hat 20 Unternehmer im Schlepptau.

Zug, Erlangen, Arabien: Es schrödert im Abend- wie im Morgenland. Auch nachdem der Multikultimann im Herbst 2005 die Bundestagswahl mit Ach und viel Krach gegen Angela Merkel verloren hat, ist sein Terminkalender vollgeschrieben, fast wie zu seligen Kanzlerzeiten. Er ist ja auch gefragt wie kaum ein Amtsinhaber, hat Büroadressen in Berlin (Unter den Linden), im hannoverschen Zooviertel (Kanzlei v. Fromberg & Collegen) und natürlich auch im schweizerischen Zug (Nord Stream).

© manager magazin 3/2010
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