Montag, 18. November 2019

Zweite Karriere Die Gerhard-Schröder-AG

2. Teil: Lohnender Wechsel

Gerhard Schröder gilt als Modellfall für eine zweite Karriere eines deutschen Ex-Regierungschefs. Er ist der erste, der sich in vielen Rollen, die die Wirtschaft anbietet, bewährt und dabei ein ansehnliches Auskommen findet: als Aufsichtsrat, Berater, Türöffner, Konfliktlöser - und als gut bezahlter Redner sowieso.

Er selbst hängt es niedrig: Privatmann sei er halt. Solle man doch schreiben, er kümmere sich um Frau und Kinder - basta. Was hiermit erledigt wäre und somit auch nicht weiter aufhält.

Stets war sein Credo: Ein Politiker brauche einen Job vor und einen nach dem Amt. Rechtsanwalt hat er gelernt. Nach dem Abschied aus der Politik trat er in die Kanzlei des Götz-Werner v. Fromberg ein. Mit dem Namensgeber ist er seit Jahren eng befreundet; Fromberg lädt in seinen Partykeller, man trifft sich zum Weihnachtsgansessen.

Er brauchte halt eine Sozietät für seine Zulassung als Anwalt: "Mir war klar, dass ich meine in der Politik zusätzlich erworbenen Kenntnisse nicht am Amtsgericht Hannover umsetzen kann, sondern besser in Form von Beratung an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Politik", sagt Schröder.

Seine "innere Freude an ökonomischen Prozessen" (ein Wegbegleiter) trifft auf einen wachsenden Bedarf der Wirtschaft an politischer Expertise. Solche Fähigkeiten sind ja in der Unternehmenswelt nur rudimentär vorhanden. Was der Erfolg internationaler Großpolitiker mit vergleichbaren Geschäftsmodellen wie Schröder beweist: Bill Clinton zum Beispiel oder Tony Blair und Ehud Barak.

Da kommt einer, der seit je die Nähe zu den Konzerngewaltigen sucht, ob als Autokanzler oder Energiepromoter, gerade recht. Einer, der - so ist nun einmal seine Mentalität - kameradschaftliche Beziehungen zu vielen Staats- und Regierungschefs unterhält. Einer, dessen Ruf im Ausland schon immer besser war als daheim. Einer, der - strategisch geschickt - die Regionen besetzt, die Nachfolgerin Merkel nur unzureichend abdeckt: Russland, China, Arabien, Türkei - allesamt hochsensible und hochinteressante Märkte für weite Teile der deutschen Wirtschaft.

Im Grund gehe es für die Politiker darum, "ihr Adressbuch zu versilbern", sagt John Wittgenstein, Seniorpartner der Personalberatung Korn/Ferry. "Sie kapitalisieren ihre Kontakte." Das Jahreseinkommen der Gerd-AG (Rednerhonorare inklusive) schätzen Gehaltsexperten auf anderthalb Millionen Euro.

© manager magazin 3/2010
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