Dienstag, 23. April 2019

Wahre Werte Macht Geld glücklich?

5. Teil: Ehepartner machen glücklich, meistens

Man vergleicht sich aber nicht nur mit anderen, sondern es gibt immer auch eine Differenz zwischen den Glückserwartungen und dem tatsächlichen Glücksergebnis. Wie freut man sich auf die Stilettos von Manolo Blahnik. Doch stehen sie dann erst mal im Schuhschrank, dann sinkt ihre Glückswirkung kontinuierlich, bis man erneut shoppen geht, ein Circulus vitiosus.

Ein weiteres Handicap der materiellen Glücksbringer sind die immer größeren Erwartungen: War in den 50er Jahren ein VW noch ein echter Glückskäfer, so braucht es heute deutlich mehr PS, um denselben Effekt zu erzielen. Forscher erklären dies mit der "Adaption Level Theory": Man gewöhne sich an eine gewisse materielle Ausstattung. Wir befinden uns, so der britische Ökonom Richard Layard, in einer "hedonistischen Tretmühle", wollen immer mehr. Zum Glück - für die Wirtschaft. Auch für den Einzelnen?

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Wissenschaftler: Jeder Mensch hat sein individuelles Glückslevel: Und selbst wenn man an der Börse Millionen gewinnt oder verliert - nach einiger Zeit hat man sein persönliches Level wieder erreicht. Dieses "psychologische Immunsystem" schütze - individuell sehr unterschiedlich - vor den Unbilden des Lebens, so der Harvard-Psychologe Daniel Gilbert. Mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman stimmt Gilbert überein, dass die Auswirkungen einzelner Ereignisse oder Schicksalsschläge für das Glück des Menschen weit überschätzt werden. Und das gilt vor allem auch für finanzielle Ups and Downs.

Wie man glücklich wird

Was kann man tun, um glücklicher zu werden, glücklich zu bleiben? Glückstherapeuten wie Michael W. Fordyce raten: "Verbringe mehr Zeit mit anderen Menschen. Aktiviere alte Freundschaften, schließe neue." Wie wichtig soziale Kontakte für ein erfülltes Leben sind, wusste bereits der antike Glücksexperte Epikur. Kurz vor seinem Tod schreibt er an seinen Freund Idomeneus: "Ich werde von Harn- und Ruhr-Beschwerden verfolgt, die keine Steigerung der Größe mehr zulassen. All dem aber steht gegenüber die Freude der Seele über die Erinnerung an die von uns geführten Gespräche." Freunde machen glücklich. Ehepartner auch, meistens. Der Ökonom Nattavudh Powdthavee hat ausgerechnet, wie viel Freunde und Verwandte wert sind: zwischen 35.000 und 64.000 Pfund im Jahr, je nachdem, wie häufig man sie trifft. So viel Geld müsste man nämlich zusätzlich verdienen, um das Fehlen seiner Lieben zu kompensieren.

Gewiss, Geld kann glücklich machen. Aber eben nur vorübergehend. Es sei denn, man gibt es für andere aus. Dann ist Glück gleichsam garantiert, vermuten die Glücksforscher. Die zwei reichsten Männer der Welt, Bill Gates und Warren Buffett, wissen das und stifteten bereits große Teile ihrer Vermögen für Wohltätiges. Zum Wohle anderer, aber auch zum eigenen Wohl. Vielleicht ein Tipp für Dagobert Duck?

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